Bedoeld is: antroposofie in de media. Maar ook: in de persbak van de wijngaard, met voeten getreden. Want antroposofie verwacht uitgewrongen te worden om tot haar werkelijke vrucht door te dringen. Deze weblog proeft de in de media verschijnende antroposofie op haar, veelal heerlijke, smaak, maar laat problemen en controverses niet onbesproken.

maandag 25 april 2011

Dubbelop


Het is dubbelop, maar daar is weinig aan te doen. Terugkijkend op het jaar 2011 – het is nog vroeg, nog maar een week te gaan voordat het 1 mei is – is het op deze Paasmaandag niettemin overduidelijk dat de treinreis eind februari, begin maart de meest bijzondere bijdrage aan het jubileumjaar ‘150 jaar Rudolf Steiner’ zal zijn geweest. Dat was het op het moment zelf al – we hebben er hier volop aan deelgenomen – maar ook het nadruppelen van verslagen en beschouwingen geven dat te kennen. De beweging, de vaart, het reizen op zich, het verplaatsen, de toekomst in, het verleden uit – evenzovele metaforen voor waar we voor staan. Waar we vóór staan. Ik begin van de weeromstuit in hetzelfde creatieve proces te duiken dat Curro Cachinero ten beste geeft in het laatste nummer van ‘Die Drei’. Mosterd na de maaltijd? Geenszins. De reis en het geheel er omheen wordt opnieuw geschapen en daarom is het ook een plezier om het te lezen. Ik waarschuw meteen dat na zijn bericht een tweede volgt – vandaar ook de titel dubbelop – van Michael Mentzel, dus dat een lange adem nodig zal zijn om ongeschonden het eind te bereiken. Oja, en alles in het Duits; ik ben zulke mooie teksten in het Nederlands geloof ik niet tegengekomen. ‘Ein Weg zur Selbst-Erfahrung des Menschen. Unterwegs im RS150 – Rudolf Steiner Express’ heet de eerste bijdrage, en is inderdaad van iemand met de naam Curro Cachinero:
‘Expresso

Auf Deutsch heißt »to express« ausdrücken. Aus Druck stellt man keinen Zug auf die Beine. Ich nehme einen Zug von meiner Waldorf-Astoria bevor ich sie ausdrücke und aus dem fahrenden Zug werfe. Was zieht ihn? Das lockende Motiv – die Lokomotive. Der Boden bewegt sich in rasender Geschwindigkeit über die ratternden Gleise. Ich wanke. Das Motiv der Bewegung sei der Moment, heißt es. Ich denke. – Das Denken ist ein perpetuum mobile. Es macht keinen Sinn im Zug zu stehen und diesen von innen anschieben zu wollen. Was in der mechanischen Welt ein vergebliches Unterfangen wäre – im Denken vollbringen wir es. Wir selbst bestimmen die Geschwindigkeit des »train of thoughts«, wir stellen die Weichen die er überfliegt, wir setzen sein Ziel. Wir sind der Lockführer, der Schaffner und der Passagier – wer nicht denkt fliegt raus (aus sich selbst). Denken ist Erfahrung. Wir fahren damit weiter als mit unseren bloßen Sinnen. Aus Joseph Beuys »Die Mysterien finden im Hauptbahnhof statt« wird auf der Fahrt »Der Bahnhof findet im Haupt statt.« –

Normalerweise betritt man einen Zug um irgendwo hin zu gelangen. Beim Steiner Express ist das anders. Sobald man eingestiegen ist, befindet man sich am Ziel – dem Prozess. Die Bewegung wird zum Ort, die Begegnung wird zum Schicksal. Welche Bedeutung hat. – Im digitalen Zeitalter – die »physische« Tat?

Kaffeefahrt oder Pilgerreise?

Auf dem Bildschirm verfolge ich die Abfahrt des Zuges aus Köln, bevor ich in Stuttgart selbst zusteige. – Hunderte Menschen treffen sich auf den Treppen des Bahnhofsvorplatzes im Schatten des gotischen Doms, um gemeinsam ein siebenfaches »Halleluja« in die Luft zu malen. Passanten reagieren mit Verwirrung und Verwunderung. Auf die Frage »Lesen sie den Steiner?« antwortet einer: »Ich bin ein ganz normaler Mensch«. Was auch immer das bedeuten soll. – An diesem 24. Februar verirren sich zahllose Kunststudenten in den Hauptbahnhof, um mit allerhand bunten Aktionen und Einlagen den Rudolf Steiner Express auf eine gute 150. Geburtstagsfahrt nach Kroatien zu schicken. Irgendwo im Getümmel wird die Lokomotive mit einer Sektflasche getauft. Plastikfetzen fliegen aus einer Eurythmieperformance auf dem Bahnsteig zur Anzeigetafel empor, welche den Sonderzug mit Fahrtrichtung Donji Kraljevec anzeigt.

Im Rheingold-Club-Wagen finden erste Lesungen statt. Daniell Porsche liest aus seinem neuen Buch vor. – Karl-Dieter Bodack, der den organisch gestalteten Innenraum des Zuges vor Jahren selbst entworfen hat, gibt freudestrahlend biographische Anekdoten zum Besten. Die Reisegesellschaft trällert fröhliche Lieder auf die »Schwäbische Anthro-Eisenbahn«, und begeisterte Damen in Rot springen bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf die Bahnsteige, um mit großzügigen »L-Gebärden« die Lebenskräfte anzufeuern.

Neben dem Deutschlandfunk sticht im Presse-Wagon vor allem das »On-Air-Team« heraus, welches rund um die Uhr live blogged. Über das Internet haben bereits sogenannte »Trainwatchers« von dem Sonderzug erfahren. Seltsame Gestalten, deren glorreiches Hobby darin besteht, ungewöhnliche Züge zu fotografieren, erscheinen während der gesamten Reise wie Paparazzos hinter Gebüschen, Bäumen und auf Brücken. Der Geschmack des ersten Tages hat etwas Skurriles. Über der untergründigen Stimmung einer heiligen Pilgerreise liegt das Aroma von Kaffeefahrt und Seniorenausflug. – Am Abend erreichen wir München.

Existentialistisches Theater

Wir erwachen früh in einer Jugendherberge und schleichen zum Bahnhof. In Salzburg küssen erste Sonnenstrahlen die Landschaft. Während man im Club-Wagen mittlerweile eifrig Zwerge aus Ton knetet – es sollen 150 werden. Johannes Thomasius spricht unter erschwerten akustischen Bedingungen über den roten Faden in Straders Inkarnationsreihe: Einsamkeit. Walter Kugler proklamiert ein neues »frühestes Dokument« aus Steiners Literatenleben von 1883. Das – seiner Zeit – in einer siebenbürgischen Zeitung veröffentlichte Märchen Der Ring handelt von der Göttin Fortuna und ihrer Tochter. Es schildert eine bewegte Fahrt – durch das Reich der Bilder von Schönheit und Leid, von Schutz, Unschuld und Erinnerung.

Langsam wächst die Reisegesellschaft zusammen. Anfängliche Reserviertheiten lösen sich zunehmend auf. Ich fühle mich – auf der endlosen Fahrt – wie in einem existentialistischen Theaterstück. Man betritt den Raum und wartet darauf, dass das Schauspiel beginnt. Man vertreibt sich die Zeit, um nach einiger Zeit zu bemerken, dass man selbst auf der Bühne sitzt. – Mit etwas Verspätung erreichen wir endlich den lang ersehnten Bahnhof Kraljevec. Scharen aufgregter Dorfbewohner und kroatische Fernsehteams erwarten uns bereits. An Litfasssäulen kleben, neben den Plakaten einheimischer Popsänger, auch die Gesichter Rudolf Steiners. Für übersinnliche Beobachtungen in der Akasha-Chronik ist es leider zu kalt. Umso enger drängen sich die fast 200 Reisenden mit den Einheimischen, welche überschwängliche Torten servieren und volkstümliche Kleider zur Schau stellen, auf dem Vorhof – dem Profanum – der Steiner-Gedenkstätte. Es werden lange Reden gehalten. Der »überaus wichtige« Mann, zu dessen Geburtstag sich die Eingefundenen versammelt haben, wird vom kroatischen Bahnvorsteher in den Himmel gerühmt – besonders wegen seiner hervorragenden Bedeutung für den in Zukunft erhofften Tourismus.

Während der erlauchten Reden schieben sich dicht hinter den Mikros bereits Ströme von Schaulustigen in den kleinen Schrein. Der Raum ist bescheiden, aber liebevoll eingerichtet. In der Mitte steht ein kleiner Tisch mit einem Gästebuch, an der Wand hängt ein Portrait. Außen befindet sich eine große Gedenktafel aus rotem Marmor. Trotz anhaltendem Frost werden geduldig weitere Zeremonialien ertragen. Vera Copperfield – auch als Vera Koppehel vom Steiner-Archiv bekannt – überreicht dem Bürgermeister von Kraljevec feierlich eine bronzene Friedenstaube. Außerdem wird der Steiner-Gedenkstätte ein großer Block Bienenwachs vermacht – um den Ort mit Wärme zu füllen.

Schließlich – halb erfroren – besuchen wir die Dorfkirche. Nachdem wir, auf der dunklen Straße stehend, demütig das einfach nicht eintreten wollende Ende der Heiligen Messe abgewartet haben, werden wir mit herzlichem, schiefem Gesang empfangen. Worauf ein hervorragendes Solo-Violin-Konzert folgt. Im Anschluss trotten wir in das Gemeindehaus, wo uns ein üppiges Mahl und kroatische Folklore erwarten. Doch der Höhepunkt des Tages steht erst noch bevor: Im nahen Kacovic gibt es eine Eurythmie-Aufführung. Danach fallen wir in tiefen Schlaf.

Innenraum

Die weitere Fahrt verläuft ereignisarm. Wolfgang Zumdick liest aus seinem neu erschienenen, amüsanten Reiseführer Rudolf Steiner in Wien vor. Gegen späten Nachmittag erreichen wir Neudoerfl in der Nähe von Wien-Neustadt, den Ort, an dem Steiner während seiner Schulzeit lebte. Wir werden durch den Ort geführt. Einem alten, unter Denkmalschutz stehenden Baum – auf den der »kleine Rudl« wohl öfter geklettert sein muss – wird, von eurythmischen Gesten begleitet, tiefe Verehrung gezollt. Danach gehen wir in die Kirche. Im anliegenden »Rudolf-Steiner-Zentrum« gibt es Gugelhupf und Apfelstrudel.

Wir fahren ab. Die nächste Station ist Brunn am Gebirge. Sobald ich ausgestiegen bin, nehme ich eine ganz andere Stimmung war, als bisher. Wien ist nah. Vorbei an einer beeindruckend innigen Kirche kommen wir zu einem alten, gotischen Gutshaus, heute ein Heimatmuseum. Eine große Steintafel erwähnt, dass Steiner hier seine Einleitungen zu Goethes naturwissenschaftlichen Schriften verfasst habe. Im Erdgeschoss kann man Funde aus der Römerzeit betrachten. Wieder werden wir überschwänglich empfangen, es herrscht Feststimmung. Neben einem Imkereimuseum und einer Schmiede in den alten Ställen interessieren wir Steiner-Expressionisten uns natürlich für den alten Wohnbereich. Die Wände sind Meter dick. Alte, knarrende Holztreppen führen in das Innere. Durch meinen Kopf geht die Formulierung »Eintritt in ein Lebewesen«. Ein alter Rosenkreutzer-Schrank und zwei Vitrinen, mit handsignierten Büchern darin, stehen im ehemaligen Wohnzimmer – die Atmosphäre ist dicht, gefüllt. Nicht nur, weil wir sehr viele Menschen auf sehr engem Raum sind, sondern vor allem wegen der andächtigen Ruhe, die in den Räumen greifbar wird. Drei Treppenstufen führen hinauf in das alte Studierzimmer: Es ist kaum vier Quadratmeter groß. – Ich bleibe lange in dem kleinen, blau lasierten Raum, der sich über dem Torbogen des Hauses, auf der Schwelle befindet. Irgendetwas berührt mich sehr tief im Innern. Ist es die Vorstellung, wie Steiner – in meinem Alter – hier am Schreibtisch saß? Ist es die für einen kurzen Moment eintretende Überschneidung des Historischen und des Gegenwärtigen? Ist es Intimität? – Wie Fett in einer Ecke kauere ich abseits. Ich will gar nicht mehr gehen. Die Stimmung strahlt Geborgenheit und tiefe Konzentration aus, sie wirkt fast »heilig«. – Auf den Biedermeier-Sofas im Salon entfalten sich erste Konversationen, nachdem die Worte wiedergefunden sind. Die Momente der Ruhe sind kostbare Geschenke. Der Zug fährt ab.

Umstülpung

Ich erwache in Wien und mache mich auf den Weg zur Hofburg. Langsam füllt sich der Saal mit Menschen. Mehrere hundert Gäste sind zur Matinee geladen. Vera Koppehel und Stephan Siber – die Zugführer – begrüßen alle zugestiegenen Fahrgäste im »Wagon der Nationalbibliothek«. Nun verlesen sie, in östrreichischer Titel-Jogging-Tradition, die beeindruckend lange Liste prominenter Schirmherren des Ehrenkomitees des Rudolf Steiner Jahres 2011.

