Bedoeld is: antroposofie in de media. Maar ook: in de persbak van de wijngaard, met voeten getreden. Want antroposofie verwacht uitgewrongen te worden om tot haar werkelijke vrucht door te dringen. Deze weblog proeft de in de media verschijnende antroposofie op haar, veelal heerlijke, smaak, maar laat problemen en controverses niet onbesproken.

vrijdag 11 maart 2011

Historicus


Het is de Sainte-Chapelle die u daar ziet oprijzen; ik zeg het nog maar een keer. Parijs, op zaterdagochtend 18 september 2010.

Daar is-ie weer, architectenbureau Onix. Dat was 14 december 2010 voor het laatst, in ‘Metabool’. Het bericht is nu ‘Genomineerden BNA gebouw van het jaar Regio Noord’:
‘De Noord-Nederlandse voorronde van de architectuurprijs BNA Gebouw van het Jaar 2011 heeft twee nominaties opgeleverd: De Intense Stad van Architectenbureau Marlies Rohmer en de Michaëlschool van Onix zijn genomineerd voor de architectuurprijs BNA Gebouw van het Jaar 2011.

De intense Stad door Architectenbureau Marlies Rohmer is een reeks van locaties die de binnenstad van Groningen moeten verdichten en programmatisch verrijken.  Zo staat de “parochiale ruimte”, een semi-publieke ruimte binnen het bouwblok centraal in het ontwerp en is er “een warmtewisselaar tussen bewoners en omwonenden”. Typerend voor de locatie zijn het naastgelegen monumentale trafostation en de royale openbare ruimte met het Ooster Hamrikkanaal.

De Michaëlschool door Onix is een compact gebouw met een organiserend midden: het hart. Voor de plattegronden van de vrije school hebben het pentagram en de kavelgrenzen als basis gediend. De pentagram is gebaseerd op een symbool uit het vrije onderwijs.

Prijsuitreiking

De jury maakt op donderdag 31 maart de regionale winnaar bekend tijdens een prijsuitreiking in de Noordelijke Hogeschool Leeuwarden. Beide genomineerde projecten dingen, samen met nominaties uit vier andere regio’s, mee naar de landelijke hoofdprijs BNA Gebouw van het Jaar 2011, die op 28 april in Amsterdam wordt uitgereikt. Alle ingezonden projecten zijn hier te zien.’
Vooral op de link naar dit bericht klikken, want dan krijg je de mooiste plaatjes te zien. Ander onderwerp; in verband met 150 jaar Steiner. Maandag 28 februari betreurde ik in ‘Aankomst’ nog:
‘Helaas kan ik niet bij de door Hester Anschütz vanochtend 28 februari 2011 08:03 genoemde nieuwe bijdragen komen:
“de Süddeutsche Zeitung had dit weekend een tekening van Steiner op de voorpagina, met verwijzing naar twee volle pagina’s in het Feuilleton, die volledig aan zijn werk en persoon gewijd waren!”’
Dat probleem is inmiddels opgelost. Een week geleden, op zaterdag 5 maart in ‘Beschermheerschap’, had ik datzelfde onderwerp van 150 jaar Steiner:
‘Ik kan hierop aansluitend nog een keer melding maken van de constant bijgewerkte en geactualiseerde internetpagina “Pressespiegel zum Jubiläumsjahr – Online Video-, Hörfunk- und aktuelle Textbeiträge – letzte Aktualisierung: 04. März”.
Die pagina is inmiddels tot en met 5 maart bijgewerkt. En wat staat er nu op? Inderdaad, onder ‘Textbeiträge (eine Auslese):’
Het is een heleboel, maar wel boeiend wat deze kwaliteitskrant naar voren weet te brengen. Enerzijds instemmend, anderzijds tegenstemmend. Dat willen we graag weten, dus neem ik alles zonder scrupules over. Ik heb het voor u uitgeschreven, dat leest wat makkelijker. De voorpagina meldt:
‘Rudolf Steiner – das bunte Genie
Er wurde als Sohn eines Bahnwärters in der Provinz geboren, doch seine Ideen sind allgegenwärtig. Seine Pädagogik lebt in den Waldorfschulen fort, zudem schuf er die Basis für ökologische Landwirtschaft und Alternativmedizin. Diesen Sonntag wäre Rudolf Steiner 150 Jahre alt geworden. Feuilleton, Seiten 14 und 15’
Op die pagina’s aangekomen, zien we daar een Steinerportret en een bordtekening. Eronder staat:
‘Am 27. Februar 1861 in Kraljevec im Grenzgebiet zwischen Österreich, Ungarn und Kroatien geboren, 1926 in Dornach gestorben, schuf Rudolf Steiner nicht nur eine esoterische Lehre, sondern auch eine Reformpädagogik. Mehr als zweihundert Waldorfschulen gibt es in Deutschland, fast tausend auf der ganzen Welt. Sie alle lehren Spiritualismus und Ganzheitlichkeit (Abb.: Rudolf Steiner Archiv, Dornach).’
Het eerste artikel is getiteld ‘Das bunte Genie’. De auteur is Thomas Steinfeld. Hij geeft een algemene beschouwing over esoterie en wetenschap en de plaats van Steiner en zijn antroposofie:
‘Lange Zeit ein eher haltloser Intellektueller, geprägt von den Moden seiner Zeit, verwandelte sich Rudolf Steiner nach seiner Begegnung mit der Theosophie in einen der einflussreichsten Lehrer des 20. Jahrhunderts. Doch was ist das eigentlich für eine Lehre, die er schuf? Und wie verhält sie sich zur praktischen Vernunft und zu den Naturwissenschaften? Eine kritische Einführung aus Anlass des 150. Geburtstags des Esoterikers.

Wenn es um Okkultes geht, trifft man schnell auf ein populäres Vorurteil: Beim Okkulten gehe es um eine Flucht; im Verlangen nach Übersinnlichem artikuliere sich der Wunsch, den Rationalismus und die Entfremdung der modernen Welt hinter sich zu lassen, etwas Anderes, Größeres, Höheres zu finden, das all die Erfüllung und die Harmonie bietet, die das gewöhnliche Dasein verweigert. Vor allem das späte neunzehnte und frühe zwanzigste Jahrhundert, die Zeit, in der so viele apokryphe Glaubenslehren entstehen, von den Zeugen Jehovas über Aleister Crowleys Satanismus und G. I. Gurdjeffs “Lehre vom harmonischen Menschen” bis hin zur Carl Gustav Jungs “Energiekomplexen”, erscheint wie eine Periode unablässiger Bemühungen, das Menschliche undGeistige vor den Ansprüchen einer zunehmend naturwissenschaftlich und ökonomisch bestimmten Welt in Sicherheit zu bringen.

Tatsächlich ist auch das Gegenteil der Fall, was sich leicht erkennen lässt, wenn man die Geschichte okkulter Strömungen im neunzehnten Jahrhundert bedenkt: Die Klopfgeister, die nach etwa 1848 Nordamerika und ganz Europa beschäftigten, traten im selben Augenblick auf, in dem das naturwissenschaftliche Experiment zu einer Darbietung für das große Publikum wurde – und im selben Jahr, als die kommerzielle Nutzung des Überland-Telegraphen und des Morse-Alphabets begann. Die Geschichte der Entdeckung des Elektromagnetismus, der frühen Fotografie, die Entwicklung der Röntgentechnik und des Rundfunks werden begleitet von okkulten Experimenten. Und das liegt nicht daran, dass man Wissenschaftliches für unwissenschaftliche Zwecke benutzen wollte, sondern es geht auf den Umstand zurück, dass Radiowellen einiges mitGeistern gemeinsam zu haben schienen: Beide waren mitmenschlichen Sinnen nicht wahrzunehmen. Bei beiden wusste man nicht, worin sie bestanden oder wie sie in die Welt gekommen waren. Und beidem rückte man mit streng positivistisch angelegten Experimenten zu Leibe. Tatsächlich währte die enge Verbindung vor allem zwischen der Physik und der Gespensterkunde bis in die vierziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts.

Seltsame Orte gebe es, merkwürdige Regionen des Geistes, hoch und ärmlich, befand Thomas Mann. “An den Peripherien der Großstädte, dort, wo die Laternen spärlicher werden und die Gendarmen zu zweien gehen, muss man in den Häusern emporsteigen, bis es nicht mehr weiter geht, bis in schräge Dachkammern.” Dort, berichtet der Schriftsteller in seiner Erzählung “Beim Propheten”, lebten “junge, bleiche Genies, Verbrecher des Traums”. Seit langem ist bekannt, dass dieser kleinen Geschichte ein Erlebnis Thomas Manns im Jahr 1904 zugrunde liegt: Hinter der Gestalt des “Daniel” verbirgt sich der katholische Schwärmer Ludwig Derleth. Zu jener Zeit indessen gab es viele solche Glaubensstifter, und die meisten, wenn nicht alle von ihnen betrieben den Okkultismus auf der Höhe des wissenschaftlichen Fortschritts, als nach viele Seiten hin offene, wenngleich im Ziel sehr bestimmte Auseinandersetzung mit dem physikalischen, chemischen, historischen Wissen ihrer Gegenwart.

Im selben Jahr 1904 wurde Rudolf Steiner, Naturwissenschaftler ohne Abschluss, Autor einer reichlich windigen philosophischen Rostocker Dissertation, von der britischen Okkultistin Annie Besant, der Verwalterin des theosophischen Erbes der Madame Blavatsky, zum “Erzwärter” der Esoterischen Schule ernannt. Er, ein zwar nicht mehr junges, aber sehr bleiches Genie in ärmlichen Verhältnissen sollte die deutschen Anhänger dieser Lehre einen, die deutsche Sektion führen und wachsen lassen. Tatsächlich aber hatte er schon damit begonnen, Heimatrechte in der übersinnlichen Welt zu verteilen.

Knapp neun Jahre währte die Verbindung Rudolf Steiners zur Theosophie im eigentlichen Sinne – einer ebenso eklektischen wie esoterischen Auswahl aus den Lehren der Weltreligionen, des Platonismus, der Astrologie und diverser Mysterienkulte, die durchaus nach dem Prinzip der schönsten und einprägsamsten Stellen komponiert war und konsequent für sich die höchste Weisheit beanspruchte. Vor allem in der Avantgarde, in der gerade entstehenden ästhetischen Moderne gab es keinen hervorragenden Künstler, der sich nicht, für eine gewisse Zeit wenigstens, von dieser Lehre begeistern ließ: Wassily Kandinsky und Gustav Meyrink, James Joyce und Arnold Schönberg, das frühe Bauhaus und die Futuristen, sie alle meinten, über die Theosophie zu neuen, wahren Formen des Ausdrucks zu gelangen.

Dann, im Jahr 1919, machte Rudolf Steiner sich selbständig, verließ den “östlichen Weg” im Allgemeinen und den Weltheiland Jiddu Krishnamurti im Besonderen und gründete die Anthroposophie. Die Theosophie versank bald darauf in einem argen Mummenschanz und hinterließ allenfalls ein paar musterhafte Figuren für das Personal von J. R. R. Tolkiens “Herr der Ringe”. Rudolf Steiners Lehre hingegen überlebte bis auf den heutigen Tag, und zwar nicht nur in esoterischen Kreisen, sondern auch in der Öffentlichkeit: in Architektur und Design, in Ackerbau und Ernährungslehre, in der Kunst sowie, vor allem und am wirkungsvollsten, in der Pädagogik. Die Waldorfschule ist ihr erfolgreichster Ausdruck. Der Grund für diesen Erfolg mag darin liegen, dass die Theosophie auf starke metaphysische Bedürfnisse reagiert, dabei aber eine friedliche Lehre bleibt. Ihr Eklektizismus ist eine Schule der Milde. Die Anthroposophie ist ein Versuch, quer durch die Zeiten und Kontinente zu einer Art von religiösem Esperanto zu finden, in der Kult, Ort und Gemeinde sich wieder zu einem Lebensverband vereinen und die Kunst dazu dient, dem Leben liturgische Formen zu verleihen.

Übermehr als zwanzig Jahre, vom Abbruch seines Studiums in Wien bis zu seiner Hinwendung zur Theosophie, war Rudolf Steiner einer der vielen ebenso haltlosen wie schlecht bezahlten, ebenso großmäuligen wie intellektuell anpassungsfähigen Intellektuellen seiner Zeit, ein Handlungsreisender in eigener Sache, ein Vortragskünstler und Rhetoriklehrer, wobei sich dieWeltanschauungen genauso schnell änderten wie die Lebenslagen. Sein wichtigster Lehrer an der Universität ist derGoethe-Forscher Karl Julius Schröer, eine wunderliche Gestalt an einer Technischen Hochschule. Aber dieser vermittelt ihn zuerst als (notorisch überbelasteten, notorisch unzuverlässigen) Autor von Wörterbucheinträgen und Gelegenheitsschriften an den Verlag von Joseph Kürschner, dann als Herausgeber an Bernhard Suphan, den Herausgeber der Schriften Goethes. In den frühen neunziger Jahren begeistert er sich für Max Stirner und glaubt, mit einer “Philosophie der Freiheit” den theoretischen Unterbau für dessen Lehre des radikalen Egoismus geliefert zu haben.

Wenig später, als sich eine vage Aussicht ergibt, Herausgeber der Schriften Friedrich Nietzsches zu werden, ist er davon überzeugt, in Nietzsches negativem Moralismus eine radikalere Vorstellung von Größe und Bedeutung vor allem des eigenen “Ich” erkennen zu können. Immer träumt er, wie in Weimar: “Ach! Wenn doch nur meine hiesige Tätigkeit der Puppen-Schlafzustand sein könnte, von dem ich als Schmetterling heraus und in den heitren Himmel der reinen, philosophischen Lehrtätigkeit fliegen könnte.” Erst als ihm im Jahr 1901 die Hoffnung genommen wurde, Feuilletonredakteur der Wiener Wochenschrift Die Zeit zu werden, ließ er sich auf das Vorhaben der Gräfin Brockdorff ein, mit ihm an der Spitze die Theosophische Gesellschaft von Berlin aus neu zu beleben.

Der Kern all dieser Anstrengungen aber bleibt: die Philosophie – nicht eine bestimmte Philosophie, sondern die Philosophie überhaupt, die Überzeugung, hinter allen Dingen und Ereignissen verberge sich ein Sinn, der alles überwölbt und alles durchdringt. Die Rastlosigkeit, mit der er die offiziellen und inoffiziellen Weisheitslehren durchwandert, bis zu seiner Wendung zur Theosophie, offenbar eben dieses: den immerwieder enttäuschten und immer wieder neu behaupteten Glauben, es gebe eine Wahrheit getrennt von allen Wahrheiten. Diese Überzeugung gilt schon für den jungen Mann, der als Autodidakt Kant und Hegel liest und meint, dem einen widersprechen und den anderen verbessern zu können. Und wenn sich dann seine Begeisterung Goethe und dem Ideal einer ästhetischen Wissenschaft sowie Fichte zuwendet, dann aus demselben Grund: Weil er sich die wahre Philosophie nur als eine geheimnisvolle Welt hinter der Fassade des Faktischen vorstellen kann: harmonisch, einheitlich und sinnvoll. “Welches Geheimnis ist das wichtigste?”, fragt der silberne König in Goethes “Märchen”, das Rudolf Steiner immerwieder zitiert, und die Antwort lautet: “das offenbare”. Kein Wort prägt die philosophischen Schriften Steiners so sehr wie das “Wesen”, und sein Schritt vom landläufigen Idealismus zum Okkultismus fällt auch deshalb so klein aus, weil man dem “Wesen” nur eine praktische Existenz verleihen muss, um vom Geist zu den Geistern zu gelangen.

So, in diesem Sinne muss man sich den Okkultismus auch als Widerstand gegen die Transzendenz vorstellen, und wenn die Anthroposophie die Verbindung zu den Naturwissenschaften und zur Geschichte sucht, dann auch, weil sie einem Positivismus der Geistigkeit huldigt: Deshalb bevölkert sich das spiritistische Universum der Anthroposophie mit Atlantern und Lemuriern, Eimenschen und Mondtretern, Feuergeistern, Pflanzenmenschen, Elohim, Seraphim und Cherubim. Deshalb zerlegt sich der Mensch in sieben Leiber, deshalb behauptete Steiner, die Bewohner des untergegangenen Kontinents Atlantis hätten sich mit Schwebefahrzeugen fortbewegt und deshalb inszenierte er Mysteriendramen und bestand auf einem ganz bestimmten Indigo-Ton, in dem die Kulissen zu streichen waren. All diese Anstrengungen, bis hin zu den genauen Vorschriften für Architektur und Inneneinrichtung, sind Konsequenz eines Gedankens: Dem Übersinnlichen mit sinnlichen, empirischen Mitteln zu Leibe zu rücken, es greifbar zu machen, in endlosen Übergängen – oder Metamorphosen – aus den höheren Welten in die niederen und wieder zurück.

“Wehe wenn ich zu früh vom Ätherleib spreche”, sagte Joseph Beuys, der ein Anhänger der Anthroposophie war, “dann jage ich doch alle Menschen zum Teufel.” Rudolf Steiner hätte das genau andersherum gesehen: Denn was sollte, in einer Welt voller übersinnlicher Ereignisse, ausgerechnet gegen den Ätherleib sprechen? Tatsächlich lebt die moderne Kunst in erheblichem Maße von weltanschaulichen Ansprüchen, die zum ersten Mal in Theosophie und Anthroposophie formuliert wurden: Dass nämlich der Materialismus jeder Art, in Gestalt von Bildlichkeit wie in Form des allzu innigen Verhältnisses zur dinglichen Welt, zu überwinden sei, damit es nichts mehr gebe als reinen Geist, pure Wahrheit, Schwingungen, Orgeltöne, Seelenpotential, Imagination, Inspiration und Intuition.’
Het tweede artikel op deze pagina gaat over de biologisch-dynamische landbouw en ademt een wat andere sfeer, om het voorzichtig uit te drukken. Volgens goed journalistiek gebruik van hoor en wederhoor, moeten we maar denken. De auteur is Sebastian Herrmann, zijn artikel is getiteld ‘Ein geistiger Mist’:
‘Biodynamische Lebensmittel, natürliche Kosmetik und sanfte Medizin – welche Prinzipien hinter anthroposophischen Produkten stehen, ist den meisten Kunden nicht bewusst

In der Pfingstwoche 1924 trat Rudolf Steiner an ein Fenster im Vortragszimmer auf Schloss Koberwitz nahe Breslau. Auf Einladung des Gutsherrn Carl Wilhelm Graf von Keyserlingk entwarf er dort die Vision einer anthroposophischen Landwirtschaft. Steiner sprach an diesem Tag über Düngung. Dazu verordnete er den Gebrauch von Präparaten, deren Bestandteile zuerst in Kuhhörnern reifen und dann in Wasser eine Stunde lang verquirlt werden sollten. Dann könnten die Lösungen auf den Acker ausgebracht werden. Steiner wies während seines Vortrags aus dem Fenster und erklärte, wie viel Boden sich mit dem verrührten Inhalt eines Kuhhorns behandeln ließe: Der Dünger reiche für eine Fläche, “die etwa so groß ist, wie, sagen wir, von dem dritten Fenster vielleicht bis zu dem ersten Quergang”. In einer Vortragspause gingen einige Zuhörer Steiners mit Meterstäben auf das Grundstück vor dem Gut und vermaßen es – vom dritten Fenster bis hin zum Quergang.

Was sich in Schlesien vor 87 Jahren zugetragen hat, ist nicht nur eine skurrile Anekdote aus dem an skurrilen Anekdoten reichen Leben und Wirken Rudolf Steiners. Die Geschichte hat bis heute konkrete Auswirkungen: Auf Basis der acht Vorträge, die Steiner im Juni 1924 auf Gut Koberwitz hielt und die als “Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft” zusammengefasst sind, werden noch heute biologisch-dynamische Lebensmittel erzeugt. Im Demeter-Verband organisierte Landwirte wenden die Empfehlungen Steiners noch immer an – natürlich vertrauen sie auch seinen Aussagen zur Düngung mit Präparaten aus Kuhhörnern.

Allein in Deutschland wirtschaften etwa 1400 Demeterbetriebe nach anthroposophischen Prinzipien. Biodynamische Produkte haben einen Anteil von acht Prozent am Ökomarkt. Die Bedeutung der Anthroposophie in der Gegenwart speist sich wesentlich aus den praktischen Anwendungen, die Steiner neben seiner Waldorf-Pädagogik entworfen hat und die mit großen Erfolg verkauft werden. Wer etwa ein Kind bekommt, vertraut auf Babypflegeprodukte der Marke Weleda oder wird vielleicht von einer anthroposophischen Hebamme betreut. Man muss kein Anhänger oder Gegner Steiners sein, um dessen Gedankenwelt zu berühren. Nur weiß kaum ein Käufer biodynamischer Lebensmittel sowie anthroposophischer Kosmetik oder Arzneimittel, nach welchen Prinzipien diese hergestellt wurden.

Die Hersteller anthroposophischer Wohlfühlprodukte haben wenig Interesse daran, den okkult-esoterischen Aspekt ihrer Angebote zu erklären. Stattdessen bedient man sich der Sehnsuchtsschlagworte der Ökobewegung und Alternativmedizin. “Im Einklang mit Mensch und Natur” heißt es prominent auf der Internetseite von Weleda. Bei einem Mittel, das “sanft” bei fieberhaften Erkältungen helfen solle, heißt es zur Erklärung, es sei “gemäß der anthroposophischen Menschen- und Naturerkenntnis” anzuwenden und hergestellt worden. Viel mehr wird nicht erklärt. Demeter beschwört eine “lebendige Agrarkultur” und vermarktet seine Produkte als besonders vital. Der tatsächliche anthroposophische Hintergrund der Produkte würde Kunden wohl zu sehr konsternieren.

Auch auf Schloss Koberwitz stellten die Zuhörer irritiert Fragen. Zwar wurden schon in der Weimarer Republik die Technisierung der Landwirtschaft und der Einsatz mineralischer Dünger kritisch und leidenschaftlich diskutiert, doch Steiners Gegenentwurf verlangte den Zuhörern viel ab. Das Wirken verborgener, nur geistig fassbarer Kräfte gelte nicht nur für den Menschen, sondern auch für Pflanzen und Vieh, sprach der Guru. Seine Version der Landwirtschaft berücksichtigt kosmische Kräfte. Beim Säen sollte die Stellung des Mondes beachtet werden. Um Mäuse zu bekämpfen, empfahl er, das Fell einer Maus zu verbrennen und zu verstreuen –wenn die Venus im Sternbild Skorpion steht.

Die Hörner einer Kuh betrachtete er quasi als Rinder-Antennen, mit der geistige Kraft aus dem Kosmos konzentriert werden könne. “Die Kuh hat Hörner, um in sich hineinzusenden dasjenige, was astralisch-ätherisch gestalten soll”, sagte Steiner in Koberwitz. Man müsse ein Horn voll mit Mist nur einige Monate im Acker vergraben, dann lade es sich kräftig auf und ergebe einen “geistigen Mist”, so Steiner. Solche Ausschnitte aus seiner Lehre kann man nur als überzeugter Anthroposoph akzeptieren.

Genauso ist es bei vielen Bestandteilen der anthroposophischen Medizin, die Steiner zusammen mit der Ärztin Ita Wegmann entwickelte. Krankheiten entstünden durch Verschiebungen des Astral-, Äther sowie physischen Leibes und fänden Ursachen in karmischer Schuld aus vergangenen Leben des Patienten. Pflanzen schrieb Steiner aufgrund ihres Aussehens oder wegen erdachter Analogien Heilwirkungen zu. Misteln sollten zum Beispiel gegen Krebs wirken, weil sie gleich einem Tumor im Körper eines Menschen als Parasit Wurzeln in Bäume schlagen. Aus Pflanzen oder anderen Substanzen, die nach solchen Analogieprinzipien ausgewählt werden, stellt die anthroposophische Medizin oft Mittel nach homöopathischen Prinzipien her. Der Ausgangsstoff wird so weit verdünnt, bis er nichtmehr nachweisbar ist. Dafür soll er eine Art vitale Kraft an die Lösung übertragen haben.

“Und das hat Anhänger!” schrieb Kurt Tucholsky einmal über einen Vortrag Steiners. Ja, das hat bis heute Anhänger – von denen viele aber nicht genau wissen, womit sie es eigentlich zu tun haben.’
Dan gaan we naar de andere bladzijde, pagina 15. Nog meer bordtekeningen, en deze begeleidende tekst:
‘Mehr als fünftausend Vorträge hielt Rudolf Steiner im Laufe seines erwachsenen Lebens zu Themen, die oft nur bedingt etwas mit den eigentlichen esoterischen Lehren zu tun hatten, sondern sich der Pädagogik oder historischen Spekulationen, der Kunst, der Medizin oder Landwirtschaft widmeten. Diese Vorträge hielt Rudolf Steiner frei, anhand weniger Notizen. Und wenn die Worte nicht reichten, griff er zur Kreide. Diese Wandtafeln, die nach 1919 alle aufbewahrt wurden, gelten heute als respektable Kunst (Abb. aus dem Band: Rudolf Steiner. Wandtafelzeichnungen 1919-1924. DuMont Verlag. Köln 1999).’
Het eerste artikel op deze pagina gaat over architectuur en heet ‘Wie man Türen öffnet. Steiner und die organische Architektur’. Geschreven door Gerhard Matzig, en die steekt zijn bewondering niet onder stoelen of banken:
‘“Es ist alles (...) bis auf die Türklinke hin so gestaltet, aus dem organischen Baugedanken heraus, dass alles, wie es ist, an seiner Stelle so sein muss.” So beschrieb Rudolf Steiner die Bauten der Anthroposophischen Gesellschaft, die bis 1928 auf dem Dornacher Hügel in der Nähe von Basel entstanden sind. Bekannt davon ist vor allem das Goetheanum, ein monumentales, plastisch und skulptural ausgeformtes Gebilde aus Eisenbeton. Vom Material, von der Konstruktion und von der Raumorganisation her: Das Gebäude war damals eine Innovation, Sensation und ein Skandalon dazu. Kaum eine Architektur wurde in jenen Jahren so gefeiert auf der einen Seite – und so empört zurückgewiesen auf der anderen. Wer den Bau je besucht hat, der weiß, dass man diesem Raumgewordenen Piranesi-Spuk noch immer nicht ganz unvoreingenommen begegnen kann. Es ist ein Bau mit Haltung, der auch beim Betrachter Haltung einfordert.

Steiner benannte diesen mächtig vor der Jura-Landschaft aufragenden Bühnenbau, der ohne rechte Winkel auskommt, nach Goethe: gewissermaßen als Hommage an die Metamorphosenlehre des Dichters. Steiner verehrte Goethe als “den Kopernikus und Keppler der Wissenschaft vom Organischen”. Auf die Architektur angewendet, bedeutet dies: Steiner entwarf das Goetheanum (es war der Nachfolgebau des ersten, bei einem Brand 1922 zerstörten Vorgängers) als Gebäude, dessen Raumfigur sich “organisch” aus den Funktionen entwickelt, wobei sich alle Teile aufeinander beziehen – “bis auf die Türklinke hin”.

Nun ist es aber so, dass eine Türklinke, und sei es auch eine anthroposophisch ambitionierte Klinke, eine gewisse Funktion hat. Mit ihr öffnet sich vielleicht die Sicht auf eine andere, hehre Welt; ganz profan sollte sich damit aber auch ein Raum öffnen lassen. In dem hervorragenden Buch zu Steiners Bauten (Rudolf Steiner in Kunst und Architektur, Du-Mont 2007) beschreibt Walter Kugler, wie sich etliche Besucher des nahe dem Goetheanum befindlichen “Glashauses” die Finger eingeklemmt haben – beim Versuch, die Tür zu öffnen. Das Schloss funktionierte nur, wenn man beim Ziehen der Tür an einem gewissen Punkt paradoxerweise Druck ausübte, alles andere führte zu Wehgeschrei und dem Satz Steiners: “Die Tür zu öffnen, ist eben eine Frage der moralischen Einstellung.”

Das Schloss ist mehr als eine Anekdote. Man begreift daran, dass das organische Bauen mehr ist als ein Nachplappern der Natur. Es ist eine eigenständige kulturelle und eben nicht natürlich nachempfindende Leistung. Die Architekturtheorie Steiners ist deshalb von Interesse. Andererseits war Steiner, anders als dies die Anthroposophische Gesellschaft sehen wollte (und will), keineswegs der Erfinder des organischen Bauens, in dem die klassisch-hierarchische Differenz von Stütze und Balken, vom Tragen und Lasten zugunsten einer ganzheitlichen Raumvorstellung aufgelöst wird. Auch Steiner war beeinflusst: von Antoni Gaudí und dem katalanischen Modernisme vor allem, aber auch von den deutschen Expressionisten oder vom tschechischen Kubismus. Dennoch ist das Goetheanum singulär, ein teilweise dysfunktionaler, alles andere als ästhetisch angenehmer Bau – der vor allem eines hat: Kraft.’
Het volgende artikel is van Kristina Maidt-Zinke en ook zij kan veel waardering opbrengen voor de jarige, zoals blijkt uit ‘Ideen sehen. Geister-Stadt Weimar: Rudolf Steiner als Goethe-Forscher’:
‘Auch er hinterließ seine Spuren in der Geister-StadtWeimar.Am Haus Prellerstraße 2, einem Logierbetrieb von geschmackvoller Schlichtheit, verrät eine Gedenktafel: “Hier lebte 1892-96 Rudolf Steiner, Goetheforscher und Begründer der Anthroposophie”. Wer den “Goetheforscher” für einen esoterischen Amateur hält, geht fehl. Steiner, schon während seines Studiums an der Technischen Hochschule Wien als Herausgeber der naturwissenschaftlichen Schriften Goethes im Rahmen von Joseph Kürschners “Deutscher National-Litteratur” tätig, publizierte 1886 die “Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung” und wurde daraufhin zur Mitwirkung an der Weimarer Goethe-Ausgabe, der sogenannten Sophien-Ausgabe, eingeladen. 1890 trat er seine Arbeitsstelle am Goethe- und Schiller-Archiv an, und 1892 fand er unter besagter Adresse Familienanschluss bei der Witwe Anna Eunike, die später seine erste Ehefrau wurde.

Bis 1897 gab Steiner die Goethe-Bände “Morphologie”, “Mineralogie”, “Geologie”, “Meteorologie” und “Naturwissenschaft im Allgemeinen” heraus. Dass er in den Einleitungen weniger Goethes Weltanschauung darstellte als seine eigene und zudem handwerkliche Fehler machte, wurde bald von Kritikern aufgespießt; er selbst revidierte nachträglich manches und räumte ein, er sei auf jene Leistung “nie besonders stolz gewesen”. Ihrer enormen Bedeutung für seine eigene geistige Entwicklung tat das keinen Abbruch. Inzwischen war er von der Universität Rostock mit einer Arbeit zur Erkenntnistheorie im Hinblick auf Fichtes “Wissenschaftslehre” promoviert worden, hatte sich von dem Platonismus-Experten Heinrich von Stein inspirieren lassen und sein erkenntnistheoretisches Werk “Die Philosophie der Freiheit” veröffentlicht. Es war aber, genau genommen, weniger die Theorie als die Praxis der Erkenntnisgewinnung, die den eigenwilligen jungen Gelehrten interessierte.

Wie er in seiner Autobiographie “Mein Lebensgang” berichtet, bildete sich sein Verhältnis zur Naturwissenschaft an den Zweifeln aus, die ihm die “Optik im Sinne der Physiker” einflößte. Vom Wiener Literaturprofessor Karl Julius Schröer an Goethes Denkweise herangeführt, durch eigene optische Experimente bestärkt, fand er in der Farbenlehre des Geheimrats seine Vermutung bestätigt, dass es für das Wesen des Lichts und der Farben noch ein anderes Erklärungsmodell geben musste als die Theorie Newtons. Und dass die beiden Modelle einander nicht ausschließen, sondern ergänzen, wenn man verschiedene Perspektiven und Methoden der Wahrnehmung konzediert.

Kern des Goetheschen Verständnisses, das Steiner sich zu eigen machte, war die Annahme, dass die Farbe nicht einfach im Licht enthalten und aus ihm hervorzuholen ist, sondern erst im wahrnehmenden Auge zur Erscheinung gebracht wird, sobald das Licht auf Hindernisse trifft. Daraus folgte für Goethe wie für Steiner, dass man, statt nur aus dem Bau des Auges dessen Funktion zu erklären, unter verschiedenen Bedingungen ergründen müsse, “was durch das Auge im lebendigen Sehakt zustande kommen kann”. Der nächste Schritt führte zu dem, was Goethe die “sinnlich-sittliche Wirkung” der Farben nannte und Rudolf Steiner “die höhere Beziehung der farbigen Körperwelt auf die Seele” – nicht in spekulativem, sondern in empirisch nachzuvollziehendem Sinn. Daraus entstand ein farbpsychologisches Konzept, mit dem die Waldorfpädagogik bis heute ergiebig experimentiert.

Die Vermittlung zwischen dem “Sinnlich-Erfaßbaren” und dem “Geistig-Anschaubaren”, auf die es Steiner früh und dann lebenslang ankam, ließ sich in der Goetheschen Metamorphosenlehre mit ihrem Zentralbegriff der “sinnlich-übersinnlichen Form” weiterverfolgen. Grundsätzlich ging es darum, sich nicht bloß “in philosophischen Denkvorgängen zu bewegen”, sondern “die Tatsachen der Natur richtig zu lesen” (Steiner).

Alles lief auf den berühmten Disput hinaus, in dem Schiller festgestellt hatte, Goethes “Urpflanze” sei keine Erfahrung, sondern eine Idee, worauf jener behauptete, dann sehe er eben seine Ideen mit Augen vor sich. Das aber hieß, dem individuellen Bewusstsein Erkenntnismöglichkeiten einzuräumen, die in abstrakten Begriffen letztlich nicht mehr diskutierbar waren.

Was die Farben betraf, so entwickelte Steiner später, nach der Begegnung mit der Theosophie, sein eigenes, nunmehr hochesoterisches Lehrmodell, und bekanntermaßen drang er auch sonst, unter dem Einfluss diverser philosophischer und spiritueller Anregungen, in Sphären vor, die selbst aufgeschlossensten Goethe-Lesern allzu fremd sein mögen. Unabhängig davon ist es ein Gewinn, bei heutiger Beschäftigung mit Goethe einmal dessen Rezeption durch Steiner, etwa im Buch “Goethes Weltanschauung” von 1897, heranzuziehen: Die Denkimpulse, die von dort ausgehen, werfen auf das sich wandelnde Wissenschaftsverständnis unserer Zeit ein farbenreiches Licht.’
Dan kan het niet anders of de derde en laatste bijdrage moet een tegengeluid laten horen. Dat is gelukt met het aantrekken van Philipp Blom. De bekende historicus laat echter een flink aantal pijnlijke steken vallen. Een historicus zou wel moeten weten waar hij over schrijft, zeker als hij persoonlijk in zijn jeugd eigen ervaringen met zijn onderwerp heeft opgedaan. Steiner werd echt niet in 1899 uitgenodigd voordrachten te houden voor de Theosofische Vereniging, dat is makkelijk na te gaan. Verder was hij een van de meest geliefde docenten aan de Arbeiterbildungsschule, dat is historisch bekend, en niet iemand die met hangen en wurgen daar zijn kunstje kwam vertonen, zoals Philippe Blom lijkt te willen suggereren. Hij suggereeert wel meer tussen de regels door. In Wenen komen bij hem de rassistische occultisten Guido von List en Jörg Lancz von Liebenfels even om de hoek kijken, alsof er met deze figuren een connectie was. Wat dan wel weer grappig is, is de typering van Steiner als een door en door materialistisch auteur van zijn boek ‘De filosofie van de vrijheid’. Fantasie kan deze historicus in ieder geval niet ontzegd worden! Hij beschrijft het allemaal in ‘Der Christus des kleinen Mannes. Waldorfschule: Steiner goss seinen Kindheitsglauben in Gefäße, die der Zeitgeist formte’:
‘In der kleinen Welt der Anthroposophie sind Darstellungen von Rudolf Steiners Gedankengebäude heiß umstritten. Es schwirrt von ideologischen Grabenkämpfen zwischen Gegnern, die in diesem seltsamen weltanschaulichen Gesamtkunstwerk eine verhängnisvolle wenn nicht satanistische Sekte sehen und ebenso fanatischen Befürwortern, die sich von derselben Lehre nichts weniger erhoffen als die Erfüllung der Geschichte und die Harmonie des Kosmos. Ich werde deswegen meine Beziehung dazu von vorneherein deutlich machen.

Als Historiker habe ich mich mit der intellektuellen und kulturellen Verfasstheit des frühen zwanzigsten Jahrhunderts beschäftigt und in diesem Kontext auch mit Steiner und anderen Mystikern und Lebensreformern. Ich hatte auch das zweifelhafte Vergnügen, meine gesamte Schulzeit über eineWaldorfschule zu besuchen und damit täglich Gelegenheit, das Gesicht des Gründervaters zu studieren, das aus einem handgeschnitzten Rahmen mit pomadisierten Haaren und einer Miene trauervoller Verzweiflung dunkel glühend auf uns Schulkinder herabsah.

Diese Erfahrung ist rein anekdotisch und macht mich nicht zum Experten. Wird ein Mensch, dem ins Bein geschossen wurde, zum Experten für Handfeuerwaffen? Mein Schulerlebnis war in vielerlei Hinsicht fast grotesk altmodisch – eigentlich bin ich um 1980 und doch mitten in Deutschland in den 1920er Jahren in die Schule gegangen – aber auch in weiten Teilen positiv. Ich hatte mehrere gute und engagierte Lehrer und manche der Grundsätze, die Steiner Pädagogen ans Herz legte, sind heute noch immer interessant: die Schulklasse als soziale Gemeinschaft etwa, oder die Gleichgewichtung künstlerischer und wissenschaftlicher Fächer.

Gleichzeitig aber ist die Pädagogik der Waldorfschule nicht von Steiners anthroposophischer Lehre zu trennen, die zwar nicht Unterrichtsgegenstand ist, die aber dem gesamten Lehrplan und dem Menschenbild zugrunde liegt, einer Weltanschauung, die Steiner durch Geheimwissenschaft in spiritueller Erkenntnis “erschaut” haben wollte, die aber aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft auf durchaus irdische und historisch belegbare Vorgänger und Einflüsse zurückgreift.

Um die Genese der Steinerschen Pädagogik und ihre historische Verortung zu verstehen, ist es notwendig, einige Eckdaten seines Lebens zu kennen. 1861 als Sohn eines Bahnhofsvorstehers im Kroatischen Kraljevec geboren, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte, studierte Rudolf Steiner um die Jahrhundertwende in Wien, das damals ein Zentrum verschiedener Erneuerungsbewegungen war, vom klarsichtigen Feminismus von Gretel Meisel-Hess und Rosa Mayreder über die rassistischen Okkultisten Guido von List und Jörg Lancz von Liebenfels bis zur Reformpädagogik einer Eugenie Schwarzwald, den ersten Schritten der Psychoanalyse von Josef Breuer und der sozialdemokratischen Bewegung um Victor Adler.

Steiner selbst publizierte schon früh über Goethe und Nietzsche und entwarf eine durch und durch materialistische “Philosophie der Freiheit”. Über Weimar, wo er, dreiundzwanzigjährig, an der Herausgabe von Goethes naturwissenschaftlichen Schriften arbeitete, gelangte er nach Berlin, wo er versuchte, als Referent der Arbeiterbildungsschule Fuß zu fassen, was ihm mehr schlecht als recht gelang. Der typische Zeitgenosse war ihm zufolge: “das Haustier, das Herdentier, das kranke Tier Mensch, – der Christ...” Nietzsche und Stirner verehrte der junge Denker, der selbst einen neuen Menschen wollte, “befriedigt, heiter und stolz, ohne Christentum, ohne Ausblick auf das Jenseits”. Dann kam Steiners Damaskus-Erlebnis.

1899 lud ihn die Theosophische Gesellschaft zu Vorträgen ein, eine Organisation, die im Bann der glutäugigen russischen Prophetin und Okkultistin Madame Blavatsky stand. Steiners neues Publikum bestand zu einem Gutteil aus wohlhabenden Damen und anderen Mitgliedern der sogenannten höheren Kreise, die den asketisch wirkenden Gelehrten enthusiastisch aufnahmen. Innerhalb weniger Jahre wurde er zum Propheten und hatte von da an ein komfortables Auskommen und einen eingeschworenen Verehrer(innen) kreis. Honi soit qui mal y pense.

Es ist niederträchtig, einem Menschen vorzuwerfen, nach eingehendem Nachdenken seine Meinung geändert zu haben, aber Steiners plötzliche Konversion lässt viele Fragen offen. Der zum mystischen Seher mutierte ehemalige Materialist ließ 1904 die Arbeiterbildung hinter sich und begab sich auf ausgedehnte Vortragsreisen, in denen er jeneWeltanschauung verkündete, auf der auch dieWaldorfschulen basieren, ein eklektisches, aber allumfassendes System, indemsich christliche Traditionen mit Karmalehre und mythischer Kosmologie verbanden, deutscher Idealismus mit gnostischen Elementen, Goethes Farbenlehre mit Theosophie.

“Der Doktor”, wie seine Jünger ihn nannten und noch nennen, schwamm auf der Okkultismuswelle der Jahre um 1900, die eine Vielzahl von exzentrischen Lebensreformern und Erziehungsgurus an die Oberfläche spülte. Wie auch andere Autoren der Jahrhundertwende betonte er die Wissenschaftlichkeit seiner Erkenntnisse, war aber nicht immun gegen intellektuelle Modeerscheinungen wie rassistisches Gedankengut. Auch wenn es immer wieder bestritten wird, sah er zweifellos in weißen Europäern die höchste Ausformung des Menschen. Steiners mystischer Evolutionslehre zufolge waren Afrikaner im Vergleich zu Weißen “wie eine unvollkommene Schnecke oder Amöbe zu einem vollkommenen Löwen”, während ihre dunkle Hautfarbe darauf hinwies, dass sie innerlich “kochen und brodeln” und als niedrige Entwicklungsstufe noch ganz von niederen Instinkten beherrscht sind. Das Judentum hielt er für geistesgeschichtlich redundant. Solche Ansichten zeigen ihn als Kind seiner Zeit. Schockierend ist höchstens, dass seineWerke heute noch als “spirituelle Erkenntnis” ernst genommen werden.

1919 wurde Rudolf Steiner nach einem Vortrag von Vertretern der Arbeiterschaft und dem sozial engagierten Besitzer der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik gebeten, eine Schule für die Kinder der Arbeiter zu konzipieren. Er machte sich an die Arbeit und präsentierte ein Erziehungskonzept, das aus seinem Menschenbild hergeleitet war. Die Waldorf-Pädagogik war geboren. Wie Jean-Jacques Rousseau vor ihm, trat Steiner als radikaler Neuerer auf, tat aber wenig mehr, als seinen Kindheitsglauben, in seinem Fall den ländlichen Katholizismus der österreichischen Provinz, in neue, auch dem Zeitgeist geformte ideologische Gefäße zu gießen. Er sublimierte den zutiefst konservativen Katholizismus des ländlichen Habsburgerreiches in eine Lehre, die er mit Goethe, Hegel, Herder, der Theosophie von Madame Blavatsky und indischer Mystik angereichert hatte.

Gerade in der Dualität zwischen Körper und Seele, Lust und Geist, Gut und Böse wird das katholische Substrat seiner Lehre deutlich. Aufgabe des Menschen ist, schrieb Steiner, den eigenen Körper zu “vergeistigen” und “geistig zu durchdringen”. Die Fortpflanzungsorgane hingegen gehören “zur absteigenden Linie der Entwicklung”, ihre Aufgaben werden im weiteren Verlauf der (hegelianisch als Aufstieg zur Vollendung konzipierten) Evolution sogar ganz von den Sprachorganen übernommen, wobei die Genitalien “zur Bedeutungslosigkeit verkümmern” werden. Eine schwierige ideologischeAusgangssituation, wenn es um die Begleitung Heranwachsender geht.

Steiner selbst war kein Lehrer – weder hatte er Kinder, noch hat er je vor einer Schulklasse gestanden, wenn er auch in seinen frühen Jahren für einige Zeit als Nachhilfelehrer und später als Hauslehrer eines behinderten Kindes arbeitete. Sein allumfassendes Wissen über Wesen und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hatte er nicht durch tägliche Erfahrung erarbeitet oder in empirischem Kontext studiert, sondern mystisch “geschaut”. Dementsprechend ist auch die Kategorisierung nach Entwicklungsstufen, “Jahrsiebten”, nach Temperamenten und anderen esoterischen Kriterien. All das wird in Steiners weihevollen und pseudowissenschaftlicher Diktion nicht als Argumentationsgrundlage dargestellt, sondern als kosmische Wahrheit.

Meine gesamte Schulzeit hindurch fühlte ich mich beobachtet von dem traurigen, allwissenden Propheten im geschnitzten Rahmen, dessen dunkle Augen mir überall folgten. Kurt Tucholsky nannte ihn den “Christus des kleinen Mannes”.

Der Historiker und Publizist Philipp Blom, einst Waldorfschüler, lebt in Wien. Im März erscheint sein Buch “Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung”.’

4 opmerkingen:

Oebele zei

Voor het hertengewei kun je de metafoor antenne gebruiken.
Voor de koeienhoorn geldt beter de metafoor reflector.
Namelijk het "in sich hineinzusenden" van het etherisch-atrale van het binnenste van de koe zelf terug in de koe! Het "was astralisch-etherisch gestalten soll" is het eigen koe-astraal-etherische.

Oebele van der Lei

Herman Boswijk zei

Over Philipp Blom: ken je het interview van Wim Brands met hem: http://boeken.vpro.nl/programmas/24214180/afleveringen/41739929/
Een aardige man, die vrij vloeiend Nederlands spreekt! Maar een historicus zou ik hem niet willen noemen, eerder, qua stijl en werkwijze, een journalist met belangstelling voor bepaalde historische thema's, maar met een verder tamelijk oppervlakkige kijk op de geschiedenis.
In zijn boek "De duizelingwekkende jaren" over de periode 1900-1914 staat een hoofdstuk over de theosofie/antroposofie. Ik heb niet eerder zo'n hoge dichtheid aan hele en halve onjuistheden over Steiner bij elkaar gezien als in de ca. 5 bladzijden die daar aan Steiner zijn gewijd. In het bovenstaande artikel doet hij dat nog eens over; bijvoorbeeld: een niet als zodanig herkenbaar citaat uit Nietzsches 'Antichrist' en een uit z'n verband gehaald Steiner-citaat uit een hele vroege voordracht (uit 1904, qua tekst zeer onbetrouwbaar) en zo kan ik nog wel even doorgaan.

Ramon DJV zei

Herman,

Blom is buiten historicus onder andere ook journalist. Met een doctorstitel behaald in Oxford vermoed ik dat hij zijn vak wel zal kennen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Philipp_Blom

Herman Boswijk zei

Beste Ramon,

ik weet dat Blom is afgestudeerd in moderne geschiedenis. Maar hij werkt als journalist en zijn boeken zijn dat qua stijl en werkwijze ook, zeker niet wetenschappelijk. Een academische graad vormt geen enkele garantie voor een wetenschappelijke instelling.

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(Hilversum, 1960) – – Vanaf 2016 hoofdredacteur van ‘Motief, antroposofie in Nederland’, uitgave van de Antroposofische Vereniging in Nederland (redacteur 1999-2005 en 2014-2015) – – Vanaf 2016 redacteur van Antroposofie Magazine – – Vanaf 2007 redacteur van de Stichting Rudolf Steiner Vertalingen, die de Werken en voordrachten van Rudolf Steiner in het Nederlands uitgeeft – – 2012-2014 bestuurslid van de Antroposofische Vereniging in Nederland – – 2009-2013 redacteur van ‘De Digitale Verbreding’, het door de Nederlandse Vereniging van Antroposofische Zorgaanbieders (NVAZ) uitgegeven online tijdschrift – – 2010-2012 lid hoofdredactie van ‘Stroom’, het kwartaaltijdschrift van Antroposana, de landelijke patiëntenvereniging voor antroposofische gezondheidszorg – – 1995-2006 redacteur van het ‘Tijdschrift voor Antroposofische Geneeskunst’ – – 1989-2001 redacteur van ‘de Sampo’, het tijdschrift voor heilpedagogie en sociaaltherapie, uitgegeven door het Heilpedagogisch Verbond

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