Bedoeld is: antroposofie in de media. Maar ook: in de verdrukking. Want antroposofie is niet eenvoudig te grijpen en te begrijpen. Dat geeft snel een vertekend beeld. In deze weblog wil ik ruimte geven om antroposofie, zoals zij in de media verschijnt, op haar merites te beoordelen. Vanuit een positieve instelling. Maar niet kritiekloos.

zaterdag 25 december 2010

Helderzien


Vandaag een kerstoverweging. Daarvoor put ik eenvoudigweg uit ‘Die Drei’ van november, zoals ik eerder ook al deed (op 29 november in ‘Zuiver’; hier vindt u het novembernummer van Die Drei). Het zijn de eerste drie pagina’s van een artikel van Martin Basfeld, ‘Hellsehen und Miterkennen. Gedanken zum Charakter der Geheimwissenschaft’, op de pagina’s 13 tot en met 15. U kunt het op de website alleen partieel lezen, want het is natuurlijk de bedoeling dat u zich op dit tijdschrift abonneert, of het in de winkel koopt. Maar zelfs alleen deze drie pagina’s zijn al zeer de moeite waard; het behandelt een vraagstuk dat altijd weer opduikt in verband met de antroposofie:
‘Seit es die Anthroposophie gibt, wird ihr der Vorwurf gemacht, sie sei keine Wissenschaft, weil die Beschäftigung mit ihr den unüberprüfbaren Glauben an die »Schauungen« ihres Begründers voraussetze. Rudolf Steiner wurde nicht müde, diesem Vorwurf immer wieder zu begegnen, widerspricht er doch dem Anliegen der Anthroposophie, trotz aller Esoterik, in allen Aspekten vollständig öffentlich zu sein. Der erste Teil des folgenden Artikels würdigt einen methodischen Zugang zur Anthroposophie, den Rudolf Steiner im Jahr 1917 zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit formuliert hat. Die beiden anderen Teile ziehen Konsequenzen daraus für den selbstständigen Umgang mit der Anthroposophie am Beispiel der Geheimwissenschaft im Umriss.

1. Denkendes Hellsehen

Gegen Ende des Ersten Weltkrieges vollzog sich eine starke Öffnung der Anthroposophie in das allgemeine gesellschaftliche Leben. Durch konzeptionelle Angebote und Modelleinrichtungen in der Gestaltung des sozialen Lebens, der Pädagogik, der Heilpädagogik, der Medizin und der Landwirtschaft sowie als Pate der Bewegung für religiöse Erneuerung wurden auf ihrer Grundlage innerhalb weniger Jahre neue Wege eröffnet, sich den großen Zeitproblemen praktisch und positiv gestaltend zuzuwenden. Mit seinem Buch Von Seelenrätseln[1] gab Steiner im Jahr 1917 dieser neuen Entwicklungsphase der Anthroposophie entscheidende Impulse. Ein zentrales Thema darin ist die Frage, ob und wie Geisteswissenschaftler (sich berufend auf hellseherische Empirie)[2] mit Kultur- und Naturwissenschaftlern (sich berufend auf Dokumente und Sinneserfahrungen) zu einer gemeinsamen forschenden Zusammenarbeit kommen können. Vor 1917 rechtfertigte Steiner die Wissenschaftlichkeit geistiger Forschungsergebnisse im Prinzip wie folgt. Man kann übersinnliche Erfahrungen nicht durch Verstandesspekulation verifizieren. Dazu muss man sich die Technik übersinnlicher Wahrnehmung durch Schulung aneignen. Diese Schulung ist systematisch und wissenschaftlich kontrollierbar. Werden die so gewonnenen Erfahrungen gedanklich aufbereitet, können diese Gedanken auch ohne hellseherische Fähigkeiten auf Richtigkeit hin überprüft werden. Sie sind auch für den an die Sinneswahrnehmung orientierten Verstand insofern nachvollziehbar, als dass Fragen über das Leben des Menschen und das Wesen der Natur beantwortet werden, die ohne übersinnliche Empirie offen bleiben müssen. Z.B.: Gibt es ein Leben der Seele vor der Geburt und nach dem Tod? Gibt es eine vom Leib unabhängige Seele?

Ein wesentlicher Punkt bleibt bei dieser Gegenüberstellung von übersinnlicher und sinnlicher Forschung offen. Kann auch der nicht hellseherisch Begabte zu einem eigenen Erleben der vom Hellseher beschriebenen übersinnlichen Tatsachen kommen oder bleibt er auf die gedankliche Interpretation der Mitteilungen angewiesen? Letzteres kann zwar für den einzelnen bedeutend werden, bleibt aber in gewisser Hinsicht theoretisch. Denn dass ich mir etwas erklären kann, reicht nicht aus als Beleg für die Richtigkeit der Voraussetzungen der dabei zu Grunde gelegten Theorie. Deshalb besteht bis heute der bereits erwähnte Vorwurf gegen die Anthroposophie, man könne sie ohne die Schauungen Steiners nicht eigenständig aufnehmen und weiter entwickeln.