Daraufhin begrüßt Walter Kugler unter den Anwesenden auch Rudolf Steiner; denn der Kosmopolit wohne schließlich im Kosmos. Kugelnden Gedankens entführt der Rhetor die Zuhörer in seinen Vortrag. Manche fallen raus. In Bezug auf das so betonte DarWien-Jahr kommt er auf das »Im Anfang war die Wärme« zu sprechen. Immerhin sei der Mensch das einzige bisher bekannte Wesen im Myriaden von Galaxien umfassenden Universum, das solche Probleme habe wie: »Welche Krawatte soll ich mir heute anziehen?« – Zumindest sei garantiert, dass bei der Beschäftigung mit Steiners Evolutions- und Involutions(!)-Gedanken, keine Langeweile aufkomme – wie bei gewissen, aktuellen Diskussionen um Wissenschaftlichkeit und Doktortitel in den deutschen Medien. Als Beispiel dient eine Aussage Steiners über den Schmetterling: Dieser sei die »von der Erde befreite Pflanze«. Zugleich sei er ein Bild des menschlichen Gedankens. Das »Innere Sehen«, die »Gesichtslinie« eines Hans Georg Gadamer und die »zarte Empirie« eines Goethe dienen zur Illustration des Motivs der Umstülpung – der Inversion von Zentrum und Peripherie –, die sich nicht nur auf unser Verhältnis zur Umwelt, sondern auch innerhalb unserer Bewusstseinsstrukturen vollziehen könne. Das logische Denken sei in diesem Kontext das zunächst Äußere. Später liest Wolfgang Zumdick zwei Kapitel aus seinem Reiseführer vor. Darin beschreibt er den »Underdog« in »Boom-Town«, den »möblierten Herrn« aus der Provinz in der Hauptstadt der Donau-Monarchie. Aus einem Brief jener Zeit geht Folgendes hervor: Steiner entschuldigt sich bei einem Bekannten dafür, dass er auf möglicherweise noch offene Korrespondenzen nicht antworten könne, da beim Stopfen einer Pfeife sein Schreibtisch in Flammen aufgegangen sei.

Schließlich, so Zumdick, könne man nicht von Steiner in Wien sprechen, ohne auch seinen »Antipoden« Ludwig Wittgenstein zu erwähnen. Beide lebten damals in Wien, beide schufen aus ihre Philosophie heraus Architektur. Der Stil des Letzteren sei geradezu asketisch, nüchtern-poetisch. Der Schlusssatz des Tractatus logico-philosophicus lautet: »Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen«. Ganz im Gegensatz dazu Steiner: 6000 Vorträge über das Unsagbare.

Es gibt Essen. Stadtführungen finden statt. Fernsehteams führen Interviews mit Anwesenden. Am Nachmittag gibt es einen weiteren »turbulenzierenden« Kugler-Vortrag im Museum für Gegenwartskunst. Unter dem Titel »Dynamik« sind verschiedene Künstler des Futurismus, Kubismus und Kinetismus ausgestellt. Unter den Exponaten befinden sich auch Eurythmie-Figuren. – Die Krönung des Abends bildet eine weitere Lesung von Wolfgang Zumdick im Café Griensteidl. In dem damals von Rauchschwaden durchzogenen Kaffeehaus, einem Treffpunkt für Künstler und Literaten, schrieb Steiner seine Erkenntnistheorie; bevor er sich später an den »Verbrechertischen« Berlins herumtrieb. Am nächsten Tag titelt der Express-Blog: »Zumdick isst Zander«.

Rückkehr

Am Bahnhof gibt es in der Frühe der Morgenstunden ein Konzert der Wiener Waldorfschule statt des erhofften Walzers. Mitsamt Putzfee und Minibar an Bord geht es zurück an den Ort, an dem alles begann: Köln. Erste Fernsehberichte werden angesehen. Kurz vor Ankunft spreche ich mit Vera Koppehel und Stephan Siber, die den Zug ins Rollen gebracht haben. Die Organisation habe beiden sehr viel abverlangt, sie aber auch weit über sich selbst hinauswachsen lassen. Wenn die Sache finanziell schief gelaufen wäre, hätte sogar der Arbeitsplatz auf dem Spiel gestanden. Dass die beiden auf dem richtigen Gleis unterwegs sind, zeigen meiner Meinung nach auch die vielen Folgeveranstaltungen. So sind – neben den vielen kleinen, teils wichtigen Begegnungen – auch neue Verbindungen zwischen den Kunstakademien Wien und Oxford im Bereich »social art« entstanden. In Wien werden noch weitere Kongresse und Tagungen, auch in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität, stattfinden. Für den Sommer 2011 sind zwei große Steiner-Ausstellungen in Wien und Prag in Vorbereitung, die sich an ein breites, Internationales Publikum richten.

Perspektive

Abschließend stellt sich die Frage, inwiefern der Steiner Express eine Angelegenheit von und für Anthroposophen gewesen ist oder ob auch die Öffentlichkeit davon Notiz genommen hat. Welches Verhältnis besteht zwischen der nun zunehmend historisierten Persönlichkeit Steiners und seinem lebendigen Geist, also dem verstehenden, eigenständigen Zugang und Umgang mit seinem Werk? – Es hat viele Artikel und Beiträge in Radios und Zeitungen gegeben. Aus früherer Ignoranz ist mittlerweile eher Verwunderung und aus offenen Angriffen die teilweise Anerkennung einzelner Leistungen – wie der Pädagogik oder der Landwirtschaft – geworden. Dennoch sind es nur wenige, welche die grundsätzliche Zukünftigkeit von Steiners Denken und Schaffen bisher erkannt und öffentlich gewürdigt haben. Ein großer Schritt in diese Richtung scheint es zumindest zu sein, dass sich viele namhafte Personen im Ehrenkomitee hinter das Steiner-Jahr gestellt haben. Rudolf Steiner wenigstens zu kennen, gehört mittlerweile zur Allgemeinbildung. Ihn auch zu verstehen, bleibt Aufgabe.’
Na deze jongeman een oudere heer, die we hier al kennen, Michael Mentzel van ‘Themen der Zeit’ (TdZ), die op 12 april ‘RS 150. Protokoll eines Berichts’ publiceerde. Het is een beetje lang, maar ala:
‘Michael Mentzel war fünf Tage im RS 150 – Sonderzug Rudolf Steiner unterwegs.

Der wahre Reisende weiß nicht, wohin die Reise geht,
der wahre Abenteurer weiß nicht, was er erleben wird.
Seine Reisen führen ihn nicht eher in eine Richtung als
in eine andere. Seine Neugierde ist nicht auf einen
bestimmten Punkt gerichtet.
Chuang-tzu, ca. 365-286 v. Chr.

– schatten. bald frühling?

Mittwoch, 2. März 2011 – Es ist ein halbwegs sonniger Tag. Trotzdem liegt irgendetwas in der Luft. So viel war heute schon danebengegangen. Dort war etwas heruntergefallen, hier hatte der Drucker seinen Geist aufgegeben, die neue Farbe funktionierte nicht, kurz, man konnte den Eindruck haben, als läge trotz der strahlenden Sonnenscheins ein Schatten über dem gesamten Areal. Die ältere Dame, die ein Plakat für eine Zweigankündigung abholen will, wundert sich. “Sie kommen vergeblich, tut mir leid”. Und wie gern hätte ich gerade heute für ein Stündchen meinen Arbeitsplatz ins Café “Alte Schule” verlegt und meinen Reisebericht von der Fahrt mit dem Rudolf Steiner-Sonderzug RS 150 begonnen. Inspiriert vom Kaffeeduft, getragen von jener Stimmung, die mich seit meinem Besuch im Wiener Cafe Griensteidl in Wien nicht mehr so richtig loslässt. Sentimentalität oder die Hoffnung auf Begegnung? Eher das Zweite: Hier und jetzt mit Zeitgenossen, die Lust haben, sich für ein paar Minuten mit mir über diese Reise zu unterhalten. Sonderzug RS 150. TdZ berichtet von dieser Reise.

Lag etwas in der Luft? Heute, am 2. März, ist der Komponist Raimund Schwedeler im Altenwerk Schloss Hamborn verstorben. Noch im September des vergangenen Jahres hatten wir mit einem Festkonzert seinen 85. Geburtstag gefeiert. Ein Mensch, dem die Anthroposophie ein echtes Anliegen war, dessen pädagogische und kompositorische Intentionen tief in der Anthropsophie gründeten. Mein Reisebericht muss warten.

– reisebericht 1 | gespannte erwartung 24 02 11

Der erste Tag – vorerst einmal verhaltenes Interesse des Publikums auf dem Domplatz zu Köln. Kein Alaaf, ein Helau schon gar nicht, schließlich ist noch nicht Wiewerfastelovend. Nur ganz viele junge Menschen, erst auf dem Platz, dann auf der Treppe, die zum Dom hinaufführt, ein Eurythmie-Flashmob. Ein eurythmisches Halleluja. Flashmob? Das soll Anthroposophie sein? Die jungen Leute werden Schreitende, ernst und irgendwie feierlich. JeansträgerInnen, zwischen achtzehn und dreißig? Wenn die Zukunft zur Gegenwart wird, ist kein Platz für bange Gedanken. Allein schon dieser Auftakt lässt erahnen: der Steiner Express wird mehr “Mitreisende” haben, als auf der Passagierliste stehen; und dieser Zug wird nicht nach “Nirgendwo” fahren, wie der in der Schnulze von Christian Anders, sondern geradewegs in ein Abenteuer, geleitet von der Energie und dem Gestaltungswillen einer kleinen Gruppe von Menschen, die diese Reise möglich gemacht haben. Wo werden wir ankommen und wie?

Vera Koppehel und Stephan Siber sind die Initiatoren, die diesen Zug auf die Schienen gesetzt haben. Die Spannung ist ihnen anzumerken; wird alles klappen? Wir werden die beiden im Verlauf der Reise noch näher kennenlernen. Auf dem Bahnsteig gibt es Gedränge: Zugtaufe und bald wird es heißen: “Achtung auf Gleis 1 Abfahrt des Sonderzuges RS 150...” Winkend zurück bleiben viele jungen Menschen, StudentInnen der Alanus-Hochschule, die mit ihrem wunderbaren Flashmob an diesem Morgen vor dem Bahnhof und mit ihren Aktionen auf dem Bahnsteig gezeigt haben, dass sie im Geiste auf dieser Reise mit dabei sind.

– kein anschluss in diesem abteil

Einsteigen! Von Köln nach Kraljevec und dann nach Wien. Prägende Orte für das Leben und Wirken Rudolf Steiners. Gelegenheit, über das Verhältnis zu diesem Rudolf Steiner nachzudenken und den Versuch einer eigenen Standortbestimmung zu wagen? Wir sind zu zweit im Abteil, erst ab München und Graz werden weitere Fahrgäste dazustoßen, sie haben das ganze Abteil gebucht. Leider gibt es keinen Stromanschluss. Aber es hält mich sowieso nicht lange auf meinem Sitz im Abteil, denn es heißt erst einmal erkunden, was dieser Zug so alles bereithält. Gleich nach der Abfahrt beginnt im Clubwagen die erste Veranstaltung. Eine Gruppe junger Leute von der Alanus-Hochschule zitieren und rezitieren Steiner und andere Geistesgrößen – natürlich ist auch Götz Werner und das Grundeinkommen dabei – und sie scheuen sich nicht, Übersetzungen des Steiner-Werkes einzufordern. Wie sagte Steiner: “Ich will nicht verehrt, sondern verstanden werden.” Bei den Jungen heißt es so: “Wir wollen verstehen!” Kann etwas besseres passieren als die Forderung dieser Generation? Einer Generation, die mit Macbook, Internet, Wlan und der Bereitschaft aufwächst, sich ernsthaft einzubringen und nach Lebensentwürfen zu fragen, die nicht festgefahren, sondern – wie dieser Zug – in Bewegung sind?

Wie aber steht es mit mir? Bin ich in Bewegung? Oder befinde ich mich schon auf dem Abstellgleis vor dem Prellbock? Im bequemen Lokschuppen mit Heizung und Reinigungspersonal? Steiner – so scheint es angesichts seines monumentalen Werkes – war offensichtlich immer in Bewegung, er verbrachte den größten Teil seines Lebens in Zügen und auf Reisen. Es mag sein, dass das Reisen heute bequemer ist als damals, die Fragen bleiben dieselben. Woher komme ich, wohin gehe ich? Kein Anschluss unter dieser Nummer? Die Antworten liegen nicht am Horizont, sondern dort wo Vergangenheit und Zukunft eins sind. Sie liegen unter uns, während wir über die Schwellen donnern mit der E103, der legendären E-Lok vor diesem Sonderzug RS150. Realität. Gegenwart. Jetzt. Die Namen der jungen Leute können sie bei RS150_on_air nachlesen. Über die Schwellenerlebnisse von Gurus lesen sie an anderer Stelle.

Noch funktioniert die Lautsprecheranlage, später wird sie ihren Geist aufgeben. Immerhin hat sie länger gehalten als der Akku meines Laptops. Besuch im Abteil. Wir lassen uns von Anne Pauli als Zugchefin (sagt man so?) und Vera Koppehel auf das allerherzlichste begrüßen und bekommen unseren “Reispass”, in den wir – höchstpersönlich – unseren Namen eintragen müssen. Die Damen gehen durch den Zug und begrüßen jeden Fahrgast. So etwas sollte man doch endlich bei der Deutschen Bahn einführen.

Willkommensgesten in Mannheim, Stuttgart und Ulm. Schüler, Eltern und Lehrer mit Musik und Transparenten begrüßen den Zug und seine Passagiere mit Musik, Chorgesang und Jubelrufen. So ganz sicher bin ich mir nicht, dass die “Rudi Rudi...” rufenden Kleinen wissen, wem sie da jetzt gerade zujubeln, aber für sie ist es natürlich ein großer Spass und so etwas lässt man sich nicht entgehen. Journalisten mit Kameras, die Regionalpresse wird am nächsten Tag darüber berichten. Und Ihr wart dabei und habt uns und unseren Zug willkommen geheißen. Danke! Habe ich eben “unseren Zug” gesagt? Ist die anthroposophische Community – zumindest auf dieser Reise – doch eine Wir-Gesellschaft? Fast hat man den Eindruck, denn schnell kommt man miteinander ins Gespräches, schließlich hat man alle Zeit der Welt. Die Grundeinkommensaktivisten aber, die während des Aufenthalts in Ulm mal eben eine schnelle Krönungsaktion durchführen und das “Grundeinkommen” verteilen wollen, sind etwas knapp dran und müssen sich beeilen. Keine Zeit für einen Plausch mit FIU-Rappmann. Auch er heute ein König.

Ein junger dienstbarer Geist taucht auf, leert den Papierkorb, putzt die Abteilscheiben, lächelt und ist wieder verschwunden. So etwas, man nimmt es zur Kenntnis, freut sich und beim nächsten Mal liest man auf dem Namenschildchen: Martina K. Hoppla, man kennt sich ja schon über 20 Jahre, hatte sich allerdings aus den Augen verloren. Plötzlich ist da wieder Vertrautheit, sie hat mit unseren Kindern zusammmen gelacht, gespielt, gebastelt. Putzen ist meditativ, sagt sie und: “Ich mache das gern, es tut mir gut!” Irgendwann im Verlauf der Fahrt wird sie ein längeres Gespräch mit einem Herrn von einer Stiftung aus den Niederlanden haben. Deren Abteil ist nebenan. Sie möchte Sprachgestaltung studieren in Dornach und sucht noch Sponsoren. Ihr fröhliches Lächeln wird uns während dieser Reise begleiten. Ob sie wohl einen Sponsor gefunden hat? “Sprachgestaltung finde ich sehr wichtig”, sagt sie noch.

– drei glieder bodack bundesbahn

Der Abend in München – fröhlicher Empfang in der Stadt mit Herz. Wir checken in einem Hostel/Hotel in der Nähe des Bahnhofs ein, nur 5 Minuten bis zur U-Bahn, auf dem Abendprogramm steht ein Besuch in der Waldorfschule in Schwabing. Die einzige Waldorfschule in Deutschland übrigens, die ein McDonalds-Restaurant betreibt. Heute abend allerdings haben die Waldorf-Eltern für unser leibliches Wohl gesorgt und es gibt jede Menge leckerer Köstlichkeiten am Büffet.

Im Saal. Auf der Bühne Katja Axe und Jens Bodo Meier von der Goetheanumbühne mit drei Ausschnitten aus dem Leben des Johannes Thomasius aus den Mysteriendramen: “Hautnah”.

Dann erzählt uns Herr Bodack von seiner Zeit als leitender Mitarbeiter im Designzentrum der Deutschen Bundesbahn, als er das Bahnbetriebswerk in Weiden rettete, die Mitarbeiter zu Höchstleistungen anspornte und neue Wege, dreigegliederte, in die Betriebsabläufe einführte. Fast scheint es, als hätte die Bahn damals kurz vor der Einführung der Anthroposophie als Betriebsprinzip gestanden, so lebendig ist der Vortrag. Das es nicht so gekommen ist, davon kann man sich heute überzeugen, aber ein bisschen schön wäre es doch gewesen, oder? In diesem Zug leben einige der Ideen von Herrn Bodack und seinem Team fort, der Clubwagen wie auch die anderen – die Interregiowagen – mögen als Beispiel für organisches Design in diesen ansonsten rein technischen Zusammenhängen gelten.

Wie halten wir es in unseren Arbeitsverhältnissen? Was ist mit den Hierarchien, den Chefs, den Bestimmern? Leiten uns Gedanken, wie sie in den “Kernpunkten” gedacht werden oder wurschteln wir herum: man sollte, man könnte, man müsste? Wo lebt die Dreigliederung oder anders gefragt: Was ist das überhaupt? In diesem Moment lebt die Frage in mir wieder auf, überlagert den Vortrag fast ein wenig, hängt mir nach. Immerhin wissen wir, dass die Zeit der Gutsherren vorbei ist und – zumindest in den allermeisten unserer Zusammenhänge – weitgehend durch Kollegialität und den Willen zur Zusammenarbeit ersetzt wurde. Überall? Wie lange wird sie nachklingen, diese Frage?

Nun, zumindest bis heute, wo ich dann doch mal im Café sitze, das inmitten einer anthroposophischen Einrichtung zu finden ist. Wenn ich später wieder nebenan in meinem Büro sitze, werde ich diese Frage – hoffentlich – nicht vergessen haben. Aber auch das, was die beiden Mitglieder der Goetheanum-Bühne uns zeigen, die Szenen aus den Mysterien-Dramen, die dem Vortrag von Herrn Bodack vorangegangen waren, bleibt – ein bisschen – gegenwärtig; nur gut, dass es sich nachlesen lässt.

– zugang nur für berechtigte

“Beim Reisepass handelt es sich um diejenige Form des Passes, die für allgemeine Reisezwecke ausgestellt wird. Zu unterscheiden sind hiervon insbesondere der Dienstpass und der Diplomatenpass, die für Reisen der Repräsentanten des ausgebenden Staates in dienstlicher Eigenschaft bestimmt sind.” Sagt Wikipedia. Unser Reisepass ist etwas ganz besonderes. Er berechtigt uns nicht nur zur Mitfahrt in diesem TEE aus dem Jahre 1985, sondern auch zum Besuch der Matinee zu Steiners Geburtstag in der Wiener Nationalbibliothek. Daneben ist er ein schön gestaltetes Notizbuch mit der Option auf die Konservierung von Gedanken oder Ideen und weitere Stempel. Vielleicht nehme ich ihn in Zukunft überall dorthin mit, wo Anthropsophen arbeiten: In Waldorfschulen und heilpädagogische Einrichtungen etc. etc. Zwar wird er dort nicht als Eintrittspass benötigt, denn diese Einrichtungen sind – im Gegensatz zur Meinung mancher Unwohlgesonnenen – für jeden frei zugänglich. Aber ein Stempel der Einrichtung in diesem kleinen Büchlein, das hätte schon was.

– reisebericht 2 | der frühe vogel... 25 02 11

Die Abreise von München nach Kraljevec ist um 4:55 Uhr geplant und sie wird pünktlich erfolgen. Das ist ziemlich früh, aber trotzdem haben alle eine blendende Laune. So eine Reise ist schon etwas Besonderes. “Nein, Tee im Clubwagen gibt es erst in 10 Minuten.” Der Kaffee am Bahnhof war, wie jemand glaubhaft versichert, nicht zu genießen und beendet sein dürftiges und dünnes Dasein ungetrunken im Klo. Da kommen – etwas später – die beiden Steinmetzgesellen mit ihrem zünftigen Outfit und dem mobilen Bistro gerade recht. Kaffee, Tee und ein kleines Hörnchen. Dieses Frühstück lässt so ein leicht italienisches Gefühl aufkommen.

In wenigen Minuten erreichen wir Prien am Chiemsee. Wurde dort nicht von Waldorfschülern die erste Regio-Währung, der “Chiemgauer” erfunden? Die Chiemgauer-Webseite: “Das (..) aus einem Schülerprojekt in Prien entstandene Regiogeld versteht sich als Ergänzung des Euro um eine regionale Komponente und einige innovative Elemente. Insgesamt zielt der Chiemgauer als alternative Geldform darauf ab, dass die Wertschöpfung in einer eigenen Region bleibt. Auch sollen lebendige Innenstädte und Dörfer, intakte Vereinsstrukturen und ein helfendes Miteinander gefördert werden”.

Ein herzlicher Empfang, die Waldorfschule Prien lässt es sich nicht nehmen, uns ein Ständchen zu bringen. Die Raucher haben es auf dieser Reise übrigens nicht ganz leicht, ihren – zweifelsohne – lebensnotwendigen Nikotinbedarf zu decken. Manchmal sind die Aufenthalte arg kurz und so ein außerfahrplanmäßiger Sonderzug darf ja auch die streng geregelten Abläufe nicht stören.

Salzburg. Im Clubwagen lauschen die Passagiere Herrn Bodack, der scheint allgegenwärtig, beantwortet Fragen zum Zug und zu allem, was mit der Eisenbahn zu tun hat. Er hat ja auch wirklich eine ganze Menge zu erzählen. Etwas später kommt ein gewisser Daniell Porsche zu Wort, er liest aus seinem Buch über Schülerstreiche an der Waldorfschule. Noch ein prominenter Waldorfschüler, immerhin fährt er mit dem Zug und nicht mit seinem Porsche Cayenne. Ich schaue nur kurz hinein, im Clubwagen ist es während der “Rheingoldzeit” immer etwas eng. Beim nächsten “Event”, so beschließe ich, werde ich den Clubwagen etwas früher aufzusuchen. Etwas später ist dann doch Gelegenheit, mit ihm einige Worte zu wechseln. “Wenn Du den mal triffst, grüß ihn von mir!”, hatte mir ein alter Bekanner mal gesagt. Jetzt war es soweit. Inzwischen habe ich auch sein Schülerstreiche-Buch vom Verlag zur Rezension bekommen. Demnächst also hier bei TdZ eine Besprechung. Bald werden wir Graz erreichen.

– graz steiermark

Zurück im Abteil ist auf einmal Leben und ein munteres Treiben. Neue Fahrgäste sind zugestiegen. “Betriebsausflug” der medizinischen Sektion am Goetheanum. Auch hier findet nach einer Weile die Zeremonie der Passübergabe statt, wieder eine herzliche Begrüßung durch Vera und Anne, diesmal sind wir Beobachter.
Auf dem Weg durch den Zug. Die Gespräche der Mitreisenden werden intensiver. Viele kennen sich bereits, andere sind nach kurzer Zeit miteinander vertraut. Ahaaa, Schloss Hamborn... “Nein, ich bin kein Lehrer, ich wohne nur dort.” Kurze Begegnungen und doch schnell über das hinaus, was so gemeinhin Smalltalk genannt wird. Viele haben offensichtlich bereits die Steiner-Biographien von Zander, Ullrich und Gebhardt entweder selbst gelesen oder sind darüber informiert, immer wieder dringen Gesprächsfetzen an mein Ohr. Auch die Eurythmie ist ein Thema, nicht zuletzt durch die beiden roten Damen Andrea Heidekorn und Hannah Hardenberg.

– nicht müde werden. hilde domin.

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Was ist es, das uns nicht müde werden lässt, wenn wir für eine Idee brennen, überzeugt sind? Ein Besuch im Presseabteil. Phillip und Jonas sind irgendwie immer aktiv. Da taucht die Idee auf, das erste Kapitel aus Robin Schmidts neuem Buch “Skizze” zu lesen. Iphone oder eine “Studioaufnahme”? Ich entschließe mich für das Handy und eine Aufnahme “mittendrin”. Gelingen wird es mir allerdings erst am nächsten Tag auf der Fahrt zwischen Cakovec und Wien, als ich ein einigermaßen unbelebtes Großraumabteil finde. Inzwischen ist die “Lesung” auf RS 150 on air eingestellt worden.

“Alle Zugreisenden mögen sich auf ihre Plätze begeben”, denn wir überqueren die Grenze zu Kroatien. Fast kommt ein wenig DDR-Feeling auf. Die Beamten haben diesen unbewegten Blick, der keine Annäherung zulässt. Füttern verboten. Stop! Die Kontrolle dauert eine ganze Weile, auch wurde inzwischen die Lok gewechselt, es geht jetzt viel langsamer weiter. Werden wir noch im Hellen in Kraljevec ankommen? Die Spannung steigt. In unserem Abteil herrscht derweil Arbeitsatmosphäre. Eine irgendwie “verdichtete” Atmosphäre im Abteil, die bestehen bleibt, auch wenn jemand plötzlich mit einer Frage an Michaela Glöckler oder irgendeinem Anliegen hereinplatzt. Und Fragen und Anliegen scheint es einige zu geben. In der Tat ist es ein Betriebsausflug der anderen Art. Begonnene Arbeit wird fortgesetzt, man liest Peter Selg: Rudolf Steiner und Christian Rosenkreutz... tauscht sich darüber aus. Und nein, es stört nicht, wenn wir zuhören.

reisebericht 3 | ankomme freitag den 25. in Kraljevec, Kroatien

Was für ein Empfang! Das ganze Programm. Honoratioren, Blaskapelle, Mitbringsel. Publikum. Trotz schneidender Kälte ist ein fröhliche Stimmung über der Gesellschaft. Die Begrüßungsreden werden übersetzt, als der Bürgermeister fertig ist, ist auch mein Aufnahmegerätchen soweit. Achim Hellmich schreibt in der Wochenschrift in seinem Bericht über die Reise: “Der Bürgermeister hält eine engagierte und bewegende Rede, eine ehrliche Hommage an Rudolf Steiner. Stolz sei er, der Bürgermeister, auf diesen “größten Sohn des Ortes”, fasst er seine Rede in einem Schlussatz zusammen. Mich berührt die Rede, ja die ganze Atmosphäre, ist es doch, wie auch der ganze folgende Abend, diese große seelische Offenheit, eine uns alle umfassende Herzensweite.” Schöner als Achim Hellmich hätte ich es jetzt wohl auch nicht ausdrücken können.

Jetzt spricht Vera Koppehel. Ihre und Stephan Sibers Initiative hat diesen Zug auf die Schienen gebracht und möglich gemacht, dass hier in Kraljevec vor dem “Geburtshaus” Rudolf Steiners jetzt über 200 Zugreisende gemeinsam mit den Dorfbewohnern stehen und nicht nur Rudolf Steiner, sondern auch diesen beiden ihre Reverenz erweisen. Die Freude über den großartigen Empfang und darüber, die Sympathie der Anwesenden spüren zu können, ist nicht zu übersehen. Die beiden Tauben, die Vera fliegen lässt, sind für mich in diesem Moment ein Sinnbild für die Gedanken, die über Grenzen hinweg die Herzen und Seelen der Menschen miteinander vereinen können. Wird irgendwann eine friedliche und geistgetragene Gemeinschaft über Grenzen hinweg möglich sein? Die jüngsten politischen Ereignisse wirbeln plötzlich durch mein Hirn. Aber warum so weit? Mubaracks und Ghadafis gibt es überall, manchmal reicht es, sich auch in unmitelbarer Nähe etwas umzuschauen, die allgegenwärtigen Machtdemonstrationen und deren Auswüchse in Politik und Gesellschaft, lassen sich überall finden.

– überraschung. johann sebastian bach

Das Kraljevecer “Protokoll” sieht einen Kirchenbesuch mit Überraschungskonzert vor, anschließend einen kroatischen Abend im Gemeindehaus. Die Kirchentür ist noch verschlossen, wir schaffen es durch den Seiteneingang, es ist kaum durchzukommen. Wir finden einen Platz an der Seite, nach einer Weile schließe ich die Augen, lausche Miha Pogagnik. Die beiden Damen neben mir haben sich offensichtlich Wichtiges zu erzählen, was den Kunstgenuss leider etwas trübt. Es ist kalt. Schweigend gehen wir nach dem Besuch der Kirche in Richtung Gemeindehaus, wo uns ein mitreißendes Konzert mit Gesang und Kindertanz erwartet. Die Musik ist “unplugged” und die Kinder singen und tanzen wunderbar. Am Büffet gibt es köstliche kroatische Spezialitäten.

Der Übersetzer, der die Reden am Geburtshaus wunderbar übersetzt, spricht mir freundlicherweise die Übersetzung der ersten Ansprache auf mein Aufnahmegerät, danach stelle ich fest, dass leider auch die anderen Reden nicht auf meinem Iphone zu hören sind. Schon wieder! Allerdings entdecke ich plötzlich, dass es kein technischer Fehler, sondern “menschliches Versagen” ist. Ich beschließe, der Apple-Hotline ein Entschuldigungsmail zu senden. Nein, das Gerät ist doch in Ordnung. Sie haben keine Schuld. Ich bin zu blöd.

Blick auf die Uhr, der Zug wird bald abfahren, wir müssen los. Wir laufen durch die kalte Nacht in Richtung Bahnhof, diesmal ohne Blasmusik. Ein herzlicher Abschied am Bahnhof und es geht nach Cacovec, dort erwartet uns eine Eurythmieaufführung und dort ist auch unser Hotel. Der Weg zur Stadthalle führt uns durch einen Park und durch eine ziemlich verfallene Burganlage, biertrinkende und grölende Jugendliche begrüßen uns lautstark – sie werden auf dem Rückweg immer noch da sein, sie haben wohl nicht auf uns gewartet, eher scheint es, als seien sie immer hier.

Die Halle scheint ausverkauft, wir haben einen Platz ganz vorn. Begrüßung, kleine Ansprachen, und dann beginnt die Eurytmieaufführung des Eurythmie-Ensembles Zagreb. Getragen, klassisch. Das Programm besteht aus zwei Teilen, der zweite schafft es, die bis dahin eher verhaltene Aufmerksamkeit des Publikums plötzlich umzuwandeln. Das Ensemble, der Moderator und sein kleiner Freund gaukeln um die Wette. Riesenapplaus.

Es war ein langer Tag. Die Zimmer im Hotel sind eiskalt, aber wir schlafen tief und fest. Leises Wummern aus der Disco, wir haben Glück, sie ist in einem andern Teil des Hauses. Beim Frühstück am anderen Morgen treffen wir zwei nette Menschen, Freunde von Freunden. Wozu brauchen wir eigentlich Facebook? Wir sprechen über Bilder, Malerei und darüber, wie es ist, Hausmeister an einer Schule zu sein. Ein Blitzlicht und eine kurze Momentaufnahme, aber auch eine kurze Lehrstunde, wie Menschen in bestimmten sozialen Zusammenhängen manchmal ticken oder wie sie auch manchmal scheitern. Kindheitserinnerungen steigen auf, wenn man selbst einige Jahre im direkten Umfeld einer Schule großgeworden ist.

reisebericht 4 | nächster halt: neudörfl 26 02 2011

Ausstieg in Fahrtrichung links? Wolfgang Zumdick liest im Clubwagen aus seinem Reiseführer “Rudolf Steiner in Wien.” Doch bevor wir in Wien einreisen, stehen Neudörfl und Brunn am Gebirge auf dem Programm. Auch in Neudörfl ein sehr freundlicher Empfang, am Bahnhof wieder einige Begrüßungsworte, dann eine Führung durch den Ort. Die Schule, die Häuser der “Kleinhäusler”, der Garten, die Kirche. Ein Besuch im Rudolf Steiner “Seminarhaus”, Kaffee und Kuchen, Eintrag ins Gästebuch und der erste Stempel im Reisepass mit Unterschrift des Bürgermeisters.

Pottschach allerdings, den Ort, in dem Steiner seine ersten Lebensjahre verbracht hat, berührt unsere Reiseroute nicht. Steiner selbst über Pottschach in seinem Lebensgang: “Auf dem kleinen Bahnhofe aber vereinigte sich alles Interesse auf den Eisenbahnbetrieb. Es verkehrten zwar damals in dieser Gegend die Züge nur in größeren Zeitabständen; aber wenn sie kamen, waren zumeist eine Anzahl von Menschen des Dorfes, die Zeit hatten, am Bahnhof versammelt, um Abwechslung in das Leben zu bringen, das ihnen sonst anscheinend eintönig vorkam. (...) Ich glaube, daß es für mein Leben bedeutsam war, in einer solchen Umgebung die Kindheit verlebt zu haben. Denn meine Interessen wurden stark in das Mechanische dieses Daseins hineingezogen. Und ich weiß, wie diese Interessen den Herzensanteil in der kindlichen Seele immer wieder verdunkeln wollten, der nach der anmutigen und zugleich großzügigen Natur hin ging, in die hinein in der Ferne diese dem Mechanismus unterworfenen Eisenbahnzüge doch jedesmal verschwanden.”

Da sehe ich plötzlich – es ist Jahre her – vor mir die hochgezogenen Augenbrauen eines Waldorflehrers, als wir einmal über Spielzeug und Modelleisenbahnen für kleine Waldorfjungens reden.

Der nächste Halt ist in Brunn am Gebirge, wir werden abgeholt und laufen durch den Ort zum Gliedererhof, hier hat die Familie Steiner von 1882 bis 1887 in äußerst bescheidenen Verhältnissen gewohnt, heute würde es heißen 2 ZKDB. Immerhin ein Zimmer für den Studiosus. Hier schrieb er die “Grundlinien einer goethischen Erkenntnistheorie”, die Vorstufe zu seiner Philosophie der Freiheit. Der Gliedererhof ist heute ein Heimatmuseum. Es gibt eine kleine Führung durch das Museum und im Hof Punsch und Gespräche. Im hinteren Teil des Gartens steht der Grabstein der Eltern und der Schwester Rudolf Steiners. Begraben sind Steiners Eltern allerdings in Horn in Niederösterreich. Wir verlassen den “Gliedererhof” durch den “Hinterausgang”, der von manchem Hausbewohner nach dem Wirtshausbesuch auch als Eingang benutzt wurde, wie uns erzählt wird.

– nebenbei 1980... 12 03 2011

Ich bin gerade 3 Tage an der Ostsee. Kurzurlaub. – Ach ja, die 80er des vergangenen Jahrhunderts. Hundert Jahre nach Steiners Zeit in Brunn. Aufbruch und Begeisterung für Neues. In diesem Jahrzehnt wurden die meisten Waldorfschulen gegründet, Euphorie prägte eine ganze Generation. Es war die Hochzeit der Anthroposophie, wie mir scheint. Aber es war auch die Zeit von Tschernobyl. Eine Zeitenwende? Die aktuellen Berichte aus Japan lassen diese Zeit noch einmal in aller Deutlichkeit vor Augen stehen. Wann werden wir endlich lernen, die Welt so zu behandeln, wie wir uns wünschen behandelt zu werden. Dort stehen zwei AKW kurz vor der Kernschmelze, ein Tsunami hatte dafür gesorgt, dass die Systeme kollabierten, die Kühlung ausgefallen ist, bereits 51.000 Menschen seien evakuiert, liest man in der nzz-online. “Keine Gefahr für Deutschland” heißt es bereits wieder, Japan sei zu weit weg. Gefahr – auch das ist ein Thema, wenn nicht sogar das wichtigste? – besteht allerdings für die Rückversicherer, denn die müssen jetzt vermutlich ziemlich tief in Vollen greifen. In die vollen Taschen. Was wohl werden die “Wirtschaftsweisen” dem staunenden Volk in ihren “Herbstgutachten” verkünden? Die schlechte Wirtschaftslage sei den internationalen Krisen in der arabischen Welt und den Naturkatastrophen geschuldet. Und der deutsche Normalmichel wird seinen Atomkraftbutton wieder verschämt in der Schublade verstauen und seufzend vor dem Fernseher sitzen. “Same procedure as every year”. Oder rheinisch: “Wat willste maache?” Das es offensichtlich nicht ganz so einfach ist, wie ich es Eingangs dieses Textteils dargestellt habe, dürfte inzwischen (18.03.2011) ziemlich eindeutig sein. Wie stehen eigentlich die Anthroposophen zur Atomkraft? Mir fällt ein, dass ich mal wieder nach Peter von Siemens googlen muss. Inzwischen hat die Katastrophe schier unglaubliche Dimensionen angenommen.

reisebericht 5 | wien hauptbahnhof

Der Weg vom Bahnhof in das Hostel dauert knapp 10 Minuten – hier gibt es für ein paar Mitreisende ein paar Unklarheiten, wir hatten allerdings unabhängig gebucht und alles geht unkompliziert. Komme ich heute mal dazu, so etwas wie den Beginn eines Reiseberichtes zu schreiben? Als ich im Eingangsbreich des Hostels meine Mails abrufe, erzählt mir Curro Cachinero, der einen Bericht für die Drei schreiben wird, von neuen Formen der Landwirtschaft. CAS, was mir auf den ersten Blick wie ein etwas modifiziertes Modell aus den 1980er Jahren erscheint. Ein Modell für die Zukunft? Verbraucher fördern eine Landwirtschaftsgemeinschaft nicht über die Preise der Produkte, sondern durch die Finanzierung der Landwirte.

– wien der morgen danach 27 02 11

Festliche Kleidung ist angesagt, es geht in die Wiener Hofburg, genauer gesagt in die Österreichische Nationalbibliothek in der Wiener Hofburg. Es dauert eine Weile bis der Eingang gefunden wird, man sieht bekannte Gesichter, suchend, fragend, das Areal hier ist weitverzweigt und durchaus ein wenig unübersichtlich. Im Festraum der National-Bibliothek ist Matinee zu Ehren Rudolf Steiners. Den Ehrenschutz – so etwas wie die Schirmherrschaft – hat der österreichische Bundespräsident Fischer übernommen, der aber leider nicht zugegen sein wird. Er lässt grüßen. Eintritt nur mit gültigem Reispass. Eine freundliche VIP-Dame stellt mir ihren – reservierten – Platz in der zweiten Reihe zur Verfügung, so kann ich wenigstens ein paar Fotos machen. Vera Koppehel und Stefan Siber führen durch diese Veranstaltung, für sie dürfte dies – nach all den gelungenen Aktionen im Zug, nach Kraljevec, Neudörfl und Brunn am Gebirge – jetzt wohl der krönende Abschluss dieser großartigen Reise sein. RS150 – der Sonderzug Rudolf Steiner – ist angekommen.

Cellomusik, Paul Hindemith und Egon Wellesz, gespielt von Prof. Rudolf Leopold. Walter Kugler ist in Redelaune, er schlägt einen Bogen von Ludwig Wittgenstein “Man muss nur viel verrückter denken als die Philosophen, um ihre Probleme lösen zu können”, zu Rudolf Steiner und spricht von den Ver-Rückungen Steiners, der alles andere als ein Mainstream-Philosoph gewesen sei.

Reden zur aktuellen Situation der Waldorfpädagogik in Österreich schließen sich an, souverän führen Vera und Stephan durch das Programm und Wolfgang Zumdick liest noch einmal ein Kapitel aus seinem neuen Reiseführer “Steiner in Wien”.

Im Anschluss an den offiziellen Teil gibt es sehr leckere Demeter-”Butterbrote” und -Säfte. Noch einmal eine gute Gelegenheit, die ein oder andere Bekannschaft zu vertiefen oder auch noch neue Bekanntschaften zu knüpfen. Die Gesichter der Mitreisenden sind inzwischen vertraut geworden, so dass es nicht schwer fällt, ins – zumeist – kurze Gespräch zu kommen. Das Proramm des Tages allerdings geht weiter, wir beschließen, die Nationalbibliothek etwas näher in Augenschein zu nehmen und erst beim nächsten Wienbesuch auf Steiners Spuren zu wandeln, hoffend, dass Stephan Siber uns dann Gesellschaft leisten kann und will.

– bücher bücher bücher... die nationalbibliothek

Der barocke Prunksaal gehört zu den wohl schönsten Biliotheken der Welt. Wir haben einen “lebendigen” Audio-Guide, sie erzählt uns über den Bauherrn, das war Karl der VI. und einiges über die Entstehungsgeschichte und die Besonderheiten dieses altehrwürdigen Saales. Über 200.000 Bücher haben hier ihren Platz gefunden, sortiert nach Größe und Farben. Steht hier also Rudolf Steiner neben Kochbüchern? Möglich. Allemal interessant ist es, dass hier jedes Buch, also auch das älteste ausgeliehen werden kann, allerdings dürfen die Bücher dann das Haus nicht verlassen, sondern müssen im Lesesaal gelesen werden.

reisebericht 6 | wien am nachmittag 27 02 11

Am Nachmittag treffen wir vor dem Belvedere – als Walter Kugler einen Vortrag über Rudolf Steiner und den Kinetismus hält – einen alten Freund, der jetzt schon einige Tage in Wien lebt. Es ist Dieter Kumrow, dessen Thema immer wieder die Frage nach einer neuen Alterskultur ist und der im Besonderen sich mit dem Thema Demenz und Spiritualität auseinandersetzt. Sein Aufsatz “Demenz und Trauma” gehört zu den am meisten gelesenen Beiträgen dieser Internetseite. Wir beschließen, den Tag im Café Griensteidl ausklingen zu lassen und ein paar Erinnerungen aufzufrischen, es gibt einiges zu erzählen. Außerdem steht als letzter Programmpunkt für den heutigen Tag im Griensteidl die Lesung von Wolfgang Zumdick auf dem Programm.

Das Kaffeehaus war ein sehr beliebter Aufenthaltsort Steiners. Vorstellbar allerdings, dass die Atmosphäre seinerzeit – durch die rauchenden Gäste – eine ganz andere gewesen sein wird. Obwohl ich selbst Nichtraucher bin: frischrenoviert und ohne Raucher ist ein Kaffeehaus eben nur ein Kaffeehaus. Dabei erfüllt der Kellner – hier heißt er Ober – jedes Klischee, das man aus alten Filmen mit Theo Lingen kennt. Blasiert und so von oben herab, dass es eine wahre Freude ist. Gemessen daran sind selbst Praktiker-Filialen in Deutschland “Service-Oasen”. Wir beschließen, auf den Zumdick-Vortrag zu verzichten und bleiben im Gespräch. Als wir das Griensteidl verlassen und noch eine Weile durch die spätabendliche kalte Wiener Nacht laufen, zieht in Gedanken noch einmal dieser Geburtstag Steiners an mir vorüber. Ob er ihn wohl auch manchmal im Griensteidl gefeiert hat? Hat er ihn überhaupt gefeiert? Hat er in der Nationalbilbliothek recherchiert, so wie wir heute Google für unsere Nachforschungen benutzen? Ich merke, auch ohne Lesung hat Wolfgang Zumdicks Reiseführer bereits gewirkt.

– wiener schule | konzert am morgen 28 02 11

Der Abschied am Bahnhof ist musikalischer Art, die 11 und 12 Klasse der Wiener Steiner-Schule gibt ein hinreißendes Konzert von Klassik bis Gospel und dazu machen die roten Damen noch einmal eurythmisch mobil. Der Zug steht bereits unter Strom, ein letzter wehmütiger Blick zurück – schön war es in Wien – und dann geht es nach Köln zurück. Die Mitreisenden steigen nach und nach an den einzelnen Stationen wieder aus und gehen inzwischen wieder – genau wie ich – ihrem alltäglichen Tagwerk nach. Was hat diese Reise mit ihnen gemacht? War es ein Trip in die Vergangenheit oder doch eine Reise in die Zukunft?

Die Berichte sind inzwischen fast alle erschienen und wurden von vielen Menschen gelesen oder – im Falle des Deutschlandfunkjournalisten – sicher auch gehört. Ihnen allen ist trotz unterschiedlicher Gewichtungen etwas gemeinsam: Dass die Einladung zu dieser Reise eine der besten Ideen war, die man haben konnte, um Rudolf Steiner zum 150. Geburtstag zu gratulieren. Die immerhin über zweihundertköpfige Geburtstagsgesellschaft ist wieder auseinandergegangen, aber diese fünf Tage mit ihren vielen schönen Erlebnissen haben für mein Empfinden dafür gesorgt, dass ein Bewusstsein von Zusammengehörigkeit und Nähe entstanden ist, das uns über diese Tage hinaus tragen und Gemeinsamkeit schaffen kann, die helfen kann, die veränderte Zeitlage, so wie sie uns derzeit entgegenkommt mit all den Schwierigkeiten und Notlagen, doch zu meistern.

Denn so viel ist inzwischen passiert, die Welt ist nicht mehr wie sie war, als wir am Abend gegen 22:00 Uhr in Köln ankommen; müde, aber erfüllt von Dankbarkeit all den Genannten und Ungenannten gegenüber, deren Tatkraft und unermüdlicher Einsatz dafür gesorgt hat, dass wir ein solch grandioses Erlebnis haben durften. Danke!’

zondag 24 april 2011

Pasen

Deze Paaszondag gaan we weer aan de boekbesprekingen. Het aprilnummer van ‘Die Drei’ is op de website verschenen, en op bladzijde 82 beginnen de boekbesprekingen. De eerste gaat rechtstreeks over Pasen, en is van redacteur Stephan Stockmar zelf, onder de titel ‘Ostern kommt’:
‘Cordelia Böttcher: Ostern. Durch die Passion zur Auferstehung. Ein Arbeitsbuch. Mit Illustrationen von Andrea Schröder, Clavis Verlag, Frankfurt am Main 2011, 132 Seiten, 14,80 EUR.

Ein christliches Fest wie Ostern zu feiern, fällt heute oft schwer. Entweder verliert man sich in traditionelle Äußerlichkeiten. Oder man versucht, sich mit den Quellen, den Evangelien-Texten zu beschäftigen, spürt diesen gegenüber aber zunächst vor allem Hilflosigkeit: Ein Frühlingsfest mit so tragisch-ernstem Inhalt? Aber die Sehnsucht, einen Zugang zu dem Geschehen von Tod und Auferstehung zu finden, sitzt oft tief – aus der eigenen Lebenserfahrung heraus oder auch aus Anteilnahme an dem dramatischen Weltgeschehen. Dabei geht es nicht vor allem um Wissen, sondern um die Suche nach Möglichkeiten, sich in innerer Aktivität mit dem Tod als »Kunstgriff« der Natur, viel Leben zu haben (Goethe), zu beschäftigen.

Cordelia Böttcher zeigt in ihrem »Arbeitsbuch« einen tastenden Weg auf, wenn sie durch elementare Fragen zu Beobachtungen in der Natur und in der eigenen Seele anregt. Man kann mit ihr Schritte gehen, von der Frage nach dem Zusammenhang von Tod und Leben über die Beweglichkeit des Osterfestes bis hin zum Verstehen der Evangelien als »inspirierte Schriften« und dabei auch eigenständig weitere Fragen entwickeln. So gelangt man zu einer Art Selbstgespräch, das in einem »Tagebuch für die Karwoche und Ostern« seinen Niederschlag findet: Für jeden Tag dieser heiligen Woche findet man Ausschnitte aus dem Neuen Testament (insbesondere aus dem Evangelium nach Matthäus), deren Inhalte im Sinne einer Aufmerksamkeitslenkung bewegt werden, immer auch im Hinblick auf die eigene Lebenserfahrung. Dazu ein Gedicht oder einen Spruch zur Charakterisierung der Qualität des jeweiligen Tages.[1] Am Ende eines jeden Tages stehen zwei leere Seiten zur Verfügung, auf denen eigene Beobachtungen und Gedanken notiert werden können, die sich im Mitvollzug des dramatischen menschheitlichen Geschehens von Tag zu Tag ergeben.

So bekommt Ostern tatsächlich eine Zeitgestalt, die sich in das gegenwärtige Leben einfügt und ganz anders ist als die von Weihnachten: Die Entwicklung von Palmsonntag bis Ostersonntag wird wie eine Oktave erlebbar – als Urbild einer jeden Woche des Jahres. Während sich in den heiligen Nächten »zwischen den Jahren« die ewige Zwölfheit des Kosmos spiegelt – als urbildlicher Vorgriff auf das kommende Jahr (siehe Das Buch der 12 heiligen Nächte derselben Autorin, erschienen 2001, ebenfalls im Clavis Verlag).

Den Schluss des kleinen Buches bildet ein kurzer Ausblick bis Himmelfahrt: Ostern geht weiter, »lebt sich erst nach und nach in das Leben von Erde und Mensch ein«.

Der geschriebene und – nun vom Leser – noch zu schreibende Text des Arbeitsbuches wird von vignettenartigen Zeichnungen von Andrea Schröder begleitet, die auch die Titelillustration geschaffen hat: Kleine Skizzen, die durch die verschiedenen Formgesten, mit denen Dunkelheit und Licht zu einander ins Verhältnis gesetzt werden, etwas von der Qualität des jeweiligen Tages zum Ausdruck bringen. Dabei hätten die Abbildungen ruhig etwas größer sein können. Die farbige Titelskizze, die das ganze Passions- und Ostergeschehen wie in die Lebenssphäre der Erde eingehen lässt, wird durch die vielen verschiedenen und zum Teil zu groß geratenen Schriftelemente leider arg eingeengt.

Stephan Stockmar

1. Das zum Karmittwoch gestellte sogenannte Friedensgebet des Franz von Assisi entstammt sicherlich franziskanischem Geist, ist aber nachweislich eine Schöpfung des frühen 20. Jahrhunderts; vgl. Lothar Hardick, Engelbert Graue: Die Schriften des heiligen Franziskus von Assisi, Kevelaer 2001, S. 44f.’
Voor de tweede bespreking ga ik eerst bij de uitgever langs, en hoe die dit boek ‘Wie weiter mit der biologisch-dynamischen Forschung?’ aanprijst:
‘Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist «besonders», insofern ihrem Konzept das System «Mensch», bzw. das Individualitätsprinzip zugrunde liegt. Sie bleibt immer im Lebendigen. – Wie kann man aber das Lebendige erforschen? Müssen wir uns zukünftig möglicherweise mehr an der Sozialwissenschaftlichen oder der Medizinischen Forschung als an der Naturwissenschaftlichen Forschung orientieren? Wie und wo soll biologisch-dynamische Forschung geleistet werden – im Labor oder im Betrieb, vom Agrarforscher und/oder dem Landwirt? Die vorliegende Schrift will dazu Denkanstöße vermitteln.’
Bijzonder is dat deze bespreking afkomstig is van de ons zeer welbekende Barbara; dus met extra aandacht lezen we wat zij hierover te vertellen heeft. De titel stelt niet erg gerust, ‘Wasser auf die Mühlen der Gegner’:
‘Nikolai Fuchs: Wie weiter mit der biologisch-dynamischen Forschung? Verlag am Goetheanum, Dornach 2010, 112 Seiten, 12 EUR.

Das Buch ist ein kleines, handliches Quartheftchen und umfasst insgesamt 112 Seiten. Es enthält Anmerkungen und eine Bibliographie. Der Inhalt ist im Wesentlichen in zwei große Abschnitte gegliedert, von denen der erste sich mit dem Stand der biologisch-dynamischen Forschung am Beispiel der Präparateforschung beschäftigt, während der zweite Teil Anregungen für eine zukünftige Forschungsmethodik enthält.

Nikolai Fuchs’ Zielsetzung ist es, Anregungen zu einer Diskussion zur biologisch-dynamischen Forschungsmethodik zu geben. In seinem Epilog gesteht er, dass es sicherlich günstiger gewesen wäre, wenn er die Überlegungen vor ihrer Veröffentlichung mit einem größeren Kollegenkreis diskutiert hätte. Dieser Aussage kann man wohl ohne Abstriche zustimmen.

Der Inhalt des Büchleins kann auf zwei Kernbereiche reduziert werden: Im ersten Teil kommt der Autor zu der Auffassung, dass die Wirksamkeit der biologisch-dynamischen Präparate bisher naturwissenschaftlich nicht erwiesen sei. Im zweiten Teil empfiehlt er ein von ihm – mit anderen im Rahmen der Arbeit in der landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum in Dornach – entwickeltes Verfahren, die sogenannte »in-farm-research«, welche die Landwirte als Forscher einbeziehen soll.

Das Büchlein krankt inhaltlich zum einen daran, dass der Autor sich ganz offenbar nicht mit naturwissenschaftlicher Methodik auseinandergesetzt hat, da sich diese für ihn bezüglich der Landwirtschaft in Parzellenversuchen erschöpft und die Akzeptanz von Ergebnissen durch die Naturwissenschaft nur durch Veröffentlichung in den referierten Zeitschriften gegeben sein soll. Zum anderen zieht er als Anhaltspunkte für biologisch-dynamische Forschungsmethodik nur Aussagen Rudolf Steiners aus der Vortragsreihe des Landwirtschaftlichen Kurses (GA 327) heran. Alle Anregungen Steiners zu naturwissenschaftlicher Forschung (GA 20-323) bleiben unberücksichtigt – genauso wie dessen detaillierte Beschreibung der Forschungsmethodik Goethes (GA 2), die mindestens dem Kapitel »Goetheanismus und Agrarwissenschaft« etwas methodische Substanz hätte verleihen können.

Man könnte sich inhaltlich noch an vielen Ungenauigkeiten und Einzelheiten des Büchleins aufhalten. Es ist Wasser auf die Mühlen der Gegner des Biologisch-Dynamischen und dürfte, sollte es dort entdeckt werden, sicher gerne als Zitatensteinbruch verwendet werden. In meinen Augen hat Nikolai Fuchs der ganzen Bewegung mitsamt den seit Jahrzehnten in der entsprechenden Forschung engagierten Menschen einen Bärendienst erwiesen. Ein Abschiedsgeschenk des ausgeschiedenen Sektionsleiters?

Barbara Elers’
Die kritiek is dus niet mals. Dat Nikolai Fuchs vertrok als leider van de landbouwsectie, was al bekend geworden in ‘Tongue-in-cheek’ op 9 december 2010. – Voor de derde en laatste boekbespreking maak ik eerst een afsteker naar deze twee boeken van Michael Ende, om te beginnen ‘Jim Knoop en Lucas de machinist’:
‘Jim Knoop is een jongen die op het eiland Lommerland woont. Lommerland is maar heel klein en bestaat eigenlijk bijna helemaal uit een grote berg met twee toppen, een hele hoge en één die iets kleiner is. Rondom de berg zijn wegen met bruggen en viaducten. Bovendien is er ook nog een spoorbaan vol bochten en een klein spoorwegstation. Daar woont Lucas de machinist met zijn locomotief die Emma heet en die ook kan varen als een schip. Jim Knoop en Lucas de machinist zijn dikke vrienden en samen beleven ze allerlei avonturen. Ze ontmoeten een schijn-reus, die in de woestijn “Het einde van de wereld” woont, en de halfdraak Nepomoek, die niet netjes aan tafel kan zitten. Samen bevrijden ze de dochter van de keizer van Mandela en alle andere kinderen die gevangen zitten in de “Stad van de 1000 draken”.
1e druk, gebonden, 240 blz. € 14,90 ISBN: 9789062388295 Kinder- en jeugdboeken’
‘Na hun eerste grote reis vol avonturen vinden Jim Knoop en zijn grote vriend Lucas de machinist het op het eiland Lommerland wel een beetje erg stil en ze zoeken – en vinden – al spoedig een reden om opnieuw met Emma, de oude, trouwe locomotief op reis te gaan. Ze varen de wijde oceaan weer op en al spoedig blijkt, dat hen geen zee te diep, geen berg te hoog en geen avontuur gevaarlijk genoeg kan zijn. Door het ontdekken van een groot geheim slagen zij er in Emma om te bouwen tot een Perpetumobiel, waardoor ze zelfs leert vliegen! Behalve tal van oude bekenden, zoals meneer Toer Toer, de schijnreus, de halfdraak Nepomoek, het pietepeuterige Mandaleesje Ping Pong, het lieve prinsesje Li Si en natuurlijk de aardige bewoners van Lommerland, ontmoet het dappere tweetal veel andere mensen en vreemde wezens. Na een bonte reeks van avonturen vertelt de “Gouden draak van de Wijsheid” hoe ze erin kunnen slagen de “Wilde 13”, de niets ontziende zeerovers, te verslaan en tevens wordt het geheim van de afkomst van Jim Knoop onthuld. Een heerlijk voorleesboek voor kinderen vanaf 8 jaar of voor oudere kinderen – en volwassenen! – om zelf te lezen.
1e druk, gebonden, 263 blz. € 14,90 ISBN: 9789062388363 Kinder- en jeugdboeken’
Na deze introductie kunnen overschakelen naar de bespreking door Philip Kov’ce in ‘Die Drei’ onder de titel ‘Endes Jemmy Button’:
‘Julia Voss: Darwins Jim Knopf, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, 183 Seiten, 17,95 EUR.

Julia Voss, Leiterin des Kunstressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat mit Darwins Jim Knopf ein erstaunliches Buch vorgelegt. Erstaunlich vor allem deshalb, weil es auf weniger als 200 Seiten Themen miteinander in luzide Beziehung bringt, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben: Charles Darwins Reiseberichte, Michael Endes Kinderbücher, die schulische Erziehung im Nationalsozialismus und die Moralphilosophie Rudolf Steiners.[1]

Während ihres Dissertationsprojekts über die Bedeutung der Bilder und Illustrationen für die Entwicklung der Evolutionstheorie[2] stieß Voss in Darwins Reiseberichten von seiner Fahrt mit dem Forschungsschiff HMS Beagle auf die Schilderung einer ungewöhnlichen Situation: An Bord führte man während der Rückfahrt nach England einen farbigen Jungen mit, den man aus strategischem Kalkül zuerst mitgenommen und dann vor der Rückfahrt abzusetzen vergessen hatte. Der Junge trug, so verraten es Darwins Notizen, einen Namen, »der seinen Kaufpreis beinhaltete«: Jemmy Button. Da die Geschichte dieses Kindes, das aufgrund eines Knopfes unfreiwillig nach England reisen musste, später mehrfach literarisch verarbeitet wurde, bemerkte Voss beim Lesen eines der entsprechenden Buchtitel plötzlich die frappierende Ähnlichkeit dieses Namens mit »dem Held eines meiner liebsten Kinderbücher«: Jim Knopf.

Diese Beobachtung nahm Voss zum Anlass, sich nochmals intensiver mit den beiden Kinderbüchern Jim Knopf und Lukas der Lockemotivführer, Jim Knopf und die Wilde 13 sowie mit der Biographie des Autors Michael Ende auseinanderzusetzen – und bei diesem laufen die zuerst beziehungslos erscheinenden Themenfäden zusammen. Denn auch wenn Voss’ Arbeitshypothese lautet, dass Ende »eine Parodie auf Charles Darwins Fahrt der Beagle geschrieben haben könnte«, geht es in ihrem Buch nicht darum, Ende Plagiatsvorwürfe zu machen, sondern vielmehr um das Sichten der Bezüge zu Darwin, zum Nationalsozialismus und auch zu Rudolf Steiner, die von Endes Schreiben vielfach ausgehen. Die vermeintliche Kindergeschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokemotivführer, für die Ende 1961 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis prämiert wurde, erweist sich – und das aufzuzeigen ist originäres Verdienst von Voss – bei näherem Hinsehen nämlich nicht als bloß phantastisches Produkt; gespickt mit historischen Details lässt sie sich vielmehr als Parabel lesen, die nicht nur der poetischen, sondern ebenso der historischen Vernunft Rechenschaft gibt.

Zuerst fällt auf, dass die Heimat von Lukas dem Lockemotivführer, die Insel Lummerland, verschiedenste Anspielungen auf die Situation des frühindustrialisierten Englands birgt. Auf Lummerland gibt es eine Eisenbahnstrecke, die von der Dampflok Emma befahren wird, einen Kaufmannsladen, deren Besitzerin Frau Waas ihre Waren wöchentlich aus der ganzen Welt angeliefert bekommt, ein Postschiff, das regelmäßig verkehrt und regiert wird die Insel von einem schottisch-karierte Pantoffeln tragenden König: Alfons dem Viertel-vor-Zwölften. Dass es der Engländer George Stephenson war, der 1825 die Pionierstrecke der Stockton & Darlington Railway Company in Betrieb nahm, dass Woche für Woche Waren aus den Kolonialgebieten angeliefert wurden, dass die Engländer 1841 die Royal Mail Steam Packet Company gründeten und einen Postschiff-Liniendienst von London nach Westindien unterhielten, dass es im frühen Industriezeitalter schließlich King William IV. war, der herrschte – all das war Ende keineswegs unbekannt und lässt die Umgebung bewusst sehr ähnlich erscheinen, in die sowohl Jemmy Button als auch Jim Knopf versehentlich geraten: Button nach England, Knopf nach Lummerland.

Eigentlich sollte Jim Knopf, der im Paket auf Lummerland eintrifft, in das furchterregende Kindererziehungsheim nach Kummerland geschickt werden, in die Drachenschule von Frau Mahlzahn, der er nur durch eine Adressverwechselung beim Anfangsbuchstaben entkommt. Eingangs der Drachenstadt ist ein Schild angebracht, auf dem in großen Lettern zu lesen ist: »Achtung! Der Eintritt ist nicht reinrassigen Drachen bei Todesstrafe verboten.« Dieses Schild sehen Jim, Lukas und Emma, nachdem sie sich auf den Weg gemacht haben, um alle Kinder aus dem Drill Frau Mahlzahns zu befreien. So beginnt ein zweiter Strang in Endes Erzählung: Keine fünfzehn Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft tauchen in einem als Kinderbuch gefeierten Werk Begriffe wie Schande, Todesstrafe oder Rassenreinheit auf; die Szenerie für dieses Vokabular ist ein in einen qualmenden Ofen einfahrender Zug – die Dampflok Emma, die, als Drache verkleidet, das Tor zur Drachenstadt passiert...

Noch offensichtlicher als die Bezüge zum frühindustrialisierten England sind diese Bezüge Endes zur eigenen Kindheit. Das, was Darwin als Evolutionstheorie formuliert hatte, die von Zufall, Variation, Selektion und Wandel handelt, hatte im Dritten Reich die Gestalt einer Ideologie angenommen, die Zucht, Herrschaft und Hierarchie in Kinderköpfe einpflanzte. Doch nicht nur das Umcodieren der Evolutionstheorie, auch die Umdeutung etwa der Siegfried- und Atlantis-Mythen zu biologistischen Ursprungserzählungen der arischen Rasse erlebte Ende hautnah im Klassenzimmer – und setzte alledem ein Denkmal, indem er es in seine Geschichte aufnahm, jedoch ganz anders enden lassend.

Ein eigenes Kapitel ist schließlich der Beziehung Endes zu Steiner gewidmet. Ende zählte das zwölfte Kapitel aus Steiners Philosophie der Freiheit zu den für ihn prägendsten Texten. Dieses Kapitel zur moralischen Phantasie wies Endes Ansicht nach den Weg aus einer Sackgasse des Darwinismus, denn Steiner zeige, dass mittels historischen Blicks man zwar jede Evolutionsstufe zurückverfolgen, niemals jedoch von einem bestimmten Punkt aus eine kommende Stufe prognostizieren könne – da das die je vorhandenen Freiheitsgrade missachte. Ende sah in Steiners – laut Voss – »Philosophie des Unvorhersehbaren«, in seinem »Entwurf einer freien Moral« das radikale Gegengewicht zu einem mit lauter Notwendigkeiten operierenden Natur- und Kulturdenken.

Dass Ende und Steiner letztlich mit ihren Ansichten weit näher auch bei Darwin waren als so mancher überzeugter Darwinist, deutet Voss nur kurz an.[3] Dass freie Moral keineswegs soziale Unverbindlichkeit meint, sondern eine moralische Kompetenzen situativer Art einfordert, wird beim abschließenden Betrachten der Schreibmotivation Endes deutlich: »Ende begann zu schreiben«, resümiert Voss, »in einer Zeit, als Rationalität und Mythologie gleichermaßen diskreditiert waren. Er hatte durch den Nationalsozialismus die Erfahrung gemacht, dass es eine Rationalität gibt, die zum Totalitarismus führt; dass es ebenso auch eine Mythologisierung der Wirklichkeit gibt, die gleichermaßen totalitär war. Während einige Philosophen und Schriftsteller nach 1945 eine Aufklärung nach der Aufklärung suchten, einen Weg also, die Vernunft zu retten, beschritt Ende einen anderen Weg. Er suchte den Mythos nach dem Mythos. Was er sich von der Kunst erhoffte, war die Möglichkeit, einen Gegenmythos zu schaffen. Mit den Mitteln der epischen Erzählung sollte eine Wertewelt aufgebaut werden, in der nicht Unveränderlichkeit und der Sieg des Stärkeren besungen wird, sondern Wandlung und die Fähigkeit zur Freundschaft. Im Zentrum stand nicht das Schicksal, sondern die Freiheit.«

Mit dieser feinen Charakteristik des künstlerischen Anliegens Michael Endes beschließt Voss eine Studie, die nicht nur brillant geschrieben ist und durch ihre klugen Entdeckungen Freude bereitet, sondern eine solche, die sich stets liebevoll und mit Interesse ihrem Gegenstand zuwendet, der dadurch zu einem wirklichen Gegenüber wird – sodass man sagen kann, dass hier dem Verstehen gedient und nicht bloß eine detektivische Neugierde befriedigt wird.

Philip Kov’ce

1. Vgl. Julia Voss: Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Dezember 2008.
2. Vgl. dies.: Darwins Bilder. Ansichten der Evolutionstheorie 1837-1874, Frankfurt am Main 2007.
3. Vgl. dies.: Die Steiner-Maschine. Wie der Versuch, die Naturwissenschaft zu reformieren, zu einer neuen Geisteswissenschaft führte, in: Markus Brüderlin, Ulrike Groos (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart, Köln 2010, S. 40-47.

zaterdag 23 april 2011

Achtste


Ik voel me soms net een illegale kopieerder. Maar wat moet je ook op zo’n Stille Zaterdag als deze vandaag? Ik kan het natuurlijk doen zoals Hugo Verbrugh in ‘Empathie (2) De gebeurtenis in Palestina 2000 jaar geleden is aan nogal wat mensen voorbij gegaan’. Daar staat een heleboel behartenswaardigs in. Net nog, om 19.38 uur, gaf de meester himself een reactie tussen de 19 andere op wat eerder geopperd was:
‘@ joostsr 23-04-2011 18:52: “Blijf steeds weer haken aan de uitspraak van de Paus over die gitaar met geknapte snaren die geen geluid meer geeft, en dat tegen ouders van een in coma zijnde mutiple sclerose-patiënt... Zou dat nu pastorale begeleiding zijn om duidelijk te maken dat euthanasie volgens de roomse leer niet mag?...”

De vergelijking komt ter sprake in een biografisch interview met Bernard Lievegoed:

De andere wereld is die van de geest, waarin de mens zijn eigen biografie schrijft, en waarin dus de individualiteit elk moment kiest en elk moment zijn biografie schept door te kiezen en zodoende zijn gestalte in de tijd schrijft. De biografie is eigenlijk de gestalte van de mens in de tijd. In die biografie wordt dat “ik” steeds duidelijker en duidelijker zichtbaar, vooral na het 40e en 50e jaar. Dan ziet men dat de biologische lijn dalend is en dat de geest eigenlijk bepaalt of men nu nog echt als mens verder leeft, of niet. Als men dat niet doet, suddert men als het ware mee en gaat mee naar beneden met de biologische neergang.

Het gevolg van dit mensbeeld is, dat men zelfs het meest achterlijke kind met een grote eerbied tegemoet treedt als zijnde een volwaardige individualiteit. Alléén het lichaam is onvolwaardig; het is als een violist die moet spelen op een viool met alleen maar één gerafelde snaar. Dan brengt zelfs de grootste violist er weinig van terecht, maar dat doet niets af van zijn waarde als musicus. Het kind met de hersenbeschadiging, het kind met de genetische stoornis, is een volwaardige individualiteit, die zich echter moeilijk kan uitdrukken. Het gevolg is dat men in deze heilpedagogie het kind in al zijn handelingen volledig volwaardig kan zien en men zich dus de moeite geeft bijvoorbeeld niet voor die kinderen de radio aan te zetten, maar echt zèlf muziek te maken, die kinderen een dagritme te geven, en ook als zij niet in staat zijn intellectuele onderwerpen te verwerken, toch met die kinderen contact te zoeken, met ze te spreken, ze aan te spreken als een volwaardig medemens. Het heeft op mij een ongelooflijke indruk gemaakt en mij het besluit doen nemen in deze richting door te gaan. Die overtuiging heb ik gekregen als één indruk toen die zondag daar in Jena. Ik had het gevoel: de mensen die dat kunnen doen, met een dergelijke ernst en met een dergelijk geduld en zulk een overtuiging daar een hele middag kunnen vormen alsof het een groep gezonde kinderen is – daar wil ik me mee verbinden. Dit alles is voor mij een centraal beleven geweest en toen heb ik mijn besluit genomen.

Zie: Verbrugh, Hugo S., Geneeskunde en Paedagogie – biografisch portret van Bernard Lievegoed, in: Geneeskundige Gids, 4 jaargang nr. 11, november 1973 [een van de 22 interviews waarin ik de in de jaren zeventig beginnende nieuwe interesse in de biografiek heb opgepakt en uitgewerkt aan de hand van gesprekken waarin mensen die in die tijd een prominente rol speelden in de geneeskunde in Nederland hun levensverhaal vertelden in het perspectief van de levensloop als kunstwerk.’
Zie voor de achtergrond hiervan ook ‘Pionier’ op 5 februari. – Ik heb een paar recente teksten verzameld die me vandaag imponeerden. Van meer literair karakter; daar kun je soms meer mee uitdrukken dan met het soort documentaire non-fictie dat hier de boventoon voert. Ik wil die teksten eenvoudigweg hier presenteren; dit is nu eenmaal ook van begin af aan een lees-weblog. Bij de eerste (het zijn er eigenlijk twee) is er geen direct verband met antroposofie. Maar dat mag ook wel een keer. Het gaat om het lot van het boek, en dat is een thema dat hier regelmatig terugkeert. Afgelopen donderdag verscheen de nieuwe column van Gerrit Komrij in NRC Handelsblad, sinds ruim een maand staan die op de vernieuwde website van de krant. Deze column bevat ‘Een rooskleurige toekomst’:
‘Internet en het boek. Begin nu niet te gapen. U zult van mij geen jammerklacht horen over het einde van het boek. In één keer alle boeken het raam uitgooien, het kan reusachtig opluchten. Nederland beschikt over een kabinet waarvan geen lid ooit werd betrapt op het lezen of zelfs maar vasthouden van een boek, en beweer eens dat we niet keurig worden geregeerd.

Af en toe steekt onder hun ongeletterde bewind iemand zich zelf in brand, of een jongeman gaat uit schieten, maar een kniesoor die daar op let.

Een boekloos land is een tevreden land.

Op Internet is het boek volop aanwezig. Het boek van vroeger en het boek van straks. Het boek is daar van dag tot dag boekiger geworden én het boek is daar steeds meer aan het ontboeken. Zowel het een als het ander.

Dat moet ik uitleggen.

Het gilde van de antiquariaten en tweedehands-boekhandelaren heeft van het begin af het wereldwijde web omhelsd, met zeer brede armen dus. De veilinghuizen kwamen er bij, de grote boekhandelsketens en een legioen particuliere verkopers. Zoekmachines gingen zich uitsluitend richten op het vinden van dat ene benodigde of begeerde boek. Vandaag kun je met een druk op de knop uit miljoenen boeken kiezen, iets wat je in de vorige eeuw drie mensenlevens en duizend vliegtickets zou hebben gekost. Je bestelt een boek en het interesseert je niet eens meer of het uit Milaan, Hollywood of Meppel komt.

Om de koper te verleiden en hem het idee te geven dat hij avontuurlijk bezig is gingen de boekensites steeds meer op heuse boekwinkels lijken. Koele winkels, rommelige winkels, alles kreeg je. Eerst boden ze alleen saaie cataloguslijsten, toen doken de afbeeldingen op en de beeldreportages. Boeken zijn fotogeniek, dat helpt. Op veel sites kun je nu de aangeboden boeken rond laten draaien, open laten vallen en met een vergrootglas bekijken. Kortom, het internetboek groeide steeds verder naar het echte boek toe. Een object van begeerte.

Daarnaast is er het gilde van de schrijvers en de uitgevers. Voor hen werd Internet de wereld van het e-boek. Boeken waarvan je niet zag hoe dik of dun ze waren, boeken zonder band of leeslint. Linnen, goudstempels, marokijn, perkament, het bestond allemaal niet meer. Hier zag je het boek steeds minder boek worden. Er werden naar mogelijkheden gezocht de specifieke eigenschappen van de computer uit te buiten: hyperlinks, snel opzoeken, bewegend beeld. Dat de presentatie hier en daar nog aan een boek herinnerde leek eerder een sentimentele overgangsfase dan een noodzaak. Kortom, weg met de fysieke ballast en leve de inhoud.

Door Internet heeft de wereld van het boek zich in tweeën gesplitst. In beide werelden rommelt het. In de wereld van het steeds boekiger fysieke boek heeft zich de grootste relocatie ooit voorgedaan: alle Chinese boeken terug naar China, bijvoorbeeld, en alle vulkaanboeken naar de vulkaanboekenverzamelaars. Zal het op den duur rustiger worden? In de wereld van het zich ontboekende e-boek groeit juist de vraag: hoe moeten we het beestje noemen als de herinnering aan het boek eenmaal is uitgewist?

Voorlopig heeft de handel niets te vrezen en heeft de schrijver niets te vrezen, want beide werelden floreren. Dus waarom gejammerd?

’t Is duidelijk afgelopen met het innige huwelijk tussen het boek als ding en het boek om te lezen. Er is een nieuw soort boekenmens in de maak: de man of vrouw zonder boeken die toch heel geletterd is.

En wat dat andere type betreft: de bibliofiel in zijn rijk gevulde bibliotheek, die met zijn nek nauwelijks boven de boeken uitsteekt en toch van niets weet, want hij leest nooit – dat type is er altijd al geweest.’
Naast de tekst staat deze informatie over de schrijver:
‘Gerrit Komrij (Winterswijk, 30 maart 1944) is een Nederlands dichter, schrijver, vertaler, criticus, polemist en toneelschrijver. Hij was van 2000 tot 2004 de Dichter des Vaderlands. Voor nrc.nl blogt Komrij over zijn digitale leven. Dat begon ooit zo.’
Die link gaan we ook volgen. Maar niet nadat ik gemeld heb dat ik Gerrit Komrij een keer live heb meegemaakt op het Tuinfeest in boekenstad Deventer en dat was een bijzondere ervaring. Hij las over Griekenland, onder meer over oude tempels, en toverde een buitengewone sfeer tevoorschijn; ik heb geen idee uit welk boek van hem het kwam, maar het was zeer indrukwekkend. Hier lees ik dat hij vorig jaar ook weer present was. En dit is dan zijn column van 23 maart, ‘Hoe het allemaal begon’:
‘In de computerwereld veroudert alles met adembenemende snelheid. Een apparaat van tien jaar geleden oogt antiquarischer dan grootvaders klok. Het luipaardschortje van Tarzan blijft langer in de mode dan een willekeurig webdesign. Een Dorische zuil is hipper dan een ponskaart.

In 1984 verhuisde ik naar Portugal.

Dat heette ook in de jaren tachtig allang geen emigreren meer, dat heette buiten de stad gaan wonen. Portugal was voor het laatst een ver land geweest in zwart-witfilms uit de jaren vijftig. Snikkend zag je paartjes op het Gare du Nord afscheid nemen, de Portugese gastarbeider die in Parijs achterbleef en het meisje dat terug moest naar haar dorp in de Alentejo.

Wel had je in de jaren tachtig nog de gulden en de elektrische schrijfmachine, bewijzen dat buiten de computerwereld ook dingen verouderen.

De computer fascineerde me, maar je kon er niet bij. Vrienden hadden er op hun werk mee te maken, met die knipperende tankgevaarten die geweldige dingen konden. Schaken en zelfs systeemkaartjes bijhouden.

Begin jaren tachtig probeerden ze voor het eerst iets computerachtigs voor de thuiszitters te introduceren. Ik zie me nog klooien met de Commodore en de ZX Spectrum van Sinclair. Het erotische rubber van de toetsen. De eerste zwemmerige kleuren. Basic, het nieuwe Esperanto. Met open mond bleef je in de weer om het ding steeds opnieuw bijna niets te laten uitvoeren.

Nu ja, een potje tennissen.

Bij Vroom & Dreesmann ging je kijken naar het nieuwste model. Als de verkoper uit de buurt was streek je even met je hand over het toetsenbord. Oei, dat voelde lekker aan.

’t Leek eerst niet zeker of het wel zou lukken, dat populariseren van de computer. ’t Bleef een warenhuisproduct. Alleen halvegaren liepen er warm voor. En ik was er daar eentje van.

In het warenhuis werd ik heen en weer geslingerd tussen hebzucht, vermengd met een hevig avant-gardegevoel, en het besef: wat moet ik ermee? Een balletje slaan, klok kijken, worteltrekken, een mannetje neerschieten, dat kon je ook elders.

Ik was niet geïnteresseerd in tennissen, ik wilde tekst. Ik wilde schuiven met letters.

Er doken nieuwe modelletjes op die zinnen op het scherm produceerden. Op je televisiescherm dan. En van schuiven was nog geen sprake.

In de week voor mijn verhuizing besloot ik de best beschikbare computer te kopen. State of the art. Ik vertrok tenslotte naar het meest geïsoleerde deel van Europa en ik wilde voorgoed ondergronds. Het nieuwste en het beste, dat zou het langst meegaan.

Ik kocht bij een specialist, iemand die het had aangedurfd in de buurt van de Admiraal de Ruyterweg een heuse computershop te beginnen, een opklapbare Epson PX-8. Een verdomd vroeg voorlopertje van de laptop, als je het goed bekijkt. ’t Ding had een lcd-scherm, zo groot als een brievenbus. Je kon je werk opslaan op een mini-cassettebandje. Het werkgeheugen was 64 KB. De verkoper vertelde me dat dit overeenkwam met net zoveel tekst als er op twaalf A-viertjes kon! Er klonk trots in zijn stem. Je kon, o wonder, woorden cursiveren en dan zag je ze ook cursief. Een kwartier hobbelde het cassettebandje voort als je zover was dat je een alinea kon opslaan.

Het ding kostte, omgerekend, vijf-en-een-half duizend euro.

In Portugal stond het te glimmen in de pronkkamer. Ik was op de maan geland en in mijn middeleeuwse entourage stond daar een hightech mirakel.

Twaalf A-viertjes in een juwelendoos.

Het was de eerste computer in het dorp. Dagenlang trok een stoet van dorpelingen voorbij, pet in de hand. Vrouwen sloegen een kruisje als ze dicht bij het ding kwamen.

In hetzelfde jaar werd de generatie geboren die zou opgroeien met computers.’
U moet beslist ook de reacties lezen, vooral de eerste en de laatste. Goed, genoeg Gerrit Komrij. De volgende in de rij is Jelle van der Meulen met een tekst van vorige week vrijdag 15 april, ‘Behinderung als Schicksal (4). Über: einfach herum brüllen“:
‘Er setzt sich entschieden neben mir auf. “Sie haben einen guten Vortrag gehalten”, schickt er direkt vorweg. Dann schweigt er. Mir ist klar, dass er keine unnötigen Missverständnisse wecken und mir nicht zu nahe treten will. Von der Seite her schaut er mich verstohlen an. Und ich denke: Er will mir etwas sagen, ist sich allerdings nicht sicher, ob ich bereit oder reif bin, mir seine Sicht auf die Sache anzuhören.

Er ist groß und lang. Auch im Sitzen ragt er weit über mich hinaus. Seine langen Arme liegen auf seinen langen Beinen, die eigentlich nicht fürs Sitzen gemeint sind. Auch wenn er sitzt, scheint er zu stehen und zu gehen, und auch wenn er schweigt, scheint er zu sprechen. Seine Augen schicken einen brennend-fragenden Blick in die Welt. Die von ihm getroffenen und betroffenen Dinge bewegen sich. Er bewegt mich. Und ich denke: “Er verhält sich wie ein Wikinger”.

“Wie heißt du?”, frage ich verunsichert. “Michael”, antwortet er. “Ich heiße Jelle”, sage ich. “Das weiß ich schon”, teilt er mir mit. Ich zünde mir eine Zigarette an und schweige. Dann sagt er stockend: “Das große Problem ist, dass die Menschen einfach herum brüllen. Sie brüllen einfach herum. Und sie verstehen nicht, dass das nicht geht, einfach herum zu brüllen.” Während seines Sprechens bewegt er seinen Körper kräftig nach vorne und wieder zurück, so, als ob er die Worte mit Kraft aus sich heraus schieben muss.

“Sie brüllen und brüllen und brüllen”, wiederholt er. Seine Worte scheinen mir wie Brocken trockenen Tons auf den Boden zu fallen. Er scheint auf diesen Brocken gehen zu wollen. “Was meinst du”, frage ich, “gibt es bei dir in der Gruppe Leute, die ständig brüllen?” Er bewegt sich einmal nach vorne, eine Art des bestätigenden Nickens, die ich noch nicht kannte. “Alle Menschen brüllen!”, meint er dann. Mit “alle” meint er offenbar “alle”, nicht nur ein paar Leute in seiner Gruppe.

“Die Menschen sollen nicht brüllen”, fährt er fort, “sie sollen zuhören, einfach die Klappe halten und zuhören. Anders wird es nichts. Anders kommt nichts Gutes dabei heraus. Herum gehen und brüllen, bringt gar nichts”. Mir scheint es, als ob Michael bald platzen wird, als ob die trockenen Brocken warnende Vorboten einer Explosion sind. Dann hebt er auf einmal seinen Kopf, steht energisch auf und verschwindet, ohne sich zu verabschieden. Aus irgendeinem Grund scheint er sein Vorhaben, keine Missverständnisse wecken zu wollen, nicht handhaben zu können.

Erst Stunden später, auf dem Bahnsteig in Fulda, während des Wartens auf den Zug nach Frankfurt, gelingt es mir, die Begegnung mit Michael zumindest halbwegs einzuordnen. Die Veranstaltung der letzten zwei Tage in der Gemeinschaft Altenschlirf liegt hinter mir; ich sehe die etwa vierhundert Leute noch vor mir: Menschen “mit Hilfebedarf”, ihre Eltern und Angehörigen, die Betreuer und Mitarbeiter der Einrichtung. Meine Aufgabe in Altenschlirf war es, die Beteiligten miteinander ins Gespräch zu bringen.

Deutlich wurde, dass das soziale Dreieck zwischen Behinderten, Eltern und (professionellen) Betreuern unter Spannung steht. Ganz große Fragen standen dabei im Raum. Die Eltern rangen mit ihren Gefühlen, die manchmal von Schuld und Sorge geprägt sind. Und auch wenn ihre behinderten Kinder schon längst erwachsen sind, können die Eltern sich verständlicherweise von der Sorge nicht immer frei machen. Wie eine Mutter mir in der Pause sagte: “Mich bedrängt, dass die Betreuer mir öfters sagen, dass meine Beziehung zu meinem Sohn symbiotisch sei. Ich fühle mich als Mutter manchmal nicht ernst genommen”.

Auch die Betreuer fühlen sich bedrängt. “Wir leben tagtäglich mit den Menschen mit Hilfebedarf”, sagte einer, “wir haben allerdings immer wieder das Empfinden, dass die Schatten der Eltern ständig präsent sind”. Zwischen Eltern und Betreuern ragt also ein Fragezeichen, das sich auf ein gegenseitiges Vertrauen bezieht. Die Tatsache der “Behinderung” führt offenbar zu schmerzvollen Erfahrungen, die im sozialen Miteinander nicht so einfach anzusprechen sind. Und gegenseitige Verletzungen liegen ständig auf der Lauer.

Und die sogenannten “Behinderten”? Sie sind manchmal sprachlos. Sie schweigen einfach, oder reden stockend vor sich hin, wie der Wikinger Michael. Er hat es mir allerdings klipp und klar gesagt: “Das große Problem ist, dass die Menschen einfach herum brüllen”. In gewissem Sinne hat er natürlich nicht Recht, denn keiner der vierhundert Menschen im Saal hat wirklich gebrüllt. Ein Brüllen war einfach nicht dabei.

Auf einer anderen Ebene stimmt es allerdings vielleicht doch, was er sagte. Innerlich haben wir alle ein bisschen gebrüllt, oder vielleicht nicht nur ein bisschen... Wir alle haben eine Not gespürt, die uns Schmerzen bereitet, und die uns wie verwundete Löwen innerlich brüllen lässt. In der Stille gab es vielleicht hier und da doch ein Brüllen – und was, wenn Michael gerade dort zu Hause ist: in der Stille unseres Brüllens?’
Bij Fred Tak ben ik ook al een tijdje niet meer langsgeweest (zie ‘Maanknoop’ op 21 oktober 2010), terwijl hij toch heel interessante dingen op zijn weblog weet te brengen. Vandaag nog met het gedicht ‘mes op tafel’:
‘wij zijn gewond
verbonden als tweeling
dezelfde vader
maar verschillende moeder

wij kennen onszelf
als derde of vierde naamval
werken we mee
maar durven verder
geen stoel nog aan te schuiven

met het mes op tafel
de vuisten gebald
snijden wij onszelf
van nog meer gewond

schieten we los
als kurk van een fles
met een grote boog
om de tastbare wereld heen’
Als sluitstuk een al iets oudere, maar bijzonder sterke en toepasselijke bijdrage van Frans Olofson (zie ook ‘Verrijzenis’ op 6 november 2009), namelijk van 8 april, ‘Als Pasen na Pinksteren valt...’:
‘Hoopvol gingen we erheen, naar de woonboulevard in Beverwijk. Maar eenmaal op de brede weg door het industriegebied, wisten we het: dit gaat niets opleveren. Geen nieuwe bank. Niet bij Sanders Meubelstad, niet bij Lederland of Piet Klerkx Woonexpress, noch bij Stoutenbeek Wooncentrum, of bij Gaaf Woonoutlet en Supermeubel.

Tegen beter weten in betreden we het eerste pand. Er klinkt muziek. BLØF:

Alles is liefde,
voor wie nog durft te dromen,
voor wie stilletjes verlangt,
voor hem, voor haar, voor mij...

Middenin de showroom, ingebouwd in de vloer, pronkt een forse vijver. Traagzwemmende, sierlijke koikarpers. Bijna zou je de collectie bankstellen vergeten. De verkopers, zo te zien twee studenten met een bijbaantje, ogen ongeïnteresseerd. Ze kijken liever naar het muziekfilmpje op hun iPad. Alleen als we weggaan, groeten ze. Zo, die zijn opgehuppeld, zie je ze denken.

Op naar het volgende pand. Nieuwe ronde, nieuwe kansen. Ook hier weer een hallucinerende collectie meubilair. In het doolhof van ruimtes, hoeken en nissen is geen mens te bekennen. Uit het systeemplafond lekt een zangstem die zich als een bloedzuiger aan me vastklampt... Glenn Miller:

Will this be moon love,
nothing but moon love?
Will you be gone when the dawn comes stealing through?

Opgejaagd door de melodie doorkruisen we in hoog tempo de zalen. Je loopt wat af op zo’n meubelboulevard, snel toch al een paar kilometer! Misschien is dat wel het concept: laat de klanten lopen tot ze niet meer kunnen. Observeer het moment waarop ze, murwgebeukt, capituleren. Bied dan de koffie aan, om het laatste verzet te breken. Teken vervolgens de contracten.

Daarom dit advies: blijf altijd in beweging op meubelboulevards. Ga nooit zitten!

Onderweg naar de volgende woonreus pruttelt Glenn Miller nog na. Waaraan doet die melodie me toch denken? Ik wrik wat aan de noten, waardoor een ander melodielijntje ontstaat... in een schok dringt het tot me door... een fragment uit de Achtste symfonie van Gustav Mahler! Om precies te zijn: uit het tweede deel waar de bariton pathetisch zingt:

Ewiger Wonnebrand,
glühendes Liebesband,
siedender Schmerz der Brust,
schäumende Gotteslust,
Pfeile, durchdringet mich,
Lanzen, bezwinget mich...

Zo zie je maar, het kan verkeren in het leven. Ineens zit ik weer in het Amsterdamse Concertgebouw, tijdens die gedenkwaardige uitvoering van de Achtste, alsof het weer 6 maart 2011 is. Wat een uitvoering! Jarenlang liep ik in een boog om dit monstruoos grote werk heen... nee, zo hoor ik mezelf nog verdedigen... die Achtste... teveel pathos, over de rand... een hysterisch, sentimenteel werk... al die krijsende stemmen! Maar ik liet me verleiden om te gaan luisteren.

Al weken van tevoren spookte de muziek door me heen. Keer op keer beluisterde ik de cd, wat alleen maar frustreerde, want dit werk, dat zich begeeft tussen maximaal hard en maximaal zacht, is eigenlijk niet te registreren. Onmogelijk is het de bijna vierhonderd musici vast te leggen op zo’n armetierig schijfje. En dan die tekst, waarvoor we in de eenentwintigste eeuw niet meer gebouwd lijken te zijn... in het eerste deel die pathetische Pinksterhymne, een oproep om de geest neer te laten dalen, in het tweede deel die woordenbrij uit Goethe’s Faust. Ik voelde me als een bergbeklimmer, nerveus voor de tocht. Ook in de toiletten, in dat kwartiertje voor het begin, voelde de sfeer lichtelijk gespannen aan. De handendrogers loeiden onrustig en de mannen wilden allemaal nog hun laatste druppels kwijt vóór de Grote Reis (zonder pauze).

Het podium was volledig gevuld, met het extra grote orkest, de drie gemengde koren, de twee jongenskoren, de drie sopranen, twee alten, tenor, bariton en bas... daar was Mariss Jansons, de dirigent. Met een enkel gebaar zette hij de inleidende dreun van het orgel in werking. De eerste klanklawine vulde de Grote Zaal, die ineens te klein leek. Het koor loeide: Veni Creator Spiritus... Kom Schepper, Heilige Geest. Meer kun je als mensheid, zonder elektronische versterking, niet bereiken.

Aan het begin van het tweede, laatste deel is de euforie over de neergedaalde geest voorbij. Stiller dan stil begint de muziek, die door de aarde lijkt te zakken, door een nulpunt heen, en te belanden in een moerassig schimmenrijk. Stap voor stap gaat het daarna weer omhoog tot aan die aangrijpende, de keel afsnoerende slotakkoorden, die echo’s van de eeuwigheid. Faust, de rusteloze zoeker, die zijn ziel aan de duivel verkocht, wordt opgenomen in iets wat op de hemel lijkt, bijgestaan door “het eeuwig-vrouwelijke”...

Alles Vergängliche
ist nur ein Gleichnis.
Das Unzulängliche,
hier wird’s Ereignis.
Das Unbeschreibliche,
hier ist’s getan.
Das Ewig-Weibliche
zieht uns hinan...

Dát is het magische van muziek. Ze klinkt in het moment en dooft uit, maar is dan niet voorbij. Juist na afloop begint die onvoorspelbare alchemie. Als ik terugdenk aan de uitvoering van die Achtste, dan is het niet het ongehoord extreme wat zich opdringt. Niet de decibellen. Niet de honderden uitvoerenden. Het is vooral de pauze tussen de twee delen, die me het meest is bijgebleven. Normaal wordt er dan gehoest, geschuifeld, kort gepraat, omdat de mensen willen uitademen. Maar nu was het stil, intens stil. Een bijna meditatief moment. Hoe krijgt Mahler dat voor elkaar? Ik gok op de volgende verklaring. In het jaarverloop valt Pinksteren na Pasen. Maar Mahler koos voor de omgekeerde volgorde, voor een bijna heidense omdraaiing. In het eerste deel laat hij de Geest neerdalen. Het is Pinksteren. Dan volgt, aan het begin van het tweede deel, dat stille, geheimzinnige fragment. Zacht pizzicato. Een minieme bekkenslag. IJle klanken van de blazers. Het Golgotha-moment van de symfonie. Muzikale Goede Vrijdag. Daarna laat Mahler je innerlijk meegaan met de geest van Faust, omhoog, richting verlossing. Het is Pasen. Eerst daalt de Heilige Geest neer om daarna op te stijgen, maar in een doorleefde, menselijke vorm. Een geniale vondst van die meester van de metamorfose.

En dat allemaal door Glenn Miller & Beverwijk.

De laatste meubeltoonzaal. Ook daar weer muziek. Ondefinieerbare klanken. Saxofoon en trompet op een bedje synthesizerklanken. Direct zetten we het tempo er weer goed in. Onderweg zonder ik me even af in een schemerige kamer, vol met voluptueuze bankstellen. Op één ervan zit een echtpaar. De sfeer is geïrriteerd, dat zie je zo. Ze kibbelen. De vrouw mekkert over de kleur van de bekleding. Ze wil zwart leer en niet bruin, want dat past beter bij de gordijnen. De man lijkt haar niet te horen en vouwt een zelfgetekende plattegrond van de huiskamer open: “Luister toch eens naar me... die bank past niet onder de vensterbank...” Hij zegt het zacht en voorzichtig, er hangt immers een escalatie in de lucht. Zijn vrouw zucht diep. Daarna zwijgen en staren ze lange minuten. Dan, ineens, uit het niets, staat de vrouw op en trekt hem uit de bank omhoog. Ze geeft hem een zoen en lacht: “Kom, we gaan... lekker naar huis!”

Zo zie je maar: ook op de woonboulevard voltrekt zich de Achtste van Mahler. Met de Geest voor ogen, dat Ideale Bankstel, gingen ze naar de woonboulevard. Daar wachtte een moeras, en ze zwegen. Maar de Geest kwam terug, gemetamorfoseerd. Ze kochten de bank niet en verlieten de Meubelreus, hand in hand.

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(Hilversum, 1960) – – Vanaf 2016 hoofdredacteur van ‘Motief, antroposofie in Nederland’, uitgave van de Antroposofische Vereniging in Nederland (redacteur 1999-2005 en 2014-2015) – – Vanaf 2016 redacteur van Antroposofie Magazine – – Vanaf 2007 redacteur van de Stichting Rudolf Steiner Vertalingen, die de Werken en voordrachten van Rudolf Steiner in het Nederlands uitgeeft – – 2012-2014 bestuurslid van de Antroposofische Vereniging in Nederland – – 2009-2013 redacteur van ‘De Digitale Verbreding’, het door de Nederlandse Vereniging van Antroposofische Zorgaanbieders (NVAZ) uitgegeven online tijdschrift – – 2010-2012 lid hoofdredactie van ‘Stroom’, het kwartaaltijdschrift van Antroposana, de landelijke patiëntenvereniging voor antroposofische gezondheidszorg – – 1995-2006 redacteur van het ‘Tijdschrift voor Antroposofische Geneeskunst’ – – 1989-2001 redacteur van ‘de Sampo’, het tijdschrift voor heilpedagogie en sociaaltherapie, uitgegeven door het Heilpedagogisch Verbond

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