Bedoeld is: antroposofie in de media. Maar ook: in de persbak van de wijngaard, met voeten getreden. Want antroposofie verwacht uitgewrongen te worden om tot haar werkelijke vrucht door te dringen. Deze weblog proeft de in de media verschijnende antroposofie op haar, veelal heerlijke, smaak, maar laat problemen en controverses niet onbesproken.

zondag 24 april 2011

Pasen

Deze Paaszondag gaan we weer aan de boekbesprekingen. Het aprilnummer van ‘Die Drei’ is op de website verschenen, en op bladzijde 82 beginnen de boekbesprekingen. De eerste gaat rechtstreeks over Pasen, en is van redacteur Stephan Stockmar zelf, onder de titel ‘Ostern kommt’:
‘Cordelia Böttcher: Ostern. Durch die Passion zur Auferstehung. Ein Arbeitsbuch. Mit Illustrationen von Andrea Schröder, Clavis Verlag, Frankfurt am Main 2011, 132 Seiten, 14,80 EUR.

Ein christliches Fest wie Ostern zu feiern, fällt heute oft schwer. Entweder verliert man sich in traditionelle Äußerlichkeiten. Oder man versucht, sich mit den Quellen, den Evangelien-Texten zu beschäftigen, spürt diesen gegenüber aber zunächst vor allem Hilflosigkeit: Ein Frühlingsfest mit so tragisch-ernstem Inhalt? Aber die Sehnsucht, einen Zugang zu dem Geschehen von Tod und Auferstehung zu finden, sitzt oft tief – aus der eigenen Lebenserfahrung heraus oder auch aus Anteilnahme an dem dramatischen Weltgeschehen. Dabei geht es nicht vor allem um Wissen, sondern um die Suche nach Möglichkeiten, sich in innerer Aktivität mit dem Tod als »Kunstgriff« der Natur, viel Leben zu haben (Goethe), zu beschäftigen.

Cordelia Böttcher zeigt in ihrem »Arbeitsbuch« einen tastenden Weg auf, wenn sie durch elementare Fragen zu Beobachtungen in der Natur und in der eigenen Seele anregt. Man kann mit ihr Schritte gehen, von der Frage nach dem Zusammenhang von Tod und Leben über die Beweglichkeit des Osterfestes bis hin zum Verstehen der Evangelien als »inspirierte Schriften« und dabei auch eigenständig weitere Fragen entwickeln. So gelangt man zu einer Art Selbstgespräch, das in einem »Tagebuch für die Karwoche und Ostern« seinen Niederschlag findet: Für jeden Tag dieser heiligen Woche findet man Ausschnitte aus dem Neuen Testament (insbesondere aus dem Evangelium nach Matthäus), deren Inhalte im Sinne einer Aufmerksamkeitslenkung bewegt werden, immer auch im Hinblick auf die eigene Lebenserfahrung. Dazu ein Gedicht oder einen Spruch zur Charakterisierung der Qualität des jeweiligen Tages.[1] Am Ende eines jeden Tages stehen zwei leere Seiten zur Verfügung, auf denen eigene Beobachtungen und Gedanken notiert werden können, die sich im Mitvollzug des dramatischen menschheitlichen Geschehens von Tag zu Tag ergeben.

So bekommt Ostern tatsächlich eine Zeitgestalt, die sich in das gegenwärtige Leben einfügt und ganz anders ist als die von Weihnachten: Die Entwicklung von Palmsonntag bis Ostersonntag wird wie eine Oktave erlebbar – als Urbild einer jeden Woche des Jahres. Während sich in den heiligen Nächten »zwischen den Jahren« die ewige Zwölfheit des Kosmos spiegelt – als urbildlicher Vorgriff auf das kommende Jahr (siehe Das Buch der 12 heiligen Nächte derselben Autorin, erschienen 2001, ebenfalls im Clavis Verlag).

Den Schluss des kleinen Buches bildet ein kurzer Ausblick bis Himmelfahrt: Ostern geht weiter, »lebt sich erst nach und nach in das Leben von Erde und Mensch ein«.

Der geschriebene und – nun vom Leser – noch zu schreibende Text des Arbeitsbuches wird von vignettenartigen Zeichnungen von Andrea Schröder begleitet, die auch die Titelillustration geschaffen hat: Kleine Skizzen, die durch die verschiedenen Formgesten, mit denen Dunkelheit und Licht zu einander ins Verhältnis gesetzt werden, etwas von der Qualität des jeweiligen Tages zum Ausdruck bringen. Dabei hätten die Abbildungen ruhig etwas größer sein können. Die farbige Titelskizze, die das ganze Passions- und Ostergeschehen wie in die Lebenssphäre der Erde eingehen lässt, wird durch die vielen verschiedenen und zum Teil zu groß geratenen Schriftelemente leider arg eingeengt.

Stephan Stockmar

1. Das zum Karmittwoch gestellte sogenannte Friedensgebet des Franz von Assisi entstammt sicherlich franziskanischem Geist, ist aber nachweislich eine Schöpfung des frühen 20. Jahrhunderts; vgl. Lothar Hardick, Engelbert Graue: Die Schriften des heiligen Franziskus von Assisi, Kevelaer 2001, S. 44f.’
Voor de tweede bespreking ga ik eerst bij de uitgever langs, en hoe die dit boek ‘Wie weiter mit der biologisch-dynamischen Forschung?’ aanprijst:
‘Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist «besonders», insofern ihrem Konzept das System «Mensch», bzw. das Individualitätsprinzip zugrunde liegt. Sie bleibt immer im Lebendigen. – Wie kann man aber das Lebendige erforschen? Müssen wir uns zukünftig möglicherweise mehr an der Sozialwissenschaftlichen oder der Medizinischen Forschung als an der Naturwissenschaftlichen Forschung orientieren? Wie und wo soll biologisch-dynamische Forschung geleistet werden – im Labor oder im Betrieb, vom Agrarforscher und/oder dem Landwirt? Die vorliegende Schrift will dazu Denkanstöße vermitteln.’
Bijzonder is dat deze bespreking afkomstig is van de ons zeer welbekende Barbara; dus met extra aandacht lezen we wat zij hierover te vertellen heeft. De titel stelt niet erg gerust, ‘Wasser auf die Mühlen der Gegner’:
‘Nikolai Fuchs: Wie weiter mit der biologisch-dynamischen Forschung? Verlag am Goetheanum, Dornach 2010, 112 Seiten, 12 EUR.

Das Buch ist ein kleines, handliches Quartheftchen und umfasst insgesamt 112 Seiten. Es enthält Anmerkungen und eine Bibliographie. Der Inhalt ist im Wesentlichen in zwei große Abschnitte gegliedert, von denen der erste sich mit dem Stand der biologisch-dynamischen Forschung am Beispiel der Präparateforschung beschäftigt, während der zweite Teil Anregungen für eine zukünftige Forschungsmethodik enthält.

Nikolai Fuchs’ Zielsetzung ist es, Anregungen zu einer Diskussion zur biologisch-dynamischen Forschungsmethodik zu geben. In seinem Epilog gesteht er, dass es sicherlich günstiger gewesen wäre, wenn er die Überlegungen vor ihrer Veröffentlichung mit einem größeren Kollegenkreis diskutiert hätte. Dieser Aussage kann man wohl ohne Abstriche zustimmen.

Der Inhalt des Büchleins kann auf zwei Kernbereiche reduziert werden: Im ersten Teil kommt der Autor zu der Auffassung, dass die Wirksamkeit der biologisch-dynamischen Präparate bisher naturwissenschaftlich nicht erwiesen sei. Im zweiten Teil empfiehlt er ein von ihm – mit anderen im Rahmen der Arbeit in der landwirtschaftlichen Sektion am Goetheanum in Dornach – entwickeltes Verfahren, die sogenannte »in-farm-research«, welche die Landwirte als Forscher einbeziehen soll.

Das Büchlein krankt inhaltlich zum einen daran, dass der Autor sich ganz offenbar nicht mit naturwissenschaftlicher Methodik auseinandergesetzt hat, da sich diese für ihn bezüglich der Landwirtschaft in Parzellenversuchen erschöpft und die Akzeptanz von Ergebnissen durch die Naturwissenschaft nur durch Veröffentlichung in den referierten Zeitschriften gegeben sein soll. Zum anderen zieht er als Anhaltspunkte für biologisch-dynamische Forschungsmethodik nur Aussagen Rudolf Steiners aus der Vortragsreihe des Landwirtschaftlichen Kurses (GA 327) heran. Alle Anregungen Steiners zu naturwissenschaftlicher Forschung (GA 20-323) bleiben unberücksichtigt – genauso wie dessen detaillierte Beschreibung der Forschungsmethodik Goethes (GA 2), die mindestens dem Kapitel »Goetheanismus und Agrarwissenschaft« etwas methodische Substanz hätte verleihen können.

Man könnte sich inhaltlich noch an vielen Ungenauigkeiten und Einzelheiten des Büchleins aufhalten. Es ist Wasser auf die Mühlen der Gegner des Biologisch-Dynamischen und dürfte, sollte es dort entdeckt werden, sicher gerne als Zitatensteinbruch verwendet werden. In meinen Augen hat Nikolai Fuchs der ganzen Bewegung mitsamt den seit Jahrzehnten in der entsprechenden Forschung engagierten Menschen einen Bärendienst erwiesen. Ein Abschiedsgeschenk des ausgeschiedenen Sektionsleiters?

Barbara Elers’
Die kritiek is dus niet mals. Dat Nikolai Fuchs vertrok als leider van de landbouwsectie, was al bekend geworden in ‘Tongue-in-cheek’ op 9 december 2010. – Voor de derde en laatste boekbespreking maak ik eerst een afsteker naar deze twee boeken van Michael Ende, om te beginnen ‘Jim Knoop en Lucas de machinist’:
‘Jim Knoop is een jongen die op het eiland Lommerland woont. Lommerland is maar heel klein en bestaat eigenlijk bijna helemaal uit een grote berg met twee toppen, een hele hoge en één die iets kleiner is. Rondom de berg zijn wegen met bruggen en viaducten. Bovendien is er ook nog een spoorbaan vol bochten en een klein spoorwegstation. Daar woont Lucas de machinist met zijn locomotief die Emma heet en die ook kan varen als een schip. Jim Knoop en Lucas de machinist zijn dikke vrienden en samen beleven ze allerlei avonturen. Ze ontmoeten een schijn-reus, die in de woestijn “Het einde van de wereld” woont, en de halfdraak Nepomoek, die niet netjes aan tafel kan zitten. Samen bevrijden ze de dochter van de keizer van Mandela en alle andere kinderen die gevangen zitten in de “Stad van de 1000 draken”.
1e druk, gebonden, 240 blz. € 14,90 ISBN: 9789062388295 Kinder- en jeugdboeken’
‘Na hun eerste grote reis vol avonturen vinden Jim Knoop en zijn grote vriend Lucas de machinist het op het eiland Lommerland wel een beetje erg stil en ze zoeken – en vinden – al spoedig een reden om opnieuw met Emma, de oude, trouwe locomotief op reis te gaan. Ze varen de wijde oceaan weer op en al spoedig blijkt, dat hen geen zee te diep, geen berg te hoog en geen avontuur gevaarlijk genoeg kan zijn. Door het ontdekken van een groot geheim slagen zij er in Emma om te bouwen tot een Perpetumobiel, waardoor ze zelfs leert vliegen! Behalve tal van oude bekenden, zoals meneer Toer Toer, de schijnreus, de halfdraak Nepomoek, het pietepeuterige Mandaleesje Ping Pong, het lieve prinsesje Li Si en natuurlijk de aardige bewoners van Lommerland, ontmoet het dappere tweetal veel andere mensen en vreemde wezens. Na een bonte reeks van avonturen vertelt de “Gouden draak van de Wijsheid” hoe ze erin kunnen slagen de “Wilde 13”, de niets ontziende zeerovers, te verslaan en tevens wordt het geheim van de afkomst van Jim Knoop onthuld. Een heerlijk voorleesboek voor kinderen vanaf 8 jaar of voor oudere kinderen – en volwassenen! – om zelf te lezen.
1e druk, gebonden, 263 blz. € 14,90 ISBN: 9789062388363 Kinder- en jeugdboeken’
Na deze introductie kunnen overschakelen naar de bespreking door Philip Kov’ce in ‘Die Drei’ onder de titel ‘Endes Jemmy Button’:
‘Julia Voss: Darwins Jim Knopf, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2009, 183 Seiten, 17,95 EUR.

Julia Voss, Leiterin des Kunstressorts der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat mit Darwins Jim Knopf ein erstaunliches Buch vorgelegt. Erstaunlich vor allem deshalb, weil es auf weniger als 200 Seiten Themen miteinander in luzide Beziehung bringt, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben: Charles Darwins Reiseberichte, Michael Endes Kinderbücher, die schulische Erziehung im Nationalsozialismus und die Moralphilosophie Rudolf Steiners.[1]

Während ihres Dissertationsprojekts über die Bedeutung der Bilder und Illustrationen für die Entwicklung der Evolutionstheorie[2] stieß Voss in Darwins Reiseberichten von seiner Fahrt mit dem Forschungsschiff HMS Beagle auf die Schilderung einer ungewöhnlichen Situation: An Bord führte man während der Rückfahrt nach England einen farbigen Jungen mit, den man aus strategischem Kalkül zuerst mitgenommen und dann vor der Rückfahrt abzusetzen vergessen hatte. Der Junge trug, so verraten es Darwins Notizen, einen Namen, »der seinen Kaufpreis beinhaltete«: Jemmy Button. Da die Geschichte dieses Kindes, das aufgrund eines Knopfes unfreiwillig nach England reisen musste, später mehrfach literarisch verarbeitet wurde, bemerkte Voss beim Lesen eines der entsprechenden Buchtitel plötzlich die frappierende Ähnlichkeit dieses Namens mit »dem Held eines meiner liebsten Kinderbücher«: Jim Knopf.

Diese Beobachtung nahm Voss zum Anlass, sich nochmals intensiver mit den beiden Kinderbüchern Jim Knopf und Lukas der Lockemotivführer, Jim Knopf und die Wilde 13 sowie mit der Biographie des Autors Michael Ende auseinanderzusetzen – und bei diesem laufen die zuerst beziehungslos erscheinenden Themenfäden zusammen. Denn auch wenn Voss’ Arbeitshypothese lautet, dass Ende »eine Parodie auf Charles Darwins Fahrt der Beagle geschrieben haben könnte«, geht es in ihrem Buch nicht darum, Ende Plagiatsvorwürfe zu machen, sondern vielmehr um das Sichten der Bezüge zu Darwin, zum Nationalsozialismus und auch zu Rudolf Steiner, die von Endes Schreiben vielfach ausgehen. Die vermeintliche Kindergeschichte von Jim Knopf und Lukas dem Lokemotivführer, für die Ende 1961 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis prämiert wurde, erweist sich – und das aufzuzeigen ist originäres Verdienst von Voss – bei näherem Hinsehen nämlich nicht als bloß phantastisches Produkt; gespickt mit historischen Details lässt sie sich vielmehr als Parabel lesen, die nicht nur der poetischen, sondern ebenso der historischen Vernunft Rechenschaft gibt.

Zuerst fällt auf, dass die Heimat von Lukas dem Lockemotivführer, die Insel Lummerland, verschiedenste Anspielungen auf die Situation des frühindustrialisierten Englands birgt. Auf Lummerland gibt es eine Eisenbahnstrecke, die von der Dampflok Emma befahren wird, einen Kaufmannsladen, deren Besitzerin Frau Waas ihre Waren wöchentlich aus der ganzen Welt angeliefert bekommt, ein Postschiff, das regelmäßig verkehrt und regiert wird die Insel von einem schottisch-karierte Pantoffeln tragenden König: Alfons dem Viertel-vor-Zwölften. Dass es der Engländer George Stephenson war, der 1825 die Pionierstrecke der Stockton & Darlington Railway Company in Betrieb nahm, dass Woche für Woche Waren aus den Kolonialgebieten angeliefert wurden, dass die Engländer 1841 die Royal Mail Steam Packet Company gründeten und einen Postschiff-Liniendienst von London nach Westindien unterhielten, dass es im frühen Industriezeitalter schließlich King William IV. war, der herrschte – all das war Ende keineswegs unbekannt und lässt die Umgebung bewusst sehr ähnlich erscheinen, in die sowohl Jemmy Button als auch Jim Knopf versehentlich geraten: Button nach England, Knopf nach Lummerland.

Eigentlich sollte Jim Knopf, der im Paket auf Lummerland eintrifft, in das furchterregende Kindererziehungsheim nach Kummerland geschickt werden, in die Drachenschule von Frau Mahlzahn, der er nur durch eine Adressverwechselung beim Anfangsbuchstaben entkommt. Eingangs der Drachenstadt ist ein Schild angebracht, auf dem in großen Lettern zu lesen ist: »Achtung! Der Eintritt ist nicht reinrassigen Drachen bei Todesstrafe verboten.« Dieses Schild sehen Jim, Lukas und Emma, nachdem sie sich auf den Weg gemacht haben, um alle Kinder aus dem Drill Frau Mahlzahns zu befreien. So beginnt ein zweiter Strang in Endes Erzählung: Keine fünfzehn Jahre nach dem Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft tauchen in einem als Kinderbuch gefeierten Werk Begriffe wie Schande, Todesstrafe oder Rassenreinheit auf; die Szenerie für dieses Vokabular ist ein in einen qualmenden Ofen einfahrender Zug – die Dampflok Emma, die, als Drache verkleidet, das Tor zur Drachenstadt passiert...

Noch offensichtlicher als die Bezüge zum frühindustrialisierten England sind diese Bezüge Endes zur eigenen Kindheit. Das, was Darwin als Evolutionstheorie formuliert hatte, die von Zufall, Variation, Selektion und Wandel handelt, hatte im Dritten Reich die Gestalt einer Ideologie angenommen, die Zucht, Herrschaft und Hierarchie in Kinderköpfe einpflanzte. Doch nicht nur das Umcodieren der Evolutionstheorie, auch die Umdeutung etwa der Siegfried- und Atlantis-Mythen zu biologistischen Ursprungserzählungen der arischen Rasse erlebte Ende hautnah im Klassenzimmer – und setzte alledem ein Denkmal, indem er es in seine Geschichte aufnahm, jedoch ganz anders enden lassend.

Ein eigenes Kapitel ist schließlich der Beziehung Endes zu Steiner gewidmet. Ende zählte das zwölfte Kapitel aus Steiners Philosophie der Freiheit zu den für ihn prägendsten Texten. Dieses Kapitel zur moralischen Phantasie wies Endes Ansicht nach den Weg aus einer Sackgasse des Darwinismus, denn Steiner zeige, dass mittels historischen Blicks man zwar jede Evolutionsstufe zurückverfolgen, niemals jedoch von einem bestimmten Punkt aus eine kommende Stufe prognostizieren könne – da das die je vorhandenen Freiheitsgrade missachte. Ende sah in Steiners – laut Voss – »Philosophie des Unvorhersehbaren«, in seinem »Entwurf einer freien Moral« das radikale Gegengewicht zu einem mit lauter Notwendigkeiten operierenden Natur- und Kulturdenken.

Dass Ende und Steiner letztlich mit ihren Ansichten weit näher auch bei Darwin waren als so mancher überzeugter Darwinist, deutet Voss nur kurz an.[3] Dass freie Moral keineswegs soziale Unverbindlichkeit meint, sondern eine moralische Kompetenzen situativer Art einfordert, wird beim abschließenden Betrachten der Schreibmotivation Endes deutlich: »Ende begann zu schreiben«, resümiert Voss, »in einer Zeit, als Rationalität und Mythologie gleichermaßen diskreditiert waren. Er hatte durch den Nationalsozialismus die Erfahrung gemacht, dass es eine Rationalität gibt, die zum Totalitarismus führt; dass es ebenso auch eine Mythologisierung der Wirklichkeit gibt, die gleichermaßen totalitär war. Während einige Philosophen und Schriftsteller nach 1945 eine Aufklärung nach der Aufklärung suchten, einen Weg also, die Vernunft zu retten, beschritt Ende einen anderen Weg. Er suchte den Mythos nach dem Mythos. Was er sich von der Kunst erhoffte, war die Möglichkeit, einen Gegenmythos zu schaffen. Mit den Mitteln der epischen Erzählung sollte eine Wertewelt aufgebaut werden, in der nicht Unveränderlichkeit und der Sieg des Stärkeren besungen wird, sondern Wandlung und die Fähigkeit zur Freundschaft. Im Zentrum stand nicht das Schicksal, sondern die Freiheit.«

Mit dieser feinen Charakteristik des künstlerischen Anliegens Michael Endes beschließt Voss eine Studie, die nicht nur brillant geschrieben ist und durch ihre klugen Entdeckungen Freude bereitet, sondern eine solche, die sich stets liebevoll und mit Interesse ihrem Gegenstand zuwendet, der dadurch zu einem wirklichen Gegenüber wird – sodass man sagen kann, dass hier dem Verstehen gedient und nicht bloß eine detektivische Neugierde befriedigt wird.

Philip Kov’ce

1. Vgl. Julia Voss: Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Dezember 2008.
2. Vgl. dies.: Darwins Bilder. Ansichten der Evolutionstheorie 1837-1874, Frankfurt am Main 2007.
3. Vgl. dies.: Die Steiner-Maschine. Wie der Versuch, die Naturwissenschaft zu reformieren, zu einer neuen Geisteswissenschaft führte, in: Markus Brüderlin, Ulrike Groos (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Kunst der Gegenwart, Köln 2010, S. 40-47.

2 opmerkingen:

barbara2 zei

das ich mich zu ostern mit dem verriss hier wiederfinde, hätte ich nicht gedacht;-)
genauso wenig wie das stephan tatsächlich ganze beiträge aus dem heft als pdf frei zur verfügung stellt und zwar die interessanteren. warum soll dann noch wer das heft abonnieren?

ed taylor zei

dag Michel,
drie jaar heb ik bij boer Wolterbeek in zijn biologisch-dynamisch tuinbouwbedrijf mogen werken (begin jaren zeventig). Ook ik was toentertijd bepaald niet snel te overtuigen van de werkzaamheid van de verschillende preparaten (noch van de zaaikalender: maar daar wilde ik het nu niet over hebben). En natuurlijk wilde ik graag een (natuurwetenschappelijk) bewijs zien, dat de preparaten echt wat zouden 'doen'.
Hans Wolterbeek was niet een man van uitleggen. Hij was meer een man van 'laten zien'. En zo hebben wij op zekere dag tegelijkertijd twee komposthopen opgezet. Echt op identieke wijze. Aan de ene kompposthoop voegden wij de preparaten toe, aan de andere niet. Zo'n tien weken later hebben wij de komposthopen omgezet. Het was buitengewoon verrassend te zien, hoe zeer het verteringsproces in de geprepareerde hooop al een heel eind verder was dan in de andere hoop.
Wetenschappelijk bewijs? Nee natuurlijk niet. Maar voor mij was het proefondervindelijk wel duidelijk, dat er kennelijk verschil was tussen geprepareerde hopen en ongeprepareerde.
Misschien moeten een heleboel mensen deze proef eens herhalen en hun bevindingen naar deze blog sturen? Het is nu bovendien een mooie tijd om hopen op te zetten, die je dan in het najaar kunt gebruiken in je tuin. Dus baat het niet (voor het 'proefondervindelijk bewijs') dan schaadt het zeker niet, want je kunt je eigen kompost mooi in je tuin gebruiken. En aan preparaten kom je gemakkelijk: mail maar naar de BD-preparatenwerkgroep en ze sturen je ze zo toe.
Hartelijke groet,
Ed

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(Hilversum, 1960) – – Vanaf 2016 hoofdredacteur van ‘Motief, antroposofie in Nederland’, uitgave van de Antroposofische Vereniging in Nederland (redacteur 1999-2005 en 2014-2015) – – Vanaf 2016 redacteur van Antroposofie Magazine – – Vanaf 2007 redacteur van de Stichting Rudolf Steiner Vertalingen, die de Werken en voordrachten van Rudolf Steiner in het Nederlands uitgeeft – – 2012-2014 bestuurslid van de Antroposofische Vereniging in Nederland – – 2009-2013 redacteur van ‘De Digitale Verbreding’, het door de Nederlandse Vereniging van Antroposofische Zorgaanbieders (NVAZ) uitgegeven online tijdschrift – – 2010-2012 lid hoofdredactie van ‘Stroom’, het kwartaaltijdschrift van Antroposana, de landelijke patiëntenvereniging voor antroposofische gezondheidszorg – – 1995-2006 redacteur van het ‘Tijdschrift voor Antroposofische Geneeskunst’ – – 1989-2001 redacteur van ‘de Sampo’, het tijdschrift voor heilpedagogie en sociaaltherapie, uitgegeven door het Heilpedagogisch Verbond

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