Im Jahr 1917 gab Steiner dieser Problemstellung eine ganz neue Wendung. Er behauptet eine enge Verbindung zweier Wissenschaftsansätze: »Es muss eine anthroposophische Geisteswissenschaft geben, wenn die anthropologischen Erkenntnisse der Naturwissenschaft das sein wollen, was zu sein sie beanspruchen müssen. Entweder sind die Gründe für das Vorhandensein einer Anthroposophie berechtigte, oder es ist auch den naturwissenschaftlichen Einsichten kein Wahrheitswert zuzuerkennen.«[3]

Dabei bedeutet »Anthroposophie« die Wissenschaft des Übersinnlichen oder einfach Geisteswissenschaft. Und der Begriff »Anthropologie« fasst alle sinnesgebundenen Wissenschaften (Kultur- und Naturwissenschaften) zusammen. Beide sind aber eigentlich eine Wissenschaft, die sich nur in zwei Richtungen entfaltet und differenziert. Ihr Gemeinsames ist nach Steiner das Vorstellen. Er erläutert dazu, wie das Bewusstsein durch die Sinnesorientierung des Verstandes über die Inhalte sein eigenes Wesen verschläft, weil es im Nachdenken über etwas eben auf dieses und nicht auf das Denken oder das Vorstellen selbst die Aufmerksamkeit lenkt. Und dieses Etwas ist gewöhnlich entweder direkt oder indirekt durch die Sinne gegeben. Stehen uns solche Inhalte nicht mehr zur Verfügung, schlafen wir ein und verlieren uns. Durch Vorstellungen und Begriffe die Sinneswelt zu verinnerlichen und sich ihre Gesetzmäßigkeiten anzueignen, vergleicht Steiner mit Aufnahme, Aneignung und Verarbeitung von Nahrung.[4] Eine andere Art, mit Begriffen umzugehen, vergleicht er mit dem Versenken eines Samenkorns in die Erde und dem daraus folgenden Wachstum der Pflanze.[5] Begriffe und Vorstellungen kann man in der Seele bewegen, auch dann, wenn es nicht darauf ankommt, was sie von der Außenwelt abbilden. Sie entfalten im Meditieren dann eine eigene Kraft. Man erlebt diese Kraft als Tätigkeit der eigenen Seele.

Grenzvorstellungen sind dafür besonders geeignet, weil sie das Denken an einen Ort führen, der keine Entsprechung in der Sinneswelt mehr hat. Denkt man sich zum Beispiel den gemeinsamen Punkt zweier paralleler Geraden in der Ebene, wird das gegenständliche Vorstellen immer mit unlösbaren Widersprüchen konfrontiert. So bedeutet Parallelität einerseits immer gleich bleibender Abstand, so weit man den Geraden innerlich auch folgt. Andererseits haben zwei nicht parallele Geraden in einer Ebene genau einen Schnittpunkt. Dreht man die eine, dass der Schnittpunkt sich auf beiden Geraden immer weiter vom Drehpunkt entfernt, kommt er nach dem Durchgang durch die Parallelität von der anderen Seite her wieder dem Drehpunkt näher. Warum sollte er im Falle der Parallelität verschwinden, wenn er doch für jede andere Lage der Geraden zueinander eindeutig bestimmt ist? Eisenbahngleise müssen praktisch parallel bleiben, sonst können Züge nicht auf ihnen fahren. Aber für den Blick laufen die beiden Schienenstränge in der Ferne zusammen. Die immer wieder aufzuwendende Willens-Aktivität, die ich spüre, wenn ich den Widerspruch im nachvollziehenden Vorstellen erlebe, ist eine Erfahrung der eigenen Seele, die selbst nichts mit äußeren Sinnesgegebenheiten zu tun hat. Steiner nennt in seinem Buch andere Beispiele.[6]

So wie der eigene Leib mit seiner Grenze an die Außenwelt stößt und dabei lernt, diese über die Sinne differenziert wahrzunehmen, so lernt die sich selbst in ihrer Aktivität erlebende Seele sich gegenüber einer übersinnlichen Welt abzugrenzen, und diese nach und nach differenziert zu erleben. Der übersinnlichen Wahrnehmung stehen keine natürlich gegebenen Organe zur Verfügung, sondern nur Organe, die die Eigenaktivität der Seele in ihrer Bildung voraussetzen: »Für sie fällt also Wahrnehmen und in Gebrauch stehen zusammen.«[7]

Im Mitvollzug des Eigenlebens der Begriffe sieht Steiner die Verbindung von sinnlichem und übersinnlichem Bewusstsein. Die Kraft des Eigenlebens ist ein autonomes seelisches Erlebnis. Jeder hat dies für einen kurzen Moment im Aufleuchten eines Gedankenblitzes, der plötzlich vieles klar macht, oder im plötz-

Bitte lesen Sie weiter in der Print-Ausgabe!

