Bedoeld is: antroposofie in de media. Maar ook: in de persbak van de wijngaard, met voeten getreden. Want antroposofie verwacht uitgewrongen te worden om tot haar werkelijke vrucht door te dringen. Deze weblog proeft de in de media verschijnende antroposofie op haar, veelal heerlijke, smaak, maar laat problemen en controverses niet onbesproken.

donderdag 2 juni 2011

Imaginatie en inspiratie


Er zijn dus drie berichten tussengekomen. Want op het einde van Romantiek’ op zaterdag 21 mei schreef ik:
‘Het verband tussen Spinoza, Herder en Goethe zal Steiner verder uitwerken op 21 mei 1921, in de eerste voordracht van “Die Naturwissenschaft und die weltgeschichtliche Entwickelung der Menschheit seit dem Altertum” (GA 325). Maar daarover later meer.’
Dat wordt dus vandaag, op deze Hemelvaartsdag. Die bewuste voordracht is de eerste van vier die werden gehouden in Stuttgart, en heeft op de website van de uitgeverij zelfs de titel ‘Die imaginative und die inspirative Erkenntnis und ihre Auswirkung auf die Seelenverfassung des Menschen’ meegekregen. In GA 325 zijn daarvoor nog twee voordrachten opgenomen, die Steiner hield in het oude Goetheanum – voor de brand – in Dornach op 15 en 16 mei tijdens een Pinksterconferentie. Bij de aantekeningen achterin op bladzijde 167 wordt ‘Zu dieser Ausgabe’ een en ander nader uitgelegd:
‘Die beiden Dornacher Vorträge wurden im Rahmen einer Pfingsttagung am Goetheanum gehalten. Den Auftakt bildete am Samstag ein in englischer Sprache gehaltener Vortrag von Baron Arild Rosenkrantz über das Thema «The modern artist and the Goetheanum». Den Ausführungen Rudolf Steiners schlossen sich am Dienstag und Mittwoch Vorträge von Roman Boos (Über Thomismus) und Albert Steffen an. Am Pfingstsamstag und Pfingstsonntag fanden jeweils am Nachmittag künstlerische Darbietungen (Rezitationen, Eurythmie, Musikalisches) statt.

Die vier Stuttgarter Vorträge wurden im Rahmen der vom «Verein Goetheanismus» und vom «Bund für Anthroposophische Hochschularbeit» veranstalteten «Freien Anthroposophischen Hochschulkurse» gehalten. Die Hochschulkurse dienten – so die Ankündigung für das 2. Semester 1921 – dazu, «Vor der Öffentlichkeit und für Studenten die Ergebnisse anthroposophisch gerichteten wissenschaftlichen Arbeitens darzustellen». Im ersten Semester, Winter 1920/21, waren 282 Hörer, darunter 90 Studenten, eingeschrieben. «Es wurden», so heißt es in der Ankündigung weiter, «mathematische, physikalische, chemische, physiologische, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche, sprachwissenschaftliche, geschichtliche, künstlerische, literarische, philosophische und anthroposophische Themata behandelt und wöchentlich ungefähr 22 Stunden, zumeist am Abend, damit belegt.»

Als Leitmotiv liegt den in dem hier vorliegenden Band enthaltenen Vorträgen Rudolf Steiners vom Mai 1921 der Gedanke zugrunde, daß ohne eine exakte Kenntnis der Seelenverfassung der Menschen und Völker seit dem Altertum ein umfassendes Verstehen der Entwicklung der modernen Naturwissenschaft nicht erlangt werden kann. Siehe auch den Bericht von Jürgen von Grone über die Stuttgarter Vorträge in der Wochenschrift «Dreigliederung des sozialen Organismus», 2. Jg. Nr. 49 vom 7. Juni 1921, S. 4f.

Textunterlagen: Die beiden Dornacher Vorträge wurden von der Berufsstenografin Helene Finckh mitstenografiert. Dem Druck liegen die von ihr vorgenommenen Übertragungen in Klartext zugrunde. – Der Wortlaut der Stuttgarter Vorträge basiert auf der maschinenschriftlichen Übertragung der Stenogramme, die von einem namentlich nicht mehr festzustellenden Stenografen (möglicherweise Hedda Hummel) aufgmommen wurden. Die Vorträge vom 21. und 22. Mai sind von Rudolf Steiner für den Erstdruck in der Monatsschrift «Die Drei» (siehe unten) redigiert worden.

Veränderungen gegenüber der ersten Auflage 1969: Der Vortrag vom 21. Mai 1921 wurde neu gesetzt. Er enthält nunmehr sämtliche von Rudolf Steiner in der Klartextübertragung und in den teilweise erhalten gebliebenen Druckfahnen angebrachten Korrekturen. – In den übrigen Vorträgen wurden lediglich einige geringfügige – und daher nicht gesondert aufgeführte – Korrekturen vorgenommen. Ferner wurden die Hinweise ergänzt, sowie Inhaltsangaben zu den einzelnen Vorträgen und ein Personenregister hinzugefügt.’
Als we dit allemaal weten, kan ik overschakelen naar de tekst zoals die op internet is te vinden, een oude versie, want niet helemaal gelijk aan de meest recente druk, en dus die van 1969 waarschijnlijk. Maar de gedachtengang moet ook hier te volgen zijn. We duiken ongeveer halverwege in de voordracht en op de bladzijden 84-94 (tot het einde van de voordracht) lezen we dan het volgende:
‘Nun, im gegenwärtigen Zeitpunkt der Menschheitsentwickelung müssen durch solche Übungen, wie ich sie beschrieben habe in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft», solche Erkenntniszustände herbeigeführt werden. Der Mensch muß bewußt in solche Erkenntniszustände aufsteigen. Aber wir können von dem, was wir da bewußt hervorrufen, unterscheiden, was davon Seelenempfindung ist. Man kann von diesem, was man sich da erarbeitet, was man zuletzt erkennt, die Art unterscheiden, wie man sich im Imaginieren, im Inspiriertwerden fühlt.

Nun möchte ich nicht durch Charakteristiken abstrakter Art diese Seelenverfassung andeuten, sondern ich möchte sie aus dem Konkreten heraus schildern. Sehen Sie, Goethe, nachdem er Herder kennengelernt hatte, vertiefte sich mit Herder zusammen in die Werke Spinozas, und derjenige von Ihnen, der etwas von Herders Biographie kennengelernt hat, der weiß, wie Herder ungeheuer enthusiastisch sich verhalten hat zu Spinoza. Wenn man aber wiederum ein solches Werk wie zum Beispiel Herders «Gott» liest, worin er auseinandersetzt, wie er gegenüber Spinozas Werken empfindet, da muß man sagen, Herder redet über den Spinozismus und aus dem Spinozismus heraus ganz anders als Spinoza, der Philosoph, selber. Aber eines hat Herder sehr ähnlich mit Spinoza: die Seelenverfassung, aus der heraus er den Spinoza liest und wiederum aus dem Spinoza heraus schreibt. Die Herdersche Seelenverfassung hat etwas sehr Ähnliches mit der Seelenverfassung, aus der heraus zum Beispiel Spinozas «Ethik» geschrieben ist. Diese Seelenstimmung, diese Seelenverfassung, die ist tatsächlich etwas, was auf Herder übergegangen ist und die in einer gewissen Beziehung auch auf Goethe übergeht, indem er mit Herder zusammen sich in das Studium des Spinoza vertieft. Während aber Herder eine gewisse Befriedigung in dieser Seelenverfassung hat, hat sie Goethe nicht. Goethe empfindet ebenso tief dieses Aufgehen in den Objekten, dieses Hinüberfließen des Ich in die Außenwelt, was ja bei Spinoza so grandios berührt, wenn er, man möchte sagen, in der völlig leidenschaftslosen Kontemplation so redet, wie wenn das Weltall selber reden würde, wie wenn er sich vergessen würde und seine Worte bloß das Mittel wären, durch welche das Weltall selber redet. Auch Goethe kann das, was da der Mensch an Objektivität erleben kann, durchaus nacherleben, und er empfindet in bezug auf das zunächst, was Herder empfindet, gleich, durchaus gleich; aber er ist nicht befriedigt, er fühlt eine Sehnsucht nach noch etwas anderem, und es erscheint ihm trotz aller Tiefe der Empfindung, die er sich dadurch erworben hat, der Spinozismus noch immer wie etwas, was den ganzen Menschen keineswegs ausfüllen kann.

Im Grunde genommen ist dasjenige, was Goethe so fühlt gegenüber Spinoza, nur eine andere, tiefere Nuance desjenigen, was er gegenüber dem ganzen Fühlen innerhalb der mehr nordischen Welt hat. Er fühlt sich nicht befriedigt durch das, was die ihm zunächst durch Weimar zugängliche Zivilisation geben kann. Und Sie wissen ja, wie sich aus dieser Stimmung bei Goethe zuletzt das herausverdichtet, was ihn hinunter nach dem Süden, was ihn nach Italien treibt. Und in Italien sieht er ja zunächst nur das, was die Italiener auf Grundlage der griechischen Kunst geschaffen haben. Aber in seiner Seele entsteht etwas wie eine Rekonstruktion der griechischen Kunstrichtung und der griechischen Kunstweise, und man kann tief die ganze Goethesche Eigenart jener Zeit mitempfinden, wenn man die Worte liest, die er dann, stehend vor denjenigen Kunstwerken, die ihm das künstlerische Schaffen der Griechen vor die Seele zauberten, an seine weimarischen Freunde schreibt: «Da ist die Notwendigkeit, da ist Gott.» «Ich habe die Vermutung», schreibt er, «daß die Griechen nach denselben Gesetzen verfuhren bei Schöpfung ihrer Kunstwerke, nach denen die Natur selbst verfährt, und denen ich auf der Spur bin». «Da ist die Notwendigkeit, da ist Gott», mit Anspielung auf Herders aus Spinoza geschöpftes Werk «Gott».

Also gegenüber dem, was ihn aus Spinoza heraus anwehen konnte, empfand Goethe nicht diejenige Notwendigkeit, die er empfinden wollte; er empfand sie gegenüber dem, was wie eine Erneuerung des griechischen Kunstschaffens vor seiner Seele stand während seiner italienischen Reise. Und wiederum bei dem, was sich da in ihm bildete, entstand dann die Möglichkeit, seine besondere Art des Naturanschauens auszubilden. Wir sehen, wie Goethe seine Sehnsucht gegenüber einer Naturerscheinung in abstrakt lyrischen Worten in einem Prosahymnus zum Ausdruck gebracht hatte, bevor er nach dem Süden gegangen ist; und wir sehen, wie das, was in abstrakt lyrischen Strömungen sich in diesen Prosahymnus «Die Natur» ergossen hatte, in Italien konkrete Anschauung wird, wie zum Beispiel das Pflanzenwesen in geistig übersinnlich-sinnlichen Bildern vor seiner Seele steht, wie er die Urpflanze jetzt findet unter den mannigfaltigen Pflanzengestalten. Diese ist eine ideal-reale Gestalt, die man nur im Geiste anschauen kann, die aber dann als eine reale allen einzelnen Pflanzen zugrunde liegt. Und wir sehen, wie es von jetzt ab der Gegenstand seines Suchens wird, für die ganze Natur diese Urbilder, die zugleich eins und vieles sind, indem sie aufeinander wirken, vor seine Seele zu rücken. Wir sehen, wie die einzelne Pflanze in der Aufeinanderfolge ihrer Blätter, bis zu den Blüten, bis zu der Frucht herauf eine Stufenfolge von sich verwandelnden Bildern wird, wie er das Werdende in Bildern festhalten will. Aus Spinozas «Ethik», indem er sie mit Herder las, strömte Goethe so etwas zu wie ein Unanschauliches, aber aus einer anderen Welt heraus Tönendes, aus der Welt heraus tönend, in die man sich versetzen kann mit seiner Gemütsstimmung, wenn man zum leidenschaftslosen Kontemplieren kommt. Aber es war bei Spinoza nicht anschaulich. Die Sehnsucht nach Anschaulichkeit lebte aber in seiner Seele, und sie wurde in einer gewissen Weise erfüllt, als er sich anregen ließ von jenen Bildern, die ihm in ähnlicher Art auftauchten wie das wiedererstandene griechische Kunstschaffen, und die er auch erfühlte, als er die Urgestalten, die Urgewalten der Natur bildhaft werdend vor seine Seele zaubern konnte.

Was war das, was Goethe da nacheinander erlebte? Es war das, was die Seelenstimmung ist – jetzt nicht der Seeleninhalt, nicht das, was man erforscht, sondern was die Seelenstimmung ist auf der einen Seite bei der Inspiration, auf der anderen Seite bei der Imagination. Weder Goethe noch Herder hatten in ihrer Zeit schon die Möglichkeit, in die geistige Welt hineinzuschauen, wie das heute durch Geisteswissenschaft geschehen soll, aber wie ein Vorahnen dieser Geisteswissenschaft war in ihnen die Stimmung vorhanden, die in besonderer Verstärkung, in besonderer Intensität beim Inspirieren und Imaginieren auftritt. Herder und Goethe fühlten sich in Inspirationsstimmung, indem sie Spinoza lasen, und Goethe fühlte sich in Imaginationsstimmung, als er sich durch die italienischen Kunstwerke zu seiner Naturanschauung hindurcharbeitete. Goethe empfand aus der Inspirationsstimmung des Spinozismus heraus die Sehnsucht nach der Imaginationsstimmung, und was Goethe als Urbilder der Pflanze, des Tieres fand, es war imaginativ, wenn auch noch nicht wirkliche Imagination. Die Methode, wirkliche Imagination zu erwerben, hatte Goethe nicht. Aber dasjenige, was er hatte, war die Stimmung, die man beim Imaginieren hat. Diese Stimmung konnte er in sich anfachen, indem er zwar nicht zu wirklichen, reinen, frei innerlich geschaffenen Imaginationen aufrückte, sondern indem er, sich anlehnend an dasjenige, was Pflanze, Tier, was die Wolkenwelt darleben, in sich dergestalt verwandelte, daß er sich anlehnte an das, was in der äußeren Welt als Werden vor sich geht und es nachbildete in sinnlich-übersinnlichen Bildern. Er konnte sich in diese beim Imaginieren verlaufende Stimmung finden, wie er sich beim Lesen des Spinoza gefunden hat in die Stimmung des Inspiriertwerdens, in das Aufhören des sich in seiner Subjektivität Fühlens, des sich Fühlens in der Welt, so daß das, was ausgesprochen wird, sich der Worte nur als Mittel bedient, um gewissermaßen die Geheimnisse des Weltenalls von der Welt selber aussprechen zu lassen.

Wer jemals wirklich jenen Übergang empfunden hat, der da in der Seele auftreten kann, wenn man anfängt, zunächst Spinozas «Ethik» wie eine mathematische Abhandlung zu lesen und wenn man sich dann hineinfindet in die Begriffe wie in mathematische Begriffe, und dann immer weiter aufsteigt bis zu der «scientia intuitiva», wo Spinoza so redet, bewußt so redet, als wenn er darinnen stünde in der Welt und sich selbst voll erfassen würde, als wenn die Welt sich durch ihn als durch ihr Mundstück zum Ausdruck brächte, wer dieses Übergehen in die reine Kontemplation Spinozas fühlt, der fühlt auch, was Goethe und Herder an Spinoza empfunden haben. Er fühlt, wie der eine mehr selbstbefriedigt wie Herder, der andere mehr mit Sehnsucht in dieser Inspirationsstimmung lebte. Und so können wir sagen, es gehen aus dem, was heute die geisteswissenschaftliche Forschung uns bietet an Methoden, um die Imagination zu erringen, die Inspiration zu erringen, gewisse Seelenstimmungen hervor, in denen man sich im imaginativen, im inspirierten Leben befindet. Man kann aber auch geschichtlich verfolgen, wie zum Beispiel Goethe, ohne noch die Inspiration, ohne die Imagination zu haben, nach diesen Stimmungen hintendierte. Und nun gehe man weiter, man sehe sich Spinoza an. Wenn man sich Spinoza ansieht, wenn man nun wirklich innerlich Geschichte treibt, nicht so, wie es vielfach heute von den Philosophiehistorikern gemacht wird, so wird man von Spinoza geführt zu denjenigen, die seine Anreger waren. Und die Anreger Spinozas waren die im Südwesten Europas lebenden Nachzügler des Arabismus, der arabisch-semitischen Weltanschauung. Derjenige, der solche Dinge versteht, wird noch nacherleben können, wie das, was dekadent in der Kabbala hervorgetreten ist, sich in den reinen Vorstellungen des Spinoza wiederfindet. Und so wird man dann weiter zurückgeführt über den Arabismus nach dem Orient, und man lernt erkennen, wie das, was da bei Spinoza auftritt, in Begriffe, in intellektualistische Vorstellungen gebrachte Weltansicht der Vorzeit ist. In der Welt des alten Orients tritt dasselbe auf wie bei Spinoza, nur nicht in intellektualistischen Formen, sondern als alte orientalische Inspiration, aber als eine Inspiration, die nicht so erworben war wie die unsrige heute, sondern eine Inspiration, die wie eine Naturgabe bei gewissen orientalischen Völkern vorhanden war, dann herübergewandert ist nach Ägypten und da eine besonders tiefe Ausbildung erfahren hat. Gehen wir zurück in das Ägypten, aus dessen Quellen Moses seine Anschauungen geschöpft hat, zurück in das Ägypten, von dem auch die Griechen gelernt haben, dann finden wir da schon auf einer hohen Stufe das ausgebildet, was aus dem asiatischen Orient auch nach Ägypten herübergekommen ist. Wir finden da auf einer hohen Stufe ausgebildet, was als Inspiration gelebt hat, nicht als bewußte Inspiration, sondern als unbewußte, atavistische, als Inspiration, die wie eine instinktive Naturgabe vorhanden war. Wie instinktiv haben die Ägypter vor dem 10., 9. und 8. vorchristlichen Jahrhundert in der Umwelt so gelebt, daß sie sich mit dieser eins fühlten, daß sie das, was sie von dieser Umwelt erkannten, innerlich kontemplativ erlebten, indem der Mensch sich seiner Umwelt überließ, so überließ, daß er instinktiv eins wurde mit der Natur. Das haben die Ägypter aus der Natur herausgeholt.

Und nun gehen wir an das heran, wonach Goethe sich sehnte, als er die Stimmung der Inspiration erlebt hatte, an das Imaginative. Er sah es gewissermaßen zuerst als eine bedeutsame Anregung in der Kunst der Griechen. Da empfand er in Anschauung, wie Herder sie empfunden hatte in der Begriffs-, in der Vorstellungswelt, wie sie kontemplativ bei Spinoza auftrat. Und was Goethe da empfunden hat, das vertiefte er bis zur Naturanschauung, so daß er später aus seinem Geiste heraus ein so tiefes Wort sprechen konnte: «Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst.» Durch die Kunst hindurch sah Goethe auf den Grund der Imagination. Und er suchte, sich anlehnend an das Naturwerden, diejenige Seelenstimmung, die der Mensch hat, wenn er mit dem Werden eins wird, zwar noch nicht aus sich herausgeht, sondern mit dem eins wird, was in ihm selber abläuft, wo er sich in Bildern auslebt und unter Bildern selber zum Bilde wird. Dieses Sich-selber-Überwinden und doch Erhalten in der Imagination, es offenbarte sich Goethe durch die Kunst der Griechen, aber er suchte es nicht bloß in der Kunst, er suchte es in seinen Urgründen als Naturanschauung. Und verfolgen wir dieses besondere Element weiter, das Goethe ausbildete, so erreichen wir es heute in ganz bewußter Weise, wenn wir die imaginative Anschauung ausbilden. Versuchen wir nun es zurückzuverfolgen nach seinen Ursprüngen, wie wir den Spinozismus zurückverfolgt haben nach dem alten Ägypten, so werden wir zu den Griechen geführt und von da weiter nach dem Orient. Wir kommen vom Griechentum aus hinüber nach der im Werden lebenden Weltanschauung der Chaldäer, die ihrerseits wiederum aus der persischen Welt und aus der ganzen asiatischen Welt, die eine besondere Stufe auch im Chinesischen hat, geschöpft haben. Geradeso wie wir, ich möchte sagen, hindurchschauen durch die Seelenstimmung Spinozas auf das alte Ägyptertum, so schauen wir durch Goethes Anschauung griechischer Kunst hindurch auf die so merkwürdige Werdeanschauung, die im alten Chaldäa gelebt hat. Bis in die Einzelheiten hinein kann man diesen Gegensatz des Chaldäertums und Ägyptertums an Goethe und Spinoza verfolgen.

Man kann also fühlend als Mensch zurückgehen in frühere Zeitepochen, wenn man sich nicht einspinnt in dasjenige, was man heute wie ein absolut Richtiges, einzig Exaktes ansieht, sondern wenn man versucht, zu anderen Vorstellungsarten, zu der Imagination, zu der Inspiration aufzurücken. Mit den Seelenstimmungen, die man bei der Imagination und Inspiration hat, kann man erkennend zurückgehen in frühere Zeiten. Wer den Spinoza heute liest nur mit der Vorstellung von dem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben und wie alles Frühere im Grunde genommen nur kindliche Vorstellungen sind, der empfindet nicht aus dem vollen Menschentum heraus, wie im Spinozismus als Stimmung fortlebt, als Stimmungsgehalt fortlebt, was schöpferisch, instinktiv, produktiv war als höchste Blüte im alten ägyptischen Kulturleben. Der empfindet auch nicht, wie die Seelenstimmung war in dem, was Goethe beseelte, als er die Worte aussprach: «Da ist die Notwendigkeit, da ist Gott», oder «Wem die Natur ihr offenbares Geheimnis zu enthüllen anfängt, der empfindet eine unwiderstehliche Sehnsucht nach ihrer würdigsten Auslegerin, der Kunst». Wer nur den abstrakten Gedankeninhalt von heute zugrunde legt, der kommt nicht zurück in die früheren geschichtlichen Epochen; daher ergibt sich ihm auch der Abgrund, auf den ich am Eingang meiner heutigen Betrachtungen hingewiesen hatte. Allein der kommt in alte Menschheitsepochen zurück, der in diese Grundstimmung sich hineinversetzen kann, denn diese Grundstimmung, wie ich sie bei Spinoza in Goethescher Färbung geschildert habe, die findet man im alten ägyptischen Leben, und kein ägyptischer Mythos, insbesondere nicht der Osiris-Isis-Mythos, wird irgendwie wirklich erlebt werden können in seinem Gehalte, wenn man nicht diese Stimmung zugrunde legt. Die Leute mögen noch so gescheit sein, noch so viele allegorische, symbolische Ausdeutungen geben – darauf kommt es nicht an, sondern darauf, daß man als ganzer Mensch mitempfindet, wie in alten Zeiten empfunden worden ist. Dann mag man bei den alten Vorstellungen dies oder jenes denken, gescheite oder ungescheite Symbolik wählen, auf diese Wahl kommt es nicht an, sondern auf das Erleben der Grundstimmung. Dadurch kommt man hinein in dasjenige, was lebendig war in einer früheren Menschheitsepoche. Ebensowenig kann man dasjenige, was im alten Chaldäer gelebt hat, auf die heutige Art der Forschung finden, sondern allein dadurch, daß man sich wirklich in jene Imaginationsstimmung hineinversetzen kann, die dazumal bei den Chaldäern gewissermaßen als Weltanschauungsstimmung instinktiver Art auftrat, die in einem Werden lebte. Und jetzt erst, mit diesen Stimmungen, begreift man, welcher Gegensatz zum Beispiel zwischen den als Zeitgenossen lebenden Völkern, den Chaldäern und Ägyptern, damals doch vorhanden war. Die Handelsbeziehungen gingen von Ägypten nach Chaldäa, von Chaldäa nach Ägypten. Ihre Kulturverhältnisse waren so geartet, daß sie sich Briefe schreiben konnten; alles dasjenige, was äußerliches Leben war, stand in einem regelmäßigen Wechselverhältnis. Die innere Seelenverfassung aber war dennoch bei ihnen ganz verschieden. Bei den Chaldäern lebte ein imaginatives Element, bei den Ägyptern ein inspiriertes Element. Bei den Chaldäern lebte äußerliche Anschauung, wie sie erhöht bei Goethe wieder erschien, bei den Ägyptern lebte etwas, das ganz aus dem Inneren, Seelischen hervorgeht, so wie es dann auf einer hohen Stufe aus dem Inneren von Spinozas Seele hervorgegangen ist. Das kann man bis in die Einzelheiten verfolgen. Ich will eine solche Einzelheit angeben, und Sie werden sehen, wie solche Einzelheiten erst auf Grundlage solcher allgemeinen Stimmungen zu verstehen sind.

Die Chaldäer hatten im Grunde genommen eine weit ausgebildete Astronomie. Sie bildeten sie aus durch sinnvoll angelegte Werkzeuge, aber vor allen Dingen durch eine ganz bestimmte Art von Anschauung, die eben instinktive Imagination war. Dadurch kamen die Chaldäer dazu, den Zeitenlauf in Tag und Nacht so zu teilen, daß sie beide zu je zwölf Stunden zählten. Aber wie teilten sie? Sie teilten den langen Tag im Sommer in zwölf Stunden, die kurze Nacht im Sommer auch in zwölf Stunden. Im Winter teilten sie den kurzen Tag ebenso in zwölf Stunden, die lange Nacht auch in zwölf Stunden, so daß die Stunden des Winters bei Tag kurz waren, die Stunden des Tages im Sommer lang. Also in den verschiedenen Jahreszeiten hatten bei den Chaldäern die Stunden ganz verschiedene Zeitlängen, das heißt, die Chaldäer lebten in der Anschauung des Werdens so, daß sie das Werden in die Zeit hineintrugen. Sie konnten nicht da, wo sie in der Außenwelt so lebten, wie man im Sommer lebt, die Stunden so verlaufen lassen, wie sie sie im Winter verlaufen ließen. Also sie trugen das Werden in den Zeitverlauf hinein. Es kam ihnen im Sommer der Zeitverlauf, das Werden selber auseinandergezogen vor. Das Werden war innerlich beweglich, nicht innerlich starr, wie es in unserer Zeit starr ist, sondern die Zeit war bei ihnen elastisch.

Wie war das bei den Ägyptern? Die Ägypter nahmen Jahre an zu 365 Tagen. Dadurch waren sie genötigt, immer Ergänzungstage zu bestimmten Zeiten einzufügen; aber sie konnten sich nicht entschließen, irgendwie von diesen 365 Tagen abzugehen. Sie wissen, in Wirklichkeit ist das Jahr länger als 365 Tage. Die Ägypter hatten für jedes Jahr 365 Tage. Starr blieb diese Länge des Jahres bis in das dritte vorchristliche Jahrhundert bei ihnen, und dadurch wuchs ihnen die anschauliche Außenwelt über den Kopf. Dadurch veränderten sich die Feste; zum Beispiel nach gewissen Zeiten war ein Fest, das im Spätherbste war, in den Frühherbst gewandert und so weiter. Also die Ägypter lebten sich in den Zeitenlauf so ein, daß sie eine Zeitvorstellung hatten, die in ihrem vollen Umfang gar nicht anwendbar war auf dasjenige, was äußerlich anschaulich ist. Das ist ein bedeutsamer Gegensatz. Die Chaldäer lebten sich so sehr in das äußerlich Anschauliche ein, daß sie für den Sommer und Winter die Zeit elastisch machten. Die Ägypter machten die Zeit so starr, erlebten dasjenige, was sich subjektiv, ganz von innen heraus erleben laßt, so, daß sie es nicht einmal korrigierten durch Schalttage, damit wiederum die Feste des Jahres übereinstimmten mit den Jahreszeiten, sondern sie ließen zu, daß die Feste, also sagen wir dasjenige, was einst im Frühling war, in ganz andere Monatsdaten hineinfiel, wodurch die Zugehörigkeit von Festen zu ihrer Jahreszeit ganz verschwand. Sie fanden sich nicht hinein in die äußere Welt, sie blieben bei ihrer inneren Welt. Das ist die Stimmung der Inspiration, die man auch haben muß, wenn man zur wirklichen Erkenntnis kommen will. Die Ägypter hatten sie als instinktive Inspiration.
Man muß als ein die höhere Welt erkennender Mensch wirklich so beweglich sein können, wie auf der einen Seite die Chaldäer beweglich waren, und man muß auf der anderen Seite so tief in sein Inneres hineingehen können wie die Ägypter, da sie ihrem ganzen Leben ein starres Zeitsystem zugrunde legen konnten, sogar ihrem sozialen, geschichtlichen Leben. Dieser ganze Gegensatz, dieser Unterschied zwischen naiver Inspirationsstimmung und Imaginationsstimmung kommt so welthistorisch zur Offenbarung.

Goethe hat als Vollmensch zuerst das innerliche Erleben Spinozas nacherlebt, sozusagen als Fortsetzung des Orientalismus und Ägyptertums. Und aus diesem innerlichen Fühlen, wo alles unanschaulich ist, wo man hinausschaut in die Welt und die Dinge nicht wiedererkennt, weil man sich nach dem richtet, was das Innere gibt, so daß die Dinge einem über den Kopf wachsen, erlebte Goethe Sehnsucht nach dem völligen Sich-Anpassen an die Außenwelt. Er wollte, indem er die Ägypterstimmung empfand, die Chaldäerstimmung als die des anderen Poles in sich erleben. Wenn nun solch ein Mensch die historischen Stimmungen aus seiner eigenen Natur heraus wieder erschafft, dann sieht man die Fäden sich ziehen von der neueren Zeit zur alten Zeit hin und man fängt an, die verschiedenen Zeitepochen sich durch solche Betrachtung beleben zu lassen.

Und das ist es, worauf es ankommt: daß man nicht nur aus den Dokumenten ermittelt, was in dem einen oder anderen Zeitraum geschehen ist, sondern sich als ganzer Mensch hineinzuversetzen lernt in die verschiedenen Zeiträume, in das, was in den verschiedenen Zeiträumen Menschen und Völker gefühlt und innerlich erlebt haben, in welcher Seelenverfassung sie waren. Denn aus diesem innerlichen Erleben, aus dieser besonderen Art der Seelenverfassung gingen dann auch ihre äußeren Schicksale hervor.

Das wird der Weg sein, welcher uns über solch scharlatanhafte Fragen wie die: Ist das Ei zuerst oder die Henne zuerst? – hinwegführen und hineinführen kann in die tieferen Gebiete der Wirklichkeit. Der Weg, der uns aber zugleich zeigt, wie man jedesmal, wenn man die Wirklichkeit betrachtet, weiter vordringen muß gegenüber dem in der heutigen äußeren, gegenständlichen Erkenntnis Gegebenen.

Und wenn heute oft betont wird, man soll von der Geschichte lernen für das Tun in der Gegenwart und Zukunft, dann muß schon sehr stark hingedeutet werden auf die Art, wie man wirklich lernen soll, so lernen, daß lebendig wird, worin der Mensch mit seiner Seele gestanden hat in abgelebten Epochen. Durch diese Betrachtung wird jener Abgrund, von dem ich gesprochen habe, ausgefüllt. Durch diese Betrachtung werden wir zurückblicken können in die Metamorphose der Seelenverfassungen der Menschen verschiedener Zeitepochen. Und dann wird zugleich Feuer und Besonnenheit ergossen werden können in unsere gegenwärtige Seelenverfassung, so daß wir die nötige Besonnenheit finden, um die Ideen auszubilden, die notwendig sind zu einer Gesundung auch der heutigen sozialen Verhältnisse. Aber es wird auch das nötige Feuer ausgebildet, das notwendig ist, um die Kräfte zu haben, die Imagination, die Inspiration, die einst nur instinktiv ausgebildet werden konnten, heute in voller Besonnenheit zu erreichen und durch Ideen auszudrücken. Das braucht man heute, und wenigstens der Versuch, der schwache Versuch soll unternommen werden in den nächsten Tagen, eine solche geschichtliche Betrachtungsweise vor unsere Seelen hinzustellen.’

Geen opmerkingen:

Labels

Over mij

Mijn foto
(Hilversum, 1960) – – Vanaf 2016 hoofdredacteur van ‘Motief, antroposofie in Nederland’, uitgave van de Antroposofische Vereniging in Nederland (redacteur 1999-2005 en 2014-2015) – – Vanaf 2016 redacteur van Antroposofie Magazine – – Vanaf 2007 redacteur van de Stichting Rudolf Steiner Vertalingen, die de Werken en voordrachten van Rudolf Steiner in het Nederlands uitgeeft – – 2012-2014 bestuurslid van de Antroposofische Vereniging in Nederland – – 2009-2013 redacteur van ‘De Digitale Verbreding’, het door de Nederlandse Vereniging van Antroposofische Zorgaanbieders (NVAZ) uitgegeven online tijdschrift – – 2010-2012 lid hoofdredactie van ‘Stroom’, het kwartaaltijdschrift van Antroposana, de landelijke patiëntenvereniging voor antroposofische gezondheidszorg – – 1995-2006 redacteur van het ‘Tijdschrift voor Antroposofische Geneeskunst’ – – 1989-2001 redacteur van ‘de Sampo’, het tijdschrift voor heilpedagogie en sociaaltherapie, uitgegeven door het Heilpedagogisch Verbond

Mijn Facebookpagina

Volgen op Facebook


Translate

Volgers

Herkomst actuele bezoeker(s)

Totaal aantal pageviews vanaf juni 2009

Populairste berichten van de afgelopen maand

Blogarchief

Verwante en aan te raden blogs en websites

Zoeken in deze weblog

Laatste reacties

Get this Recent Comments Widget
End of code

Gezamenlijke antroposofische agenda (in samenwerking met AntroVista)