Bedoeld is: antroposofie in de media. Maar ook: in de persbak van de wijngaard, met voeten getreden. Want antroposofie verwacht uitgewrongen te worden om tot haar werkelijke vrucht door te dringen. Deze weblog proeft de in de media verschijnende antroposofie op haar, veelal heerlijke, smaak, maar laat problemen en controverses niet onbesproken.

zondag 6 februari 2011

Doorlichten

Deze zondag biedt weer eens recensies uit het Duitse maandblad ‘Die Drei’. Afgelopen woensdag 2 februari meldde ik in ‘Gelukwens’ al dat het nieuwe februarinummer voorbeeldig op de website ten tonele wordt gevoerd. Natuurlijk ter ere van 150 jaar Steiner. Ik gaf meteen de originele redactionele inleiding van Lydia Fechner weer. Vandaag voeg ik daar twee boekbesprekingen aan toe. Dat wil zeggen, een bespreking van de drie nieuwe Steiner-biografieën tegelijk en eentje van het nieuwe boekje van Uwe Werner over racisme. Men heeft weer niet de minste recensenten gevonden om deze boeken door te lichten. De drie biografieën worden dit keer besproken door priester in de Christengemeenschap Frank Hörtreiter uit Hannover, die tegelijk ook media-woordvoerder van dit kerkgenootschap is, in welke hoedanigheid hij hier op 1 juni 2009 in ‘Benesch’ al een keer aan het woord kwam. Vroeger was hij ook redacteur van het maandblad ‘Die Christengemeinschaft’.

Voordat ik hem aan het woord laat, even de vorige keren noemen dat een, twee of alle drie van de nieuwe Steiner-biografieën hier aan bod kwamen. De eerste keer was de bespreking van Heiner Ullrichs biografie door Wolfgang G. Vögele bij News Network Anthroposophy (NNA) op 30 november 2010 in ‘Fair’; Vögele besprak trouwens ook Helmut Zanders biografie op 25 januari in ‘Flapdrol’. Op 17 januari kwam Helmut Zander nogmaals en de derde biografie, die van Miriam Gebhardt, voor op Ansgar Martins’ weblog in ‘Akasha-kroniek’. Twee dagen later kwam Zander nog een keer voorbij in ‘Besturen’, evenzo trouwens het boek van Uwe Werner, maar dat waren geen besprekingen. En dan hadden we op 21 januari in ‘Talkshow’ een interview met Miriam Gebhardt uit Info3, de volgende dag in ‘Hoogeland’ gevolgd door een uitgebreide bespreking van alle drie de nieuwe Steiner-biografieën door Jens Heisterkamp in Info3. – Goed, en dan nu Frank Hörtreiter in ‘Die Drei’ van deze maand, op de bladzijden 83 tot en met 86, onder de titel ‘Drei neue Steiner-Biographien’:
‘Heiner Ullrich: Rudolf Steiner – Leben und Lehre, Verlag C.H. Beck, München 2011, 266 Seiten, 19,95 EUR.
Miriam Gebhardt: Rudolf Steiner – Ein moderner Prophet, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2011, 368 Seiten, 22,99 EUR.
Helmut Zander: Rudolf Steiner – Die Biographie, Piper Verlag München 2011, 535 Seiten, 24,95 EUR.

»Sowohl die anthroposophische Würdigung Steiners als auch die nichtanthroposophische Kritik kranken an einem Übermaß an Betroffenheit und Parteinahme. Es scheint fast unmöglich zu sein, sich mit der Anthroposophie in einer fairen und distanzierten Weise wissenschaftlich auseinanderzusetzen« (Ullrich, S. 175). Dem Maßstab von Fairness und Distanz wird der renommierte Erziehungswissenschaftler gerecht. Ulrich schildert Steiners Leben und – ein wenig schematisch – die Anthroposophie mit dem Hauptanliegen, die Steinerschulen in die reformpädagogische Nachbarschaft einzuordnen, ohne falsche Abhängigkeiten zu suggerieren. Hierzu nimmt er Anlauf durch eine schlanke, aber instruktive Lebensschilderung. Einige Fragwürdigkeiten seien hier genannt: Entgegen Ullrichs Meinung erzieht die Waldorfschule faktisch nicht zur Anthroposophie, wie er ja selber in seiner Auswertung wissenschaftlicher Ergebnisse über den späteren Werdegang von Waldorfschülern bestätigt. Dass Steiner Kant nicht begriffen habe, scheint mir eine gewagte Aussage; Steiner hat lediglich Kants prinzipielle Erkenntniskritik nicht für alle Entwicklungsstufen des Menschen anerkannt. Ullrichs Meinung (anknüpfend an Koslowski), dass Steiner ein Gnostiker sei, ist m. E. wahr und falsch zugleich: Die klassische »Gnosis«-Definition kann den Vorwurf der Weltfeindlichkeit und Erlösung allein durch die Erkenntnis wohl nicht aussparen, und das passt nicht zur Anthroposophie. Zu Recht weist Ullrich den Antisemitismus-Vorwurf zurück, auch wenn er Steiners Rassebegriff für obsolet hält.

Das Kapitel über die Christengemeinschaft als »geistesaristokratische Kirche« zeigt, dass für Ullrich offenbar die heutige Wirklichkeit dieser Gemeinschaft in ihrem Miteinander von Priestern und Laien nicht so zugänglich ist wie die von ihm vorurteilslos studierte Lebenswirklichkeit heutiger Waldorfpädagogik.

Das Buch ist leicht und angenehm lesbar und bietet dem Anthroposophen vermutlich wenig Neues, wohl aber einem unbefangen Interessierten.

Äußerlich – aber eben nur äußerlich – gewichtiger kommt das zweite Buch daher. Miriam Gebhardt ist Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie hat sich schon länger mit der Kulturentwicklung der Eltern-Kind-Beziehung beschäftigt und kennt sich aus in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die ständigen Seitenblicke, mit denen sie Steiner in seine Zeit einzuordnen versucht, sind zwar interessant, geben aber für das Verständnis der Anthroposophie wenig her. Das wird wohl daran liegen, dass der Verfasserin eine echte Kenntnis von Steiners Leben und Werk fehlt, von den Folgen ganz zu schweigen. Und so kann sie behaupten, über Steiners Leben liege ein »dichter Nebel « (Christoph Lindenbergs dicke zweibändige Biographie hat sie wohl nur kursorisch gelesen; seine Chronik offenbar überhaupt nicht, sonst könnte sie so etwas nicht sagen). Ihre saloppe Sprache täuscht Selbstsicherheit vor – und darüber hinweg, dass sie offenbar wenige Quellen studiert hat. Die Belegstellen stammen meist aus kleinen Themen-Taschenbüchern. Um die Dramatik zwischen Steiner und den Frauen seines Umkreises zu schildern, greift sie ausgerechnet auf »Frauen um Steiner« von Juliane Weibring (Pseudonym für Cornelia Giese) zurück, die Steiner eine Kokainsucht angedichtet hat, bloß weil er sich aus London Schnupftabak liefern ließ (»Snow« hieß die Sorte). Zwar schildert Gebhardt diese Episode hier nicht, aber sie hätte misstrauisch genug sein sollen, um solch geschwätzige Kolportage besser nicht zum Quellenmaterial zu erheben. Sie sieht Steiner als verklemmten Machtpolitiker, der seine Sexualität zu einer gewaltigen Leistungsbereitschaft sublimiert. Als Bekräftigung bringt sie vor, dass die Waldorfschulen sich auch heute gegen Sexualpädagogik »spreizen« (S. 118). Der Rezensent gibt seit Jahren – und wahrlich nicht als einziger – Sexualkunde-Kurse in Waldorfschulen, kennt die entsprechende Waldorf-Literatur und reibt sich die Augen.

Ansonsten werden die biographischen Zeugnisse von Zeitgenossen vor allem nach Wolfgang Vögeles Buch Der andere Steiner beigebracht. Dieses Buch ist zwar hilfreich und unpolemisch, aber da es nur eine Blütenlese – erklärtermaßen eingeengt auf die »Außenperspektive« – bietet, kann es eigenes Studium der Zeitzeugen nicht ersetzen. Da Miriam Gebhardt eigentlich zeitgeschichtlich sehr gebildet ist, erstaunt es, dass sie es sich so bequem gemacht hat.

Frau Gebhardt scheint das Gespräch mit praktizierenden Anthroposophen wenig zu pflegen, sonst würde sie die heutige Einschätzung von wichtigen Mitarbeitern Steiners nicht so grob verkennen: Rittelmeyer kommt in einer überaus dürftigen Beschreibung nur als Mystiker-Parallele vor (S. 189); Ita Wegman ist angeblich heute in der Anthroposophischen Gesellschaft aus dem Gedächtnis gelöscht (und das nach dem monumentalen und oft aufgegriffenen biographischen Werk Emanuel Zeylmans’ und den Darstellungen Peter Selgs!), und vorgeblich ist nach Steiners Tod nichts wesentlich Neues mehr entstanden – weder auf dem Kerngebiet der Anthroposophie, noch in den Tochterbewegungen. Wer sich über solche Unkenntnis verwundert, muss die Lücken bemerken: Die Autorin kennt offenbar weder die Arbeiten von Gerhard Kienle, Diether Lauenstein, Rudolf Frieling, Karl König, Peter Selg, noch Rittelmeyer dort, wo er eigenständig ist. Rittelmeyers Meditation wird zwar erwähnt, aber wohl nicht in ihrer Besonderheit erkannt, weil dazu ja erst einmal Rudolf Steiners eigene Darstellungen wirklich gekannt sein müssten. Der »dichte Nebel«, den die Autorin beklagt, wird von ihr wenig gelichtet.

Die umfangreichste Biographie stammt von Helmut Zander. Zander setzt seine Linie fort, die Anthroposophie in die Strömungen seiner Zeit einzuordnen. Er meint, dass »die Anthroposophen «Steiner zu viel Originalität zubilligen und unnötig heiligsprechen. Mit dieser Tendenz ist in der Kontroverse um Zanders 1919seitige Studie Anthroposophie in Deutschland (Göttingen 12007) so leidenschaftlich umgegangen worden, dass ich mich hier nicht weiter darüber auslassen muss. Die Biographie (die sich viel angenehmer liest als das opus magnum) bringt auch dem Kenner viele Details und – anders als Gebhardts Buch – eine hilfreiche zeitliche Kontextualisierung.

Anregende Standpunktvielfalt

Zanders unterhaltsame Sprache – die Steiner an vielen Stellen den Respekt nicht versagt – wird manche Menschen verletzen, die sich in ihrer Lebensarbeit von der Anthroposophie befeuert sehen. Das dürfte keineswegs Zanders Absicht sein, aber es ist fast unvermeidlich angesichts der Grundannahme, Steiner als irritierend vielseitigen, jeweils auf Zeitströmungen reagierenden »Propheten« anzusehen, der die Quellen seiner Beeinflussung verschleiert. Zander nimmt das nicht einmal übermäßig übel, weil er ohnehin variable Positionen für realistischer hält als unbezweifelbare Wahrheiten. »Wissenschaft … [ist] eine Agentur zur Verunsicherung über vermeintlich sicheres Wissen.

Schon deshalb gibt es keine abschließende, gar ›wahre‹ Deutung« (S. 473). Und er spielt Steiners Behauptung, er habe sich nicht wesentlich in seinen Anschauungen geändert, gegen die primären Widersprüche seiner Aussagen aus verschiedenen Lebensphasen aus. Immerhin ersetzt Zander das »Entweder-Oder« von »Kontinuität « oder »Bruch« durch die These einer »Transformation« des Steinerschen Monismus. Dieser Vermittlungsversuch ist aus der Position eines Paradigmenpluralismus sogar konsequent, geht aber an Steiners evolutionärem Denken und Forschen vorbei. Schon die durchaus zahlreichen Beispiele, in denen Steiner sich selbstkritisch als irrtumsfähig bezeichnet hat, sprechen m.E. gegen Zander eine deutliche Sprache. Überdies hat Steiner noch häufiger einen Aspekt seiner Geisteswissenschaft betont: Sie soll gar nicht ewige und apodiktische »Wahrheiten« künden (vgl. das gleichberechtigte Nebeneinander der zwölf Weltanschau ungen im Vortragszyklus Der menschliche und der kosmische Gedanke, GA 151), sondern zur sozialen Wirksamkeit aufrufen. Ich kenne keine geistige Bewegung, bei der der Anteil der »Mitarbeiter« (Ärzte, Lehrer, Heilpädagogen, Priester, Eurythmisten, Landwirte etc.) so groß ist wie unter Anthroposophen. Diese Größenverhältnisse zeigen: Die Frage nach der Praxis ist wichtiger als die Bestätigung von geisteswissenschaftlichen »Richtigkeiten«. Steiner hat die Anthroposophen in ihren jeweiligen Bestrebungen und Fragestellungen leidenschaftlich gefördert, und das wirkt manchmal von außen so, als hätte er sein Mäntelchen nach dem Wind gedreht, obgleich er eher dem Prometheuswort Goethes folgen wollte: »Des Tätigen Manns Behagen sei Parteilichkeit«.

An vielen Stellen würde ich gern mit Zander rechten, wenn der Umfang einer Rezension dies hier erlaubte (so etwa über die leichtfertige Vermutung einer Kokainsucht Steiners, siehe oben die Bemerkungen zu Gebhardt), oder auch in der großzügigen Verwendung des Wortes »Geliebte« u.a. für Ita Wegmann, wo auch Zander für eine sexuelle Beziehung keine Belege sieht). Es kommt viel Klatsch zur Sprache. Auch die Spekulation über eine seelische Erkrankung Steiners in Anknüpfung an Wolfgang Treher ist reichlich abgelegen. Eigentlich müsste Zander wissen, dass in Trehers Buch Hitler Steiner Schreber der behauptete »schizophrene Prophetenwahnsinn« auch bei den anderen Portraits fehlgeht. Warum nennt Zander so etwas vergleichsweise seriös? Auch der »Nachweis«, dass Steiner die Darstellungen aus der Akasha-Chronik jeweils dem seinerzeitigen technischen Fortschritt angepasst habe, ist m.E. wenig gelungen, weil er sich auf dürftige Belege (etwa die zeitliche Parallelität von Fluggeräteigenschaften) stützt.

Eine Frage hat Zander von früheren Anthroposophiekritikern übernommen: Warum hat Steiner – wenn er sich schon als Hellseher sah – nicht seine eigene Zukunft oder auch geschichtliche Ereignisse vorausgesehen? Dieser Vorhalt wäre vielleicht gegenüber Anthroposophen berechtigt, sofern sie Steiner als irrtumsunfähig ansahen. Doch Steiner hat das erweislich anders betrachtet. Es gibt bei ihm – vor allem in der Zuwendung zum Christentum, wie Lindenberg in seiner frühen Studie Individualismus und Religion nachzeichnet – eine geistige Entwicklung, nicht bloß Erweiterung. Und es wäre um Steiners Fairness schlecht bestellt, wenn er in Fällen, wo er selber involviert war, zugleich eine z.B. tagespolitische Aktivität entfaltet und einen uneinholbaren Wissensvorteil genutzt hätte – dies käme den untauglichen Versuchen der Mutter Bertha von Suttners gleich, vermittelst hellseherischer Begabung die Spielbank zu Baden-Baden zu sprengen. Ob allerdings Zander davon zu überzeugen wäre, da er ja bei Rudolf Steiner eine opportunistische, anlassgebundene Selbstinszenierung sieht?

Das Buch sollte nicht verdammt werden, denn es bringt – eben im Rahmen der Zanderschen Perspektivenpluralität – eine Fülle von zeitgeschichtlichen Facetten und Informationen. Und außerdem ist es für uns Anthroposophen nützlich, weil es in beneidenswerter Bildungsweite dazu anhält, die weitgeöffnete Schere zwischen Außen- und Binnenwahrnehmung auszuhalten und daran die eigene Begrifflichkeit zu schulen. »Moderner Prophet« – »Guru« – »Inszenierer seiner Selbst« … zumindest Miriam Gebhardt und Helmut Zander sehen Steiner so und schelten ihn nicht einmal dafür, weil es offenbar in ihr Zeitempfinden passt. Passt das vielleicht wirklich in unsere Zeit, wo die Originalität und Werthaltigkeit nicht mehr durchweg Überzeugungstreue à la »Hier stehe ich, ich kann nicht anders« geschätzt wird? Wenn man einmal Heiner Ullrich ausnimmt, der einen seriösen Dialog zwischen Erziehungswissenschaft und Waldorfpädagogik seit Jahren pflegt und Standpunkte scharf von einander abgrenzt und respektiert, also die altmodischen Tugenden akademischer Auseinandersetzungen hegt: Beide anderen Autoren überraschen dadurch, dass sie bei Steiner eine Standpunktvielfalt und Widersprüchlichkeit herausarbeiten. Darauf reagieren sie jedoch eher angeregt als säuerlich. Beide bewundern Steiner für seine Vielfältigkeit und auch für seine Fähigkeit, nach Niederlagen sich immer wieder neu »zu erfinden«. Prinzipientreue scheint ihnen nicht so wichtig zu sein. Um es noch ein bisschen schärfer, und vielleicht »zeitgemäß« zu formulieren: Inkonsistenz hat anscheinend Charme.

Die drei Bücher sind – je verschieden – durchaus für Neu-Interessenten anregend. Ob sie Steiners eigenem Ansatz und Lebensplan wirklich gerecht werden, möge jeder selber entscheiden. Letztlich wird es darauf ankommen, ob jemand ernst macht mit einer Anthroposophie, die nicht bloß ein patchwork bleibt.

Frank Hörtreiter’
Meteen hierna treedt Wolfgang G. Vögele op als recensent van het boekje van Uwe Werner over racmisme, onder de korte titel ‘Sachbezogen’:
‘Uwe Werner: Rudolf Steiner zu Individuum und Rasse. Sein Engagement gegen Rassismus und Nationalismus, Verlag am Goetheanum, Dornach 2011, 52 Seiten, 13 EUR.

Werners Studie ist ein überarbeiteter Separatdruck eines Beitrags zu dem historiographischen Sammelband: Rahel Uhlenhoff (Hg.): Anthroposophie in Geschichte und Gegenwart, Dornach 2011.

Die anthroposophische Bewegung kann sich im Steinerjahr 2011 nicht über mangelnde öffentliche Aufmerksamkeit beklagen. Ich nenne nur das Medienecho, das mehrere neue Steiner-Biographien auslösen werden. Zu den beachtenswerten Publikationen gehört auch die jetzt vorliegende Studie von Uwe Werner, eines Autors, der sich am aktuellen Diskurs um Rudolf Steiner seit Jahren engagiert und mit Sachkenntnis beteiligt. Die Öffentlichkeit wird in naher Zukunft erneut mit einem Thema konfrontiert sein, das viele Anthroposophen schon als zur Genüge abgearbeitet und erledigt betrachten: Das Verhältnis der Anthroposophie zu Rassismus und Nationalismus. Geistesgegenwärtig greift Werner in diese Debatte ein, die nicht zuletzt auf Grundlage einer neuen umfangreichen Studie des amerikanischen Junior-Professors Peter Staudenmaier Between Occultism and Fascism (2010) in Gang gekommen ist. Diese Studie, an deren Zustandekommen übrigens auch der mit Staudenmaier befreundete deutsche Steiner-Experte Helmut Zander tätigen Anteil hatte, versucht eine personelle und ideologische Verflechtung von Anthroposophie und Nationalsozialismus zu belegen.

Uwe Werner, dem es nicht um billige Apologetik oder Gegnerabwehr geht, stellt dagegen prägnante Aussagen Rudolf Steiners in den Mittelpunkt seiner Betrachtung, die diesen eindeutig als Verfechter von Humanismus und Demokratie ausweisen. Äußerungen, die den meisten Kritikern entweder unbekannt sind oder die sie bewusst unterschlagen. In seiner Einleitung wirft Werner ein Schlaglicht auf die gegenwärtige Diskussion um Steiner und beleuchtet den Verlauf der Rassismusforschung bis heute, bezieht auch jüngste Ergebnisse der DNA-Forschung zum sogenannten genetischen Fingerabdruck mit ein. Im ersten Teil seiner Studie vergleicht er Steiners Auffassung von Rassen mit dem völkisch-rassistischem Denken. Er untersucht die Begriffe »Rasse« und »Individuum« in Steiners schriftlichen Grundwerken, deckt »Begegnungskonstrukte« auf (manche Autoren behaupten, Hitler und andere führende Nazis hätten wichtige Begegnungen mit Steiner gehabt), analysiert Steiners Position im Weltkrieg und in der Dreigliederungsbewegung und weist auf biographische Momente der letzten Lebensjahre hin (Steiners Reaktion auf den Hitlerputsch 1923 usw.). Werner polemisiert nicht, er lässt die Dokumente für sich sprechen. Er stellt aber auch exemplarisch dar, wie polemische Steinerkritiker bisher mit Zitaten umgingen, indem sie in dem Bestreben, Steiner als Rassisten zu diffamieren, historische Dokumente so lange entstellten und zurechtbogen, bis aus ihnen das Gegenteil ihrer ursprünglichen Aussage hervorging. Diese entstellten Zitate fanden dann Eingang in wissenschaftliche Literatur.

In diesem Zusammenhang bescheinigt Werner auch Helmut Zander unseriöses Verhalten, denn dieser habe 2007 ein Schriftstück mit solchen entstellten Zitaten unaufgefordert an eine deutsche Behörde geschickt, die Steinerschriften auf rassistische Stellen überprüfen sollte. Im zweiten Teil erörtert Werner, ausgehend von dem schillernden Begriff »Deutschtum«, der von Rassisten anders interpretiert wurde als von Steiner, folgende spannende Fragen: Wie schätzten Anthroposophen Hitler und den Nationalsozialismus ein, und: Wie schätzten Nationalsozialisten Steiner und die Anthroposophie ein? Dazu bietet Werner eine Fülle von teilweise unbekannten Dokumenten, aus denen bilanziert werden kann, dass »braune Anthroposophen« sowohl vor als auch nach 1945 eher unbedeutende Einzelfälle waren, die auf die anthroposophische Bewegung keinen Einfluss hatten. Steiner war weit entfernt von der Forderung, alle Menschen müssten Anthroposophen werden. Aber er erwartete zumindest eine gründliche Prüfung seiner Ideen. Studien wie diejenige Werners tragen dazu bei, eine solche Prüfung zu erleichtern. Nachdrücklich weist er darauf hin, dass Anthroposophie im Kern keine abstrakte Theorie, sondern reales spirituelles Leben ist. Wer es grundsätzlich ablehnt, sich irgendwie auf dieses Leben einzulassen, wird auch die Erfolgsgeschichte der anthroposophischen Bewegung nicht verstehen. Werners Ausführungen sind ein Musterbeispiel für einen sachbezogenen und fairen Umgang mit Kritikern. Wer als wacher Zeitgenosse Anthroposophie in der Öffentlichkeit vertreten will, sollte sich diese Studie nicht entgehen lassen.

Wolfgang G. Vögele’
Ook hier een verrassende waardering, die net anders is dan op andere plekken of hier eerder door anderen geventileeerd. Zelf lezen is natuurlijk altijd nog het beste! Maar zolang dat nog niet het geval is, of de betreffende boeken nog niet binnen, vormen deze besprekingen een mooi alternatief.
.

1 opmerking:

barbara2 zei

frank hörtreiter wieder in hannover ist auch eine neuigkeit. zuketzt war er in hamburg. in hannover habe ich ihn damals kennen gelernt.
hier gibt es auch in meinem regionalblättchen fast täglich irgendetwas über steiner. schon erstaunlich, was die ausstellung, die ja jetzt in stuttgart ist und die 150 jahre ausmachen.
habe gerade über niederländische gemüsebauer gelesen, eine gruppe die gewächhäuser hat und damit die erste gruppe niedrigenergiehäuser der niederlande mit energie versorgen soll

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(Hilversum, 1960) – – Vanaf 2016 hoofdredacteur van ‘Motief, antroposofie in Nederland’, uitgave van de Antroposofische Vereniging in Nederland (redacteur 1999-2005 en 2014-2015) – – Vanaf 2016 redacteur van Antroposofie Magazine – – Vanaf 2007 redacteur van de Stichting Rudolf Steiner Vertalingen, die de Werken en voordrachten van Rudolf Steiner in het Nederlands uitgeeft – – 2012-2014 bestuurslid van de Antroposofische Vereniging in Nederland – – 2009-2013 redacteur van ‘De Digitale Verbreding’, het door de Nederlandse Vereniging van Antroposofische Zorgaanbieders (NVAZ) uitgegeven online tijdschrift – – 2010-2012 lid hoofdredactie van ‘Stroom’, het kwartaaltijdschrift van Antroposana, de landelijke patiëntenvereniging voor antroposofische gezondheidszorg – – 1995-2006 redacteur van het ‘Tijdschrift voor Antroposofische Geneeskunst’ – – 1989-2001 redacteur van ‘de Sampo’, het tijdschrift voor heilpedagogie en sociaaltherapie, uitgegeven door het Heilpedagogisch Verbond

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