1. Rudolf Steiner: Von Seelenrätseln (nachfolgend VS), Berlin 1917 (ich zitiere aus der ersten Auflage, um die Auswirkungen auf die Geheimwissenschaft zeitlich genau zu dokumentieren).
2. Das Wort »Hellsehen« wird hier synonym mit der Bezeichnung “übersinnliche Wahrnehmung” verwendet.
3. VS, S. 3.
4. VS, S. 30f.
5. Ebd.
6. Vgl. auch VS, Anhang 2: »Das Auftreten der Erkenntnisgrenzen«.
7. VS, S. 25.’

5 opmerkingen:

Ramon DJV zei

Dag Michel,

Ik heb het er echt niet om gedaan, maar 5 minuten na jou (25/12/2010 • 16:11), plaatste ik dit op Steinerscholen.com: "Gewone wetenschap is volgens Steiner vaak geen werkelijke wetenschap."
Ik zag je blog van vandaag pas nadat ik mijn blog postte.

Groet,
Ramon

John Wervenbos zei

Goede zaak deze kerstboodschap/herinnering Michel. Haakte daar vandaag in mijn digitale notitieboekje op in met het blogbericht: Geesteswetenschap – Hoe werken de engelen in ons astrale lichaam?, Cahier, 25-12-2010.

Tevens plaatste ik vandaag op mijn Faust Archief: Hoe werken de engelen in ons astrale lichaam?, voordracht van Rudolf Steiner, Zürich, 9-10-1918. (Nederlandstalige versie.)

John Wervenbos zei

Herstel: bovenstaande snelkoppelingen in mijn reactie werden niet goed door me aangebracht, werken derhalve niet correct. Onderstaande wel:

1. Geesteswetenschap – Hoe werken de engelen in ons astrale lichaam?, Cahier, 25-12-2010.
2. Hoe werken de engelen in ons astrale lichaam?, voordracht van Rudolf Steiner, Zürich, 9-10-1918.

John Wervenbos zei

Het artikel Bewusstsein jenseits des Gehirns? Nahtodforschung und Quantenphysik: Verwandte Urteilsbildung zweier ungleicher Geschwister van Nothart Rohlfs geplaatst in het november nummer 2010 van Die Drei heeft ook mijn nadere belangstelling; zoals ondermeer (qua themastelling) wel blijkt uit mijn blogbericht van verleden maand in mijn cahier (digitale notitieboekje): Introductie van de bewustzijnsziel – Geschiedkundige impuls, Cahier, 20-11-2010

De weergegeven boekbespreking van Steffen Hartmann (boek van Mieke Mosmuller) lijkt me ook interessant. Abonneren op dat tijdschrift gaat me te ver, wordt me te kostbaar, maar af en toe een exemplaar in de losse verkoop aanschaffen voel ik wel voor. Zal wel niet mogelijk zijn in Rotterdam, neem ik aan. Zal de digitale Die Drei in ieder geval gaan bookmarken en daar zo nu en dan in gaan grasduinen.

Overigens vraag ik me af of Martin Basfeld de relevante, belangrijke en subtiele finesses van Steiners geesteswetenschappelijke verantwoording zoals hij die neerlegde in de eerste voordracht van zijn voordrachtencyclus Exkurse in das Gebiet des Markus-Evangeliums (GA 124; 1910; zie mijn Cahier blogbericht van gisteren), gelezen, doorwerkt en bestudeerd heeft, omdat ik die niet weerspiegeld vind in zijn artikel, althans de weergegeven uitsnede daarvan. Onderstreept des te meer dat het echt aan de tijd is om die cyclus (GA 124) naar het Nederlands te gaan vertalen.

Michel Gastkemper zei

Beste John,
Ten aanzien van die door jou gevraagde bespreking van Mieke Mosmuller word je op je wenken bediend. Ga naar het aan het begin genoemde bericht ‘Zuiver’ van 29 november, en je vindt haar meteen.

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(Hilversum, 1960) – – Redacteur van de Stichting Rudolf Steiner Vertalingen, die de Werken en voordrachten van Rudolf Steiner in het Nederlands uitgeeft – – Hoofdredacteur a.i. van ‘Motief, maandblad voor antroposofie’, uitgegeven door de Antroposofische Vereniging in Nederland – – Bestuurslid van de Antroposofische Vereniging in Nederland 2012-2014 – – Redacteur van ‘De Digitale Verbreding’, het door de Nederlandse Vereniging van Antroposofische Zorgaanbieders (NVAZ) uitgegeven online tijdschrift – – Voormalig lid hoofdredactie van ‘Stroom’, het kwartaaltijdschrift van Antroposana, de landelijke patiëntenvereniging voor antroposofische gezondheidszorg – –Voormalig redacteur van het inmiddels ter ziele gegane ‘Tijdschrift voor Antroposofische Geneeskunst’ , uitgegeven door een onafhankelijke stichting en niet meer verschenen sinds september 2006 – – Voormalig redacteur van ‘de Sampo’, het in 2001 opgeheven tijdschrift voor heilpedagogie en sociaaltherapie, uitgegeven door het eind 2006 in een fusie opgegane Heilpedagogisch Verbond (HPV)